# taz.de -- Island als nächstes EU-Mitglied?: Isländische Außenministerin will schnelles Referendum
> Island hatte bereits EU-Beitrittsgespräche geführt, diese aber 2013
> abgebrochen. Durch die neue geopolitische Lage könnte es zu einer
> Wiederaufnahme kommen.
(IMG) Bild: Die isländische Außenministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir zu Besuch beim Amtskollegen Wadephul im Dezember 2025
rtr | Angesichts der geopolitischen Veränderungen plädiert die isländische
Außenministerin Thorgerdur Katrin Gunnarsdottir für ein schnelles
Referendum über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen. „In unserem
Wahlprogramm steht, dass es spätestens 2027 sein soll. Aber ich mache
keinen Hehl daraus, dass ich mir eine Beschleunigung dieses Prozesses
wünsche“, sagte Gunnarsdottir am Sonntag in einem Interview der
Nachrichtenagentur Reuters. „Zuerst muss das Thema vor das isländische
Parlament. Ich hoffe, dass dies eher früher als später geschieht.“
Die Außenministerin verwies auf ein „völlig anderes geopolitisches Umfeld“.
Sicherlich könnte Island sowohl mit den USA als auch der EU
zusammenarbeiten. „Aus meiner Sicht werden die Interessen Islands als
Mitglied der Europäischen Union mit gleichgesinnten Ländern, die die
gleichen Werte wie Island teilen, stärker sein“, betonte sie aber gegenüber
Reuters.
Island hatte bereits EU-Beitrittsverhandlungen geführt, diese aber 2013
unterbrochen. Grund waren vor allem Differenzen über die Fischereipolitik
und die Sorge vor der Aufgabe souveräner nationaler Rechte. 2015 war der
EU-Beitrittsantrag zurückgezogen worden. Seit dem russischen Angriff auf
die Ukraine 2022 und durch die Annexionsdrohungen von US-Präsident Donald
Trump gegen das zu Dänemark gehörende Grönland sowie den Zollstreit mit den
USA hat sich die Stimmung in der isländischen Bevölkerung aber
entscheidend verändert. In der jetzigen Koalition in Reykjavik befürworten
zwei der drei Parteien einen EU-Beitritt.
## Schon Teil von EWR, Schengen und Nato
Island ist mit Ausnahme der Fischerei und der Landwirtschaft bereits in
den EU-Binnenmarkt integriert, Vollmitglied des Schengen-Raums und
Gründungsmitglied der Nato.
Gunnarsdottir lobte, dass sich die EU gegenüber den Beitrittsverhandlungen
2009 bis 2013 deutlich transparenter zeige. „Sie hat sich in jeder Hinsicht
verbessert, in jedem Bereich, in Verteidigung und Sicherheit,
wirtschaftlicher Sicherheit und dem Sozialwesen“, sagte sie. Europa nehme
richtigerweise eine stärkere Rolle auf der internationalen Bühne ein.
„Kleine und mittelgroße Länder sind gemeinsam stärker.“
15 Feb 2026
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