# taz.de -- Bildungspolitik der AfD: Die blaue Verführung
> Die AfD wirbt unter anderem für eine Aufweichung der Schulpflicht.
> Kurzfristig könne sie ihre Bildungsprogrammatik aber nicht realisieren,
> so das Fazit einer Studie.
(IMG) Bild: Gemeinsames Lernen von Schüler:innen mit und ohne Behinderung: Die AfD in Sachsen-Anhalt will die inklusive Beschulung beenden
Die schulpolitische Offerte der AfD könnte Kritiker:innen der
staatlichen Schulpolitik ansprechen. Denn: Welche Eltern sorgen sich nicht
um die schulische Bildung ihrer Kinder? Die selbsternannte Alternative für
Deutschland hofft in Sachsen-Anhalt mit ihren Forderungen auch das
alternative Milieu mit anzusprechen.
In ihrem bereits vor der Wahl aufgestellten „Regierungsprogramm“ verspricht
die Partei um Spitzenkandidat Ulrich Siegmund nichts weniger als die
Aufweichung der Schulpflicht. Ihr Credo: „Bildungspflicht statt
Schulzwang“. Würde dieses Vorhaben umgesetzt, wäre allerdings der
Sozialisationsort Schule gefährdet und ein inklusiver, selbstbestimmter
Bildungsweg weiter behindert, sagt Tilmann Kern, Geschäftsführer des
[1][Bundesverbandes der Freien Alternativschulen e. V. (BFAS)] der taz.
Der Verband, in dem 127 Schulen organisiert sind, hat bei einer Kanzlei,
nämlich der [2][dka Rechtsanwälte Fachanwälte], ein Gutachten zu den
„politischen Einflussmöglichkeiten der AfD auf den Bildungsbereich“ nach
der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erstellen lassen. Bei der Wahl am 6.
September könnte die AfD über 42 Prozent erreichen und gegebenenfalls
allein regieren. „Das Gutachten sollte abklopfen, welche der Vorhaben aus
rechtlicher Sicht haltbar und umsetzbar erscheinen“, so Kern.
Der Geschäftsführer geht davon aus, dass auch an Freien Alternativen
Schulen Eltern die AfD wählen. Mit dem Gutachten, so Kern, wollte der BFAS
denn auch „deutlich machen, dass zentrale Elemente der Prinzipien Freier
Alternativschulen den Forderungen der AfD zuwiderlaufen“. Die
Rechtsanwält:innen von dka zitieren in ihrem Gutachten aus dem
AfD-Programm: „[3][Wir wenden uns entschieden gegen alle Versuche des
Staates, sich in die Erziehung der Kinder einzumischen.]“
## Sonderklassen
Die Schulen würden „immer weniger Bildung vermitteln“, sondern „immer
stärker versuchen, die Kinder politisch zu erziehen oder ihnen fragwürdige
Lebensansichten zu vermitteln“, so die AfD. Welche politischen Ansichten
genau verschwinden sollen, wird durch die Forderung nach Beendigung der
inklusiven Beschulung sowie der Einführung von „Sonderklassen“ für Kinder
von Geflüchteten deutlich.
Die Forderungen seien „vor dem Hintergrund des Völker- und Europarechts
sowie dem Grundgesetz kaum zulässig“ und auch verfassungsrechtlich
unzulässig, so der BFAS. Sie widersprechen den Prinzipien des BFAS. „Wir
wollen allen Schüler*innen – egal welcher Herkunft oder persönlicher
Bedingung – einen inklusiven, selbstbestimmten Bildungsweg ermöglichen“,
sagt Kern. Und das gelänge „nur in einer weltoffenen,
menschenrechtsorientierten und wissenschaftsbasierten Umgebung“.
Die Forderung der AfD nach einer „Wahlfreiheit zwischen Schul- und
Hausunterricht“ sei unter bestimmten Rahmenbedingungen zulässig. Die
Anwält:innen zweifeln aber an, „ob dem Recht der Kinder und Jugendlichen
auf schulische Bildung durch die Ermöglichung von ‚Homeschooling‘
ausreichend Rechnung getragen würde“, da „sehr hohen Standards“ einzuhalten
seien.
Die Anwält:innen zeigen auf, dass ein AfD-Bildungsministerium „durch die
staatliche Schulaufsicht“ auch über „Schulen in freier Trägerschaft“
Einfluss ausüben kann. Trotz der „Privatschulfreiheit“ könnten „Fakten
geschaffen“ werden, „denen nur in langwierigen Verfahren begegnet werden
könnte“. Ein AfD-Ministerium könnte über die Schulaufsicht „Verfügungen
gegen Lehrkräfte“ an Freien Schulen erlassen und „somit erheblich in deren
Personalhoheit eingreifen“. Die AfD könnte zudem durch „strengere
Regelungen“ die finanziellen Zuschüsse erschweren.
Die Studie der dka skizziert, dass die AfD ihre Programmatik zwar
kurzfristig nicht realisieren kann, langfristig aber ihre Optionen
forcieren könnte. „Wir wollten uns auch vorbereiten, um gegebenenfalls
beraten zu können“, sagt Kern. Die AfD, das legt das Gutachten nahe, will
keine demokratische Mitbestimmung an Schulen. Schulen sind für sie Orte
vermeintlich links-grüner „Umerziehung“.
20 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.freie-alternativschulen.de/
(DIR) [2] https://dka-kanzlei.de/home.html
(DIR) [3] https://verfassungsblog.de/bildungspflicht-afd-kinderrechte/
## AUTOREN
(DIR) Andreas Speit
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Schwerpunkt Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
(DIR) Bildungspolitik
(DIR) Inklusion
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Familie
(DIR) Schulstart
(DIR) Charlotte Knobloch
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Andreas Bovenschulte
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Sinus-Jugendstudie: Mädchen sind von der Schule gestresster als Jungen
Jeder dritte Jugendliche in Deutschland fühlt sich durch die Schule unter
Druck. Vor allem Mädchen leiden darunter – und nicht nur bei diesem Thema.
(DIR) Schulstart mit Berlins Bildungssenatorin: Die Penne ruft
Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat die Entwicklungen im
kommenden Schuljahr vorgestellt. Sie betreffen mehr als 400.000
Schüler*innen.
(DIR) Charlotte Knobloch für AfD-Verbot: „In vielen Bereichen keinen Unterschied mehr zur NSDAP“
Die extrem rechte AfD bekommt Zulauf wie nie zuvor. Die ehemalige
Präsidentin des Zentralrates der Juden Charlotte Knobloch fühlt sich an
dunkle Zeiten erinnert.
(DIR) Wahlkampf in Sachsen-Anhalt: AfD-Politiker geht auf 14-Jährigen los
In Sachsen-Anhalt soll der AfD-Europaabgeordnete Arno Bausemer einen
Jugendlichen mit einem Baseballschläger angegriffen haben. Das LKA
ermittelt.
(DIR) Schutz von Institutionen: Bundesrat sieht sich für AfD-Regierung gewappnet
Im Bundestag fällt die AfD ständig negativ auf. Könnte das auch im
Bundesrat geschehen? Der Chef der Ländervertretung bleibt gelassen.