# taz.de -- Timmy und die SPD Mecklenburg-Vorpommern: Den Wal retten und die Wahl retten
> MV-Umweltminister Till Backhaus (SPD) steht wegen der verunglückten
> Timmy-Rettung in der Kritik. Nun soll eine Sondersitzung des Landtags für
> Aufklärung sorgen.
(IMG) Bild: Schieb den Wal zurück ins Meer: Mecklenburg-Vorpommerns SPD-Wal-Minister Till Backhaus Mitte Juni mit interessantem Kartenmaterial
Dem buckelwalvernarrten Teil der deutschen Nation drohte in letzter Zeit
wegen anhaltender Ereignislosigkeit schon langweilig zu werden. Doch nun
kommt wieder Leben in die Bude. Genau genommen das Gegenteil. „Um 8.16 Uhr
wurde der Wasserschutzpolizei gemeldet, dass ein lebloser Wal im
Greifswalder Bodden treibt“, teilte Mecklenburg-Vorpommerns Umwelt- und
Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstag mit.
Gemutmaßt wird, dass es sich um den Wal handelt, dem der [1][wenig
eingängige Name Hartwin verpasst] wurde. Von Rettungsaktionen für das
verendete Tier war bis Freitagvormittag zwar noch nichts zu vernehmen.
Minister Backhaus ließ aber wenigstens wissen, dass es ihn betrübe, „dass
wir nun schon zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres den Tod eines
Buckelwals in der Ostsee feststellen müssen“.
Richtig. Da war ja was. Timmy. Ebenfalls tot.
Über Wochen beherrschte die Ende März vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns
[2][gestrandete Buckelwalkuh] die Schlagzeilen. Einen Monat später wurde
das sieche Tier schließlich ins offene Meer verschleppt. Dann tauchte Timmy
[3][als Kadaver wieder auf], bevor sie schließlich Anfang Juni entsorgt
wurde. Damit hätte der Frühlingsaufreger des Jahres 2026 seinen
versöhnlichen Abschluss finden können. Es könnte anders kommen.
## Timmy ist tot, es lebe Timmy
Jetzt hat die CDU-Fraktion im Schweriner Landtag für kommenden Mittwoch in
der Causa Timmy eine Sondersitzung des Landwirtschaftsausschusses
beantragt. Mitten in den Parlamentsferien, viereinhalb Wochen vor der
Landtagswahl, soll Umwelt- und Landwirtschaftsminister Till Backhaus Rede
und Antwort stehen.
Den Anlass für das anberaumte Sondergrillen des Ministers geben in der Zeit
und der regionalen Ostsee-Zeitung unabhängig voneinander
[4][veröffentlichte Artikel mit neuen Erkenntnissen] zur letztlich
missglückten Walkuh-Rettung durch eine obskure private Initiative um den
Media-Markt-Gründer Walter Gunz.
Beide Zeitungen haben jeweils rund 1.700 Seiten mit internen Vermerken,
Stellungnahmen und E-Mail-Wechseln aus Backhaus’ Ressort einsehen können.
Und die haben es offenkundig in sich.
Mitarbeiter:innen des Umweltministeriums warnten Backhaus demnach
nachdrücklich und mehrfach vor der Rettungsaktion der Kuh.
Nachgewiesenermaßen ging der SPD-Mann zunächst mit und wollte das Tier in
Ruhe sterben lassen. Bis er dann innerhalb weniger Tage einen erstaunlichen
Sinneswandel vollzog, [5][sich zum obersten Wal-Retter der Nation
aufschwang] – und, so der Vorwurf, fortan alle Bedenken aus seinem Haus
stur ignorierte.
## Chaos, Punk und Anarchie
Ausschlaggebend für die Wende sollen E-Mails von Walter Gunz gewesen sein.
Der bayerische Multimillionär hatte bei Backhaus auf die Genehmigung des
Timmy-Transports von der Ost- in die Nordsee lobbyiert, die Gunz zusammen
mit der Pferdesport-Unternehmerin Karin Walter-Mommert dann auch
finanzierte. Am 11. April schreibt Gunz laut Ostsee-Zeitung an Backhaus den
schönen Satz: „Vielleicht können wir gemeinsam den Wal retten und Sie die
Wahl retten.“
Die wahlkämpfende mecklenburg-vorpommersche Regierungspartei SPD von
Backhaus und Ministerpräsidentin Manuela Schwesig liegt zu diesem Zeitpunkt
in Umfragen bei 26 Prozent, 8 Punkte hinter der führenden extrem rechten
AfD. Vier Tage nach Gunz’ Mail gibt Backhaus grünes Licht für eine
Walkuh-Rettung durch die Initiative. Allen, auch ministeriumsinternen
Widersprüchen zum Trotz.
Backhaus’ zuständiger Abteilungsleiter, der als Erstes vor der Initiative
gewarnt haben soll, warf den Berichten zufolge am 24. April das Handtuch.
„Wegen der erheblichen Drucksituation, die besteht, wegen der Erfahrung mit
der Unzuverlässigkeit bei Absprachen mit den Beteiligten und Partnern und
wegen der (…) nicht möglichen seriösen Bearbeitung der
naturschutzrechtlichen Grundsatzfragen“ in der knappen Zeit sehe er sich
„gezwungen“, sich krankschreiben zu lassen.
Die ebenfalls wahlkämpfende CDU-Fraktion fordert nun Aufklärung in der
parlamentarischen Sondersitzung. „Offenbar hat das Ministerium Chaostage
hinter sich, die der Minister selbst angezettelt hat“, sagt CDU-Landes- und
Fraktionschef Daniel Peters zur taz. Peters, zugleich Spitzenkandidat bei
der Landtagswahl am 20. September, will vor allem wissen, was es mit der
von Gunz angebotenen kombinierten Wal- und „Wahl-Rettung“ auf sich hat.
„Das ist eine Wortwahl, die zumindest aufhorchen lässt.“
## Der Minister zürnt
Backhaus selbst zürnte unterdessen. Per Pressemitteilung ließ er, seit 1998
im Amt und damit Deutschlands dienstältester Minister, wissen, er sei über
die Berichte von Zeit und Ostsee-Zeitung „entsetzt“. Denn: „Hier werden die
Fakten verdreht.“
Insbesondere weise er die Behauptung zurück, sein Abteilungsleiter habe
„krank gemacht“. Richtig sei zwar, dass sich der Mann krankgemeldet habe.
Dies sei aber der extrem hohen Arbeitsbelastung geschuldet gewesen. „Am
Ende der Rettungsaktion waren alle Beteiligten erschöpft. Alle – auch
ich!“, teilte Backhaus mit. Gegenüber der taz betonte er vor kurzem noch
mal, wie nah ihm das Schicksal der Kuh gegangen sei.
Heul doch, entgegnet ihm die CDU. Deren Landeschef Daniel Peters sagt, für
ihn scheinen die publik gewordenen Akten eher zu belegen, „unter welchem
Druck die eigenen Fachleute standen“ – und zwar wegen Backhaus.
14 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Buckelwal-Hartwin/!6198892
(DIR) [2] /Toter-Buckelwal-in-der-Ostsee/!6184808
(DIR) [3] /Toter-Wal-vor-Daenemark/!6179330
(DIR) [4] https://www.zeit.de/2026-08/buckelwal-dokumente-till-backhaus-mecklenburg-vorpommern-rettungsaktion/komplettansicht
(DIR) [5] /Till-Backhaus-Die-schlaflosen-Naechte-des-Wal-Ministers/!6172664
## AUTOREN
(DIR) Rainer Rutz
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