# taz.de -- Nachhaltiges Supermarktkonzept: Da wächst Salat auf dem Dach
       
       > Viel Holz und oben drauf eine Farm – das Supermarktgebäude der Zukunft
       > ist ökologisch. Und jetzt schon da, zum Beispiel im Berliner Süden in
       > Lankwitz.
       
 (IMG) Bild: Luftaufnahme von der neuen REWE Salatschleuder in Berlin Lankwitz
       
       Ein eher abseitiges Hobby von mir ist es, mit dem Fahrrad durch Berlins
       Randbezirke zu streifen. Dabei stieß ich neulich in Lankwitz auf ein
       ungewöhnliches Bauwerk. Mächtige hölzerne Säulen hatte es, die sich nach
       oben hin zu einem komplexen Gestapel aus dünneren Holzstreben erweiterten.
       Als hätte ein sehr talentierter Riese Jenga gespielt oder jemand versucht,
       einen asiatisch anmutenden Tempel [1][im Computerspiel Minecraft
       nachzubauen]. Und als Krönung standen obendrauf noch Glashäuser.
       
       Was ich für ein Gebäude der nahen Freien Universität hielt, entpuppte sich
       als: Rewe. Ein [2][riesiger Avantgardesupermarkt tief im Berliner Süden].
       Im hohen Innenraum setzte sich die hölzerne Struktur bis zur Decke fort und
       sah noch beeindruckender aus. Eröffnet wurde der Markt erst Ende Mai.
       
       „Rewe Green Farming“ nennt sich das Konzept, das zuvor nur in Wiesbaden
       erprobt wurde: ein Bau komplett aus Holz, auf dessen Dach Rewe im großen
       Stil Salat anbaut. Dafür wird unter anderem die Abwärme des Supermarkts und
       gesammeltes Regenwasser genutzt. 500 Filialen sollen damit versorgt werden.
       Tatsächlich war es ein spezielles Gefühl, in einem Supermarkt etwas zu
       kaufen, das bei minimaler Lieferdistanz am gleichen Tag geerntet wurde.
       
       ## Für Greenwashing zu aufwändig
       
       Der Lankwitzer Tempel-Rewe sieht aus wie die grüne Einzelhandelszukunft.
       Oder ist er nur ein Vorzeigeprojekt für PR, [3][Greenwashing gar]? Es gibt
       gute Gründe, die dagegensprechen. Schon seit einiger Zeit hat sich die
       Erkenntnis durchgesetzt, dass Supermärkte keine fensterlosen Zweckbauten
       mit minimaler Geschosshöhe sein müssen.
       
       Und tatsächlich werden immer mehr von ihnen aus Holz gebaut, auch Aldi
       Nord, Netto, Edeka machen das, mehr oder weniger systematisch. Rewe nutzt
       dabei schon seit über zehn Jahren eine andere Baureihe, zertifiziert von
       der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen, mit Photovoltaik statt
       Salatfarm auf dem Dach, und hat davon nach eigenen Angaben schon 350 Märkte
       fertiggestellt.
       
       Das ist ein bisschen viel Aufwand für eine PR-Aktion. Und aus purem
       Altruismus macht man im [4][superhart umkämpften Supermarktmarkt] mal
       überhaupt nichts. Die Holzbauweise wird im Vergleich zu Stein und Beton
       einfach immer günstiger. Auch sprechen für sie die besseren Möglichkeiten
       des modularen Bauens: Teile lassen sich vorab fertigen, vor Ort schneller
       montieren und unter Umständen auch wieder zurückbauen.
       
       Im Prinzip sind mir die Beweggründe auch egal. Während die Herstellung von
       Beton und Stahl viel CO2 verursacht, bindet Holz sogar welches. Es ist der
       Baustoff, dem die Zukunft gehören muss. Wenn Supermärkte damit gebaut
       werden, ist das erst mal gut. Wenn sie dann auch noch geil aussehen, umso
       besser.
       
       1 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /PC-Spiel-Minecraft/!5119181
 (DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/auf-dem-dach-wachst-der-salat-der-unten-verkauft-wird-in-berlin-entsteht-auf-einem-rewe-supermarkt-eine-dachfarm-13463788.html
 (DIR) [3] /Greenwashing/!t5035135
 (DIR) [4] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/verbraucher/monopolkommission-lebensmitteleinzelhandel-supermarktketten-100.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Michael Brake
       
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