# taz.de -- Nachruf auf Tim Curry: Dieses Schlossgespenst ist sehr flamboyant
> Er mimte gerne Schurken, aber mit Stil und elegantem Spott. Sein
> Mitwirken im Glammusical „Rocky Horror Picture Show“ machte ihn
> weltberühmt. Nun ist Tim Curry gestorben.
(IMG) Bild: Mad Scientist oder Nutty Professor? Jedenfalls hatte Tim Curry als Dr. Frank-N-Furter reichlich Glam
Rote Lippen, glänzend und sinnlich, sind es, die sich vors innere Auge
schieben, wann immer der Name Tim Curry fällt. Dabei sind es gar nicht die
Lippen des Schauspielers und Musikers, die Filmplakat und Vorspann des
Kultfilms „Rocky Horror Picture Show“ prominent zieren, sondern die seiner
Nebendarstellerin Patricia Quinn alias Magenta. Aber das macht nichts.
Tim Curry als Alien-Transvestit und Wissenschaftler Dr. Frank-N-Furter ist
eh größer als die Filmrolle oder der Schauspieler geworden, eine queere
Ikone der Gegenkultur, allumfassendes Symbol des 1975 veröffentlichten
Glamrockmusicals um ein verirrtes Spießerpaar und allerlei fleischliche
Gelüste.
Es sollte der [1][am längsten durchgängig in den Kinos gespielte Film] der
Geschichte werden. Dies verdankte er auch dem unermüdlichen Publikum, das
von München bis Los Angeles in jahrzehntelangen Mitternachtsvorstellungen
in die Rollen der Schlossbewohner schlüpfte: Der Geist Frank-N-Furters
konnte in jeden fahren.
## Talent für Stimmen
Nun ist der Mann aus Fleisch und Blut, der diesem Geist einst sein Gesicht
lieh, der britische Charakterschauspieler Tim Curry, im Alter von 80 Jahren
verstorben. „Hollywood neigt dazu, europäische Schauspieler, insbesondere
englische, als Bösewichte einzusetzen, weil man die Helden lieber als
Amerikaner besetzt. Ich glaube, wir bringen eine gewisse Stilsicherheit
mit“, sagte er 1997 der AP, und tatsächlich waren es die exzentrischen
Schurken, die Curry auf der Leinwand verkörperte. Trotz seines Talents für
Stimmen waren es dabei wohl eigentlich seine Augen, die stets das
Exzentrische betonten: die leise Möglichkeit des Spotts gegenüber der
Autorität – auch der eigenen.
„Wenn etwas einfach nur schlecht ist (und nicht etwa ‚Camp‘), liegt das oft
daran, dass es in seinen Ambitionen zu mittelmäßig ist“, schrieb Susan
Sontag schon 1964 in ihrem Essay „Notes on Camp“. Tim Curry war niemals
schlecht. Ob in [2][seiner ersten Broadway-Theaterrolle, dem Musical Hair],
bei dem er Richard O'Brien kennenlernte, den Autor der späteren
Rocky-Horror-Vorlage, als König Artus in Monty Pythons „Spamalot“, in
späteren Filmrollen wie dem Horrorclown Pennywise in Stephen Kings „Es“
(1990) oder als Concierge in „Kevin – Allein in New York“: Stets
verkörperte Curry seine Charaktere als performative Grenzgänger mit Lust an
der spielerischen Provokation, ohne je ins Trashige abzurutschen.
Die vollkommen angstfreie Selbstverständlichkeit im stilsicheren Auftritt
war es, die dabei weit über die Persona Curry hinausstrahlte, der sein
Privatleben zeitlebens aus der Öffentlichkeit fernhielt.
Am Dienstagabend verstarb der Schauspieler und Musiker in seinem Haus in
Los Angeles. Die Todesursache wurde nicht bekannt gegeben. Schon 2012
erlitt Curry einen Schlaganfall, von dem er sich nach eigenen Aussagen nur
schwerlich erholte. Schon Ende der 1970er Jahre begann Curry auch
Glamrock-Alben zu veröffentlichen. „Fearless“, so heißt das zweite Werk.
Darauf singt er im Titel „Something Short Of Paradise“: „I'm giving up this
restless life/My wayward friends/The bad advice they give/I'm settling down
to keep you company“. Der progressive, bescheidene Geist Tim Currys wird
uns noch lange begleiten. Gebrauchen kann die Welt ihn mehr denn je.
Mit Material von dpa
27 Aug 2026
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