# taz.de -- Humanitäre Unterstützung: Bei Deutschlands Sudan-Hilfen trügt der schöne Schein
       
       > Deutschland verspricht viel humanitäre Hilfe für die Betroffenen des
       > Krieges in Sudan. Aber sie ist offenbar dürftiger als angekündigt.
       
 (IMG) Bild: Deutschland versprach Sudan viel und hält wenig
       
       232 Millionen Euro humanitäre Hilfe für Sudan sagte die deutsche
       Bundesregierung auf der von ihr durchgeführten [1][internationalen
       Sudan-Konferenz in Berlin] am 15. April zu – 212 Millionen aus dem Etat des
       Auswärtigen Amtes, weitere 20 Millionen aus dem Etat des
       Bundesentwicklungsministeriums BMZ. Aber nur ein Bruchteil dieser Summe
       landet tatsächlich in diesem Jahr bei Sudans Bedürftigen. Dies geht aus der
       Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des
       Linken-Bundestagsabgeordneten Vinzenz Glaser hervorgeht, die der taz
       vorliegt,
       
       Nur 37,5 Millionen Euro sind demnach als „Mittel für Sudan“ im laufenden
       Jahr 2026 veranschlagt. Und offenbar ist das meiste Geld davon bereits
       geflossen, teils auch schon vor der Sudan-Konferenz. Der [2][Financial
       Tracking Service der humanitären Koordinierungsstelle der Vereinten
       Nationen (Ocha) für Sudan-Hilfen] weist aktuell in diesem Jahr deutsche
       Zahlungseingänge in Höhe von 26.186.040 US-Dollar aus, knapp 22,2 Millionen
       Euro.
       
       Aus der Bundesregierung wird diese Zahl mit „rund 26 Millionen Euro“
       angegeben und es wird bestätigt, dass dieses Geld Teil der Hilfszusage der
       Sudan-Konferenz ist. In der Ocha-Tabelle liegt Deutschland auf Platz 7 der
       Geber, hinter den USA, der EU-Kommission, Großbritannien, Kanada, der
       Afrikanischen Entwicklungsbank und Norwegen.
       
       Insgesamt verteilt sich die Hilfszusage von 232 Millionen Euro auf drei
       Jahre. Für das laufende Jahr 2026 sind 129,7 Millionen Euro vorgesehen, es
       folgen 57,7 Millionen für das Jahr 2027 und 24,5 Millionen für das Jahr
       2028. 55,3 Millionen Euro der Summe für 2026 waren bereits durch sogenannte
       Verpflichtungsermächtigungen eingeplant. Die 20 Millionen aus dem BMZ sind
       den Angaben zufolge frische Gelder.
       
       ## Mittelaufteilung teils „noch offen“
       
       Von der Sudan-Hilfe für 2026 soll den Angaben zufolge ein höherer Anteil in
       die Nachbarländer fließen – Äthiopien, Südsudan, Zentralafrikanische
       Republik, Tschad, Libyen und Ägypten – als nach Sudan selbst, nämlich 48,1
       Millionen. Bei den verbleibenden 44,1 Millionen ist die Mittelaufteilung
       „noch offen“. Für die Folgejahre 2027 und 2028 dürfte das letzte Wort noch
       nicht gesprochen sein.
       
       Doch wird von zuständigen Stellen derzeit auffällig häufig und
       nachdrücklich davor gewarnt, in den Haushaltsplänen der Bundesregierung die
       humanitäre Hilfe zu kürzen. Manche befürchten eine Halbierung der insgesamt
       zur Verfügung stehenden Mittel in den kommenden Jahren. Von einem
       „strategischen Fehler“ [3][sprach in diesem Zusammenhang der Beauftragte
       der Bundesregierung für Menschenrechte und humanitäre Hilfe, Lars
       Castellucci], vergangene Woche nach der Rückkehr aus der Demokratischen
       Republik Kongo. Er mahnte: „Die wirtschaftliche Zusammenarbeit soll gekürzt
       werden, ebenso der Haushalt des Auswärtigen Amtes und damit sicher auch die
       humanitäre Hilfe. In einer Zeit, in der sich die globale Ordnung
       verschiebt, wären solche Kürzungen fatal.“
       
       Was die neuen Zahlen zur Sudan-Hilfe angeht, äußerte der Linken-Abgeordnete
       Glaser scharfe Kritik an der Bundesregierung. Deutschlands Sudan-Politik
       sei „heuchlerisch“, sagte er der taz: „Nach außen kommuniziert die
       Bundesregierung große Summen für die notleidende Bevölkerung. In der
       Realität verteilen sich die Gelder über drei Jahre und es gibt kaum
       kurzfristige Hilfe.“
       
       ## Mit der Regenzeit wird der Hunger schlimmer
       
       Derweil erwarten Experten eine weitere Verschlechterung der Lage der
       Bevölkerung Sudans. „Intensivierte Kämpfe vor Beginn des Regens im Juni
       dürfte weitere Vertreibung antreiben, während ein erhöhter Einsatz von
       Drohnen und Luftangriffen während der Regenzeit Bevölkerungsbewegungen
       einschränken wird“, schreiben die UN-Ernährungsexperten des Famine Early
       Warning Systems Network (FEWSNET) in einem diese Woche veröffentlichten
       [4][neuen Bericht]. „Zugang zu Gesundheitsversorgung, Wasser und sanitären
       Dienstleistungen dürfte schwer gestört werden, was Seuchenausbreitung
       fördert und akute Unterernährung verschärft. In Kombination mit steigendem
       akuten Hunger dürfte dies die Sterblichkeit erhöhen.“
       
       Die UN-Experten rechnen damit, dass in noch mehr Gebieten Sudans als bisher
       eine Hungersnot ausgerufen werden muss. In einem [5][neuen Lagebericht]
       warnt Ocha vor dramatischen Folgen der globalen Verteuerung von
       Treibstoffen für die Menschen in Sudan und auch für humanitäre Hilfe.
       
       12 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Sudankonferenz-in-Berlin/!6171210
 (DIR) [2] https://fts.unocha.org/countries/212/donors/2026?order=total_funding&sort=desc
 (DIR) [3] https://x.com/DEonHumanRights/status/2051931575474868683
 (DIR) [4] https://fews.net/east-africa/sudan/food-security-outlook-update/april-2026
 (DIR) [5] https://reliefweb.int/report/sudan/sudan-humanitarian-update-march-april-2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominic Johnson
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in Sudan
 (DIR) Humanitäre Hilfe
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in Sudan
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in Sudan
 (DIR) Schwerpunkt Krieg in Sudan
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Sudankonferenz in Berlin: Sudans Kriegsparteien müssen jetzt mal
       
       Mit zwei Wochen Verzögerung gibt es nun doch noch eine Abschlusserklärung
       der Berliner Sudankonferenz vom 15. April. Wichtiges bleibt unverbindlich.
       
 (DIR) Nach der Sudankonferenz in Berlin: Über alle Aspekte des Krieges reden
       
       Die diplomatischen Bemühungen für Sudan konzentrieren sich nach wie vor auf
       humanitäre Hilfe. Zivile sudanesische Stimmen betonen ganz andere Themen.
       
 (DIR) Sudankonferenz in Berlin: Mehr Hilfe für Sudans Kriegsopfer
       
       Auf der internationalen Sudankonferenz in Berlin sagen viele Regierungen
       neue Gelder für humanitäre Hilfe zu. Gegen den Krieg sind sie aber hilflos.