# taz.de -- FAQ zu Smart Glasses: Heimlich filmen leicht gemacht
> In Deutschland sind immer mehr Brillen mit eingebauter Kamera in Umlauf.
> Was der Trend bedeutet und wie man sich gegen heimliche Aufnahmen wehren
> kann.
(IMG) Bild: Meta-Chef Mark Zuckerberg präsentiert auf einer Entwicklerkonferenz den Prototyp einer neuen „intelligenten“ Brille
Muss ich jetzt ständig befürchten, heimlich gefilmt zu werden?
Ja. Das ist zwar grundsätzlich nicht neu – auch bei Smartphones ist nicht
immer erkennbar, ob eine Person, die ihr Gerät vor sich hält, gerade die
Front- oder die Rückkamera nutzt. Oder nur im Display ihre Jawline checkt.
Doch durch Smart Glasses erreichen die Möglichkeiten des heimlichen Filmens
eine neue Qualität und neue Dimensionen.
Was sind Smart Glasses?
Das sind Brillen, die unter anderem eine Kamerafunktion eingebaut haben und
die Funktionen übernehmen sollen, die bislang das Smartphone erfüllt. Zum
Beispiel Musik hören, Videos posten, telefonieren und einer KI Anweisungen
geben. Für Negativschlagzeilen sorgen gerade die des Herstellers Meta. Der
IT-Konzern, der auch die Plattformen Facebook und Instagram betreibt, hat
Smart Glasses mit dem Brillenhersteller Ray-Ban und dem Sport- und
Bekleidungsunternehmen Oakley auf den Markt gebracht.
Waren Smart Glasses in der Vergangenheit eher Ladenhüter, etwa die Google
Glass, hat Meta offenbar daraus gelernt: Die aktuellen Brillen sehen nicht
mehr aus, als hätte sie jemand aus einer dystopischen Graphic Novel in die
Realität übersetzt. Stattdessen wirken sie einfach wie Brillen. Nimmt ihr:e
Träger:in gerade damit auf, soll eine kleine LED an der Seite blinken, um
das zu signalisieren.
Wie genau vereinfachen Smart Glasses heimliche Aufnahmen?
Schon weil sie heute auf den ersten Blick [1][kaum noch von normalen
Brillen zu unterscheiden sind], wird heimliches Filmen damit viel
einfacher. Einen Handyfilmer entdeckt man im Schwimmbad verhältnismäßig
leicht, kann ihn ansprechen. Alle Brillenträger:innen kann man nicht
unter Verdacht stellen. Dazu kommen weitere Probleme: Die LED, die
eigentlich eine Aufnahme signalisieren soll, ist erstens nicht immer gut
sichtbar. Etwa, wenn sie sich auf dem gerade von der gefilmten Person
abgewandten Brillenbügel befindet oder die Sonne hell scheint.
Darüber hinaus gibt es bereits Berichte, in denen Menschen schildern, wie
sie die LED dauerhaft ausgeschaltet haben. Auch passgenaue Sticker zum
Abdecken sind bereits auf dem Markt, auch wenn Meta angibt, dass die
Software ihrer Smart Glasses eine Abdeckung der LED erkennen und die Kamera
dann nicht mehr aufnehmen würde.
Zuverlässig zu funktionieren, scheint das aber bislang nicht. „Wir arbeiten
ständig daran, unsere Fähigkeiten, eine Abdeckung zu erkennen, zu
verbessern“, erklärt der Konzern dazu in einem [2][FAQ]. Darüber hinaus
entferne der Konzern etwa Werbung für LED-Abdeckungen, sperre
gegebenenfalls Accounts und gehe rechtlich gegen entsprechende Angebote
vor. Auf Plattformen wie Youtube und Reddit finden sich dennoch Anleitungen
für das Deaktivieren der Signal-LED.
Warum sind diese Brillen noch erlaubt?
Die Bundesnetzagentur sieht aktuell keinen Anlass für ein Verfahren, das in
ein Verbot münden könnte. Man habe Smart Glasses aus verschiedenen
Entfernungen und Lichtverhältnissen geprüft. Bei den Modellen sei die
Hinweis-LED auch noch aus einigen Metern klar erkennbar gewesen, teilte die
Behörde der taz mit. „Geräte, deren LED entgegen der Herstellervorgaben
deaktiviert wurden, sind verboten“, sagt Sprecher Matthias Podolski. Die
reine Möglichkeit der Manipulation reiche nicht für ein Verbot.
Die Organisation HateAid sieht das anders: Sie hat auf Basis des
Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG)
Strafanzeige gestellt, und zwar nicht nur gegen Meta, Ray-Ban und Oakley,
sondern auch gegen Optik- und Elektronikhandelsketten, die diese Geräte
vertreiben. „Vor Smart Glasses sind Menschen nirgends sicher. Man muss
jederzeit damit rechnen, gefilmt und dann im Internet bloßgestellt zu
werden“, sagt HateAid-Geschäftsführerin Josephine Ballon.
Der Organisation zufolge häufen sich seit Jahren Fälle von bildbasierter
digitaler Gewalt. Die Gefilmten seien vor allem Frauen, die sexualisiert
dargestellt werden. Bei den Smart Glasses tarne sich eine „besonders
unauffällige Überwachungstechnologie“ als Alltagsgegenstand.
Darf man denn mit solchen Brillen einfach andere Menschen filmen?
„Wer ohne Zustimmung Dritter einfach drauflosfilmt, bewegt sich auf sehr
dünnem rechtlichem Eis“, sagt der auf Verbraucherthemen spezialisierte
Anwalt Christian Solmecke der taz. Wer die Signal-LED der Brille
manipuliere, mache sich potenziell strafbar. Ein Verstoß könne nach
Paragraf 27 TDDDG mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder
einer Geldstrafe geahndet werden. Dazu kämen mögliche weitere Strafen, wenn
durch die heimlichen Aufnahmen der höchstpersönliche Lebensbereich anderer
verletzt werde.
Was kann man tun, wenn man heimlich gefilmt wurde?
Wer ungewollt gefilmt wurde, kann laut Anwalt Solmecke die sofortige
Unterlassung und Löschung der Aufnahmen fordern – in schweren Fällen von
Persönlichkeitsrechtsverletzungen gebe es zudem [3][einen Anspruch auf
Schadenersatz beziehungsweise Schmerzensgeld]. Aber: „Das größte praktische
Problem bleibt die Beweisbarkeit“, sagt er. Schließlich lasse sich ein
Gefilmtwerden mittels Smart Glasses gerade nicht gut erkennen.
Und was ist, wenn das gefilmte Material bereits auf Social Media kursiert?
„Dann richten sich die Ansprüche nicht nur gegen den Ersteller, sondern
auch gegen die Plattformbetreiber“, erklärt Solmecke. Betroffene könnten
auf Basis des Digital Services Act von den Plattformen die umgehende
Löschung oder Sperrung der rechtsverletzenden Inhalte verlangen. Gegenüber
dem Uploader könnten sie außerdem Unterlassungs- und Schadenersatzansprüche
geltend machen und eine Strafanzeige wegen Verletzung des Rechts am eigenen
Bild stellen.
Was geht politisch gegen die Smart Glasses?
[4][HateAid] und das [5][Zentrum für Digitalrechte und Demokratie] haben
Petitionen gestartet, die sich an Bundesjustizministerin Stefanie Hubig
(SPD) und den Präsidenten der Bundesnetzagentur Klaus Müller richten. Damit
fordern sie etwa einen Vertriebsstopp für Geräte in heutiger Ausgestaltung
und das Schließen von Schutzlücken für heimliche Aufnahmen.
Und dann ist da ja noch die Anzeige von HateAid gegen Meta und Co. Anwalt
Solmecke hält sie für einen „juristisch notwendigen und sinnvollen Schritt,
um endlich Rechtssicherheit zu schaffen“. Es sei realistisch, dass es so zu
„strengeren Auflagen für das Produktdesign oder gar zu einem
Vertriebsverbot in der jetzigen Form“ komme.
28 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Smart-Glasses-von-Meta-Was-tun-wenn-man-heimlich-gefilmt-und-das-Video-gepostet-wurde/!6196176
(DIR) [2] https://about.fb.com/news/2026/07/metas-ai-glasses-your-questions-answered/
(DIR) [3] /HateAid-ueber-digitale-Gewalt/!6162845
(DIR) [4] https://hateaid.org/petition-smart-glasses-missbrauchssicher-machen/
(DIR) [5] https://digitalrechte.de/spannerbrillen
## AUTOREN
(DIR) Svenja Bergt
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