# taz.de -- Chormusik zum Gedenken: Singen für die Toten
       
       > Wenn der Platz für Nachrufe fehlt, gibt es andere Wege zum Gedenken. Die
       > stille Chormusik von Nico Muhly eignet sich sehr gut.
       
 (IMG) Bild: Die Chormusik von Nico Muhly für die Tallis Scholars ist auch ein Weg, um Verstorbener zu gedenken
       
       Manchmal ist alles zu viel. Besonders der Tod, ohnehin eine Schweinerei,
       erst recht, wenn er geballt auftritt. Diese Woche ist so eine Woche mit
       vielen prominenten Gestorbenen. Sie alle hätten in der wochentaz einen
       großen Nachruf verdient. Doch da der Platz bei uns begrenzt ist, stellt
       sich oft die Frage: Von den Lebenden oder den Toten sprechen?
       
       Zur Trauer bei Tod gehört fast selbstverständlich Musik. Sie kann anrühren
       wie kaum eine andere Kunst. Auch das kann überfordern. Oder trösten.
       Gesang, die unmittelbarste Art des Musizierens, entwaffnet mitunter ganz
       direkt. Zum Beispiel die Vokalmusik des Komponisten Nico Muhly.
       
       Der Amerikaner hat nicht bloß mit Popkünstlern wie [1][Antony and the
       Johnsons] oder Björk zusammengearbeitet, er ist auch selbst ausgebildeter
       Chorsänger. Für das auf Renaissancemusik spezialisierte Vokalensemble The
       Tallis Scholars hat er eine Reihe von Werken geschrieben, die auf der CD
       „No Resting Place“ (Linn, 2026) erschienen sind.
       
       Konzentriert, gesammelt, von räumlicher Tiefe und zugleich durchzogen von
       stiller Trauer, kann man mit ihr der vielen gedenken, deren Tod in kurzer
       Zeit hintereinander gemeldet wurde: [2][der aufgeklärten Countrymusikerin
       Dolly Parton], des den Kommunismus in Ungarn reflektierenden
       Schriftstellers Péter Nádas, des elegant maliziösen Karikaturisten Hans
       Traxler, des Travestie zur selbstverständlichsten Sache der Welt
       verwandelnden [3][Schauspieler-Sängers Tim Curry] und der [4][soft
       verstörenden Künstlerin Yayoi Kusama].
       
       Requiem aeternam.
       
       28 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Neues-Album-von-Antony-and-the-Johnsons/!5130563
 (DIR) [2] /Dolly-Parton-mit-80-Jahren-gestorben/!6207240
 (DIR) [3] /Nachruf-auf-Tim-Curry/!6207653
 (DIR) [4] /Nachruf-auf-Yayoi-Kusama/!6207813
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Caspar Boehme
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Nachruf
 (DIR) Chor
 (DIR) Chorgesang
 (DIR) Trauer
 (DIR) Dolly Parton
 (DIR) Bildende Kunst
 (DIR) Rocky Horror Picture Show
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Nachruf auf Yayoi Kusama: Magierin der Polka-Dots
       
       Die japanische Künstlerin machte Punkte zu ihrem Markenzeichen. Mit 97
       Jahren ist sie in Tokio jetzt gestorben.
       
 (DIR) Nachruf auf Tim Curry: Dieses Schlossgespenst ist sehr flamboyant
       
       Er mimte gerne Schurken, aber mit Stil und elegantem Spott. Sein Mitwirken
       im Glammusical „Rocky Horror Picture Show“ machte ihn weltberühmt. Nun ist
       Tim Curry gestorben.
       
 (DIR) Neues Album von Antony and the Johnsons: Danke für dein Lied
       
       Auf ihrem Album "Swanlights" schaffen Antony and the Johnsons wunderbar
       nuancierte sinfonische Miniaturen. Sogar Lennons "Imagine" verhelfen sie zu
       neuer Würde.