# taz.de -- Toter Buckelwal in der Ostsee: Timmy war eine Kuh
       
       > Ein SPD-Landesminister hatte es vorher gewusst: Die „Obduktion“ des vor
       > Dänemark angespülten Walkadavers Timmy bringt bahnbrechende Nichtfunde.
       
 (IMG) Bild: Hurra, es war ein Mädchen: Timmy am Strand von Anholt, bevor er auseinandergenommen wurde
       
       dpa/afp/taz | Den Deutschen bleibt keine Peinlichkeit erspart. Wochenlang
       war die halbe Nation wie von Sinnen wegen eines Buckelwals, dem die Bild
       als Zentralorgan der Buckelwal-Begleitung [1][den Männernamen Timmy]
       verpasst hat. Nun ist klar: Der Timmy war mitnichten männlich, sondern eine
       Walkuh, ein Weibchen also.
       
       Der Wal war im März vor der Ostseeküste gestrandet, wurde Anfang Mai nach
       einer sogenannten Rettung [2][ins offene Meer gekippt] und tauchte gut zwei
       Wochen später vor der dänischen Insel Anholt [3][als Kadaver wieder auf].
       Am späten Donnerstagabend wurde das schon vor sich hin verwesende Tier
       schließlich mehrere Stunden von Tierärzt:innen und Walexpert:innen
       untersucht. Dabei wurde dann auch ein Gebärmutterhals entdeckt.
       
       Ansonsten lieferte die vom Boulevard als „Obduktion“ abgefeierte
       Kadaverbeschau vor allem bahnbrechende Nichtfunde. So hieß es im Anschluss,
       dass eine Verletzung nicht zu erkennen sei, was jedoch auch an der
       Verwesung liege. Auch habe man zwar Parasiten festgestellt. Aber die
       müssten noch genau bestimmt werden. Und für den Tod des Meeressäugers seien
       sie nicht verantwortlich.
       
       Darüber hinaus sei Timmy in den letzten Monaten nicht schwanger gewesen.
       Bei einem Blick ins Maul und in den Magen des Wals seien zudem keine Netze
       oder andere Gegenstände festgestellt worden, erklärte der
       Veterinärmediziner Tim Jensen von der Universität Kopenhagen. Nicht einmal
       eine klare Todesursache konnte das Expert:innenteam zunächst
       feststellen.
       
       ## Keine Explosion, aber Gestank
       
       Am Freitagmorgen war am Strand von Anholt vom Spektakel des Vortags nicht
       mehr viel zu sehen. Alle Überreste des Tieres seien vom Strand entfernt,
       berichtete der Fernsehsender TV2 unter Berufung auf die dänische
       Umweltbehörde. Jetzt steht auf der Urlaubsinsel noch der letzte Schritt an:
       der Abtransport der Reste. Die Abholung der Container mit den Überresten
       soll Anfang kommender Woche folgen.
       
       Seit drei Wochen lag der Timmy-Kadaver bereits vor der Urlaubsinsel und war
       durch Fäulnisgase stark aufgebläht und von Möwen traktiert. Entsprechend
       war die Kuhbegutachtung nichts für schwache Nerven. Trotzdem waren, wie die
       Geschlechtsverwirrer von der Bild vermerkten, „viele Schaulustige“ vor Ort,
       „um die schaurigen Ereignisse zu verfolgen“. Timmy ist dann aber nicht mal
       explodiert, wie bisweilen befürchtet, sondern hat nur Gestank verbreitet.
       
       Der Landesumweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, warnte
       bereits vorab vor begrenzten Ergebnissen der „Obduktion“. Der SPD-Politiker
       war über lange Zeit in die Rettungsversuche für das Tier eingebunden und
       hatte eine besonders innige Verbindung zu ihm aufgenommen. Als der Wal noch
       vor der Insel Poel und damit in Backhaus' Einflusssphäre herumlag,
       behauptete er, [4][er habe dem Wal in die Augen geschaut und kommuniziere
       mit ihm].
       
       Am Donnerstag sah Backhaus nun halbrichtig voraus, dass aufgrund des
       Zustands des Kadavers „einzelne Befunde nur eingeschränkt oder gar nicht
       mehr festgestellt werden“. Die Untersuchung könne allenfalls dazu dienen,
       „offene Fragen zu seinem Gesundheitszustand, möglichen Vorerkrankungen und
       den Ursachen seines Verendens zu beantworten“.
       
       ## Selbst SPD-Minister können irren
       
       Die Zuneigung des Ministers zu Timmy – er nannte sie*ihn „Hope“ – scheint
       ohnehin etwas erkaltet, und zwar schon länger. So gab Backhaus nach der
       „Freilassung“ und dem anschließenden Ableben der Walkuh trocken zu
       Protokoll, dass „das Tier eine letzte Chance“ hatte, „die Freiheit und die
       Gesundheit wiederzuerlangen“. Aber es habe seine Chance nun mal nicht
       genutzt.
       
       Immerhin weiß die Öffentlichkeit seit Donnerstag, dass selbst SPD-Minister
       manchmal irren können. Noch Ende Mai hatte Backhaus dem Stern gesagt: „Was
       man wissen muss: Er war ein junger Wal, ein Jüngling, der sich verirrt
       hat.“ Aber vielleicht hatte die Walkuh mit ihm auch nur falsch
       kommuniziert.
       
       5 Jun 2026
       
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       taz-Rechercheteam hilft.