# taz.de -- Arbeitskosten und Managergehälter: Die Eine-Million-Euro-Frage
> Während DAX-Vorstände im Schnitt 3,9 Millionen Euro verdienen, wird laut
> über Lohnkosten geklagt. Doch diese stiegen zuletzt
> unterdurchschnittlich.
(IMG) Bild: 2025 nur 6,3 Millionen Euro verdient, eine Million weniger als 2014. Damit kann Mercedes-Chef Ola Källenius nicht zufrieden sein
Ola Källenius ist nicht mehr unter den Top Ten. Mit einem Jahresgehalt von
6,3 Millionen Euro in vergangenen Jahr schafft der Mercedes-Chef es im
Ranking der am besten verdienenden Manager*innen in Deutschland nur
noch auf Platz 20. Das zeigt die j[1][ährliche Auswertung] der Deutschen
Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der Technischen
Universität München, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Der zufolge
bekommt derzeit SAP-Chef Christian Klein mit einem Gesamtgehalt von rund
10,9 Millionen Euro hierzulande die höchste Managervergütung, gefolgt von
Deutsche Bank-Chef Christian Sewing mit 10,5 Millionen Euro.
Der Grund für Källenius' schlechtes Abschneiden ist, dass er sich für 2025
mit deutlich weniger erfolgsabhängigen Boni zufriedengeben muss als für das
vorangegangene Jahr. Beliefen sich seine kurzfristigen Boni für 2024 laut
DSW-Auswertung noch auf 2,6 Millionen Euro, so waren es 2025 nur 1,6
Millionen – also eine Million Euro weniger als ein Jahr zuvor.
Vielleicht war dies für Källenius auch ein Grund, die Arbeitszeiten in dem
von ihm gelenkten Konzern infrage zu stellen. Wie die anderen deutschen
Autobauer steckt Mercedes in einer Krise. 2025 hat sich der Gewinn
halbiert. Die Antwort des Vorstandsvorsitzenden: Die Arbeitskosten sollen
runter. Wenn den Beschäftigten der Lohn nicht gekürzt wird, dann sollen sie
doch für das gleiche Geld mehr arbeiten. Statt 35 lieber 40 Stunden die
Woche.
Mercedes ist kein Einzelfall. Geht es um die Krise in der deutschen
Industrie, dann führen die Chefs gerne die Arbeitskosten als einen
gewichtigen Grund an. Doch eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte
Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der
gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung widerlegt das Argument.
## Deutschland auf Platz sieben
„Ein Vergleich mit dem Jahr 2020 zeigt, dass sich die Position Deutschlands
im europäischen Arbeitskostenranking als bemerkenswert stabil erwiesen
hat“, heißt es in der Analyse. Mit Arbeitskosten von 45,70 Euro pro Stunde
in der Privatwirtschaft rangierte die Bundesrepublik Ende 2025 demnach auf
Position sieben in der EU, nachdem es ein Jahr zuvor auf Rang fünf war. Mit
Arbeitskosten zwischen 56,20 und 49,70 Euro stellten Luxemburg, Dänemark
und Belgien die Top 3. Auch in Schweden, den Niederlanden und Österreich
war die Arbeitsstunde wertvoller als hierzulande.
Mit 3,4 Prozent stiegen die deutschen Arbeitskosten vergangenes Jahr
deutlich langsamer als im europäischen Durchschnitt von 4,3 Prozent.
Besonders groß war der Unterschied in der Industrie. Stiegen die Löhne in
der hiesigen Industrie vergangenes Jahr nur um 2,0 Prozent, so waren es im
EU-weiten Durchschnitt 3,8 Prozent. Dabei stiegen die Industriegehälter vor
allem in ost- und südosteuropäischen Ländern wie Bulgarien (13,9 Prozent),
Rumänien (11,7 Prozent), Griechenland (10,7 Prozent) und Polen (10,2
Prozent) stark an.
Anders verhält es sich mit den sogenannten Lohnstückkosten. Diese geben die
Arbeitskosten pro produzierter Ware an. Im Fall Mercedes wären es zum
Beispiel die Arbeitskosten pro produziertem Auto. Und diese Lohnstückkosten
sind laut der IMK-Studie in der deutschen Wirtschaft seit 2023 deutlich
stärker gestiegen als in den Jahren zuvor. Allerdings ist ihre langfristige
Entwicklung seit der Jahrtausendwende mit einem durchschnittlichen Plus von
1,9 Prozent pro Jahr laut den IMK-Forschenden noch stabilititätskonform.
Außerdem schreiben die Studienautor*innen Alexander Herzog-Stein,
Ulrike Stein und Nico Rudorf: „Die deutsche Arbeitskostenentwicklung war
2025 unauffällig und nicht der wesentliche Treiber des
Lohnstückkosten-Anstiegs.“ Ausschlaggebend für den Anstieg sei stattdessen
die anhaltende Nachfrageschwäche, die die Wirtschaftsentwicklung dämpfte
und bei gleichzeitig robustem Arbeitsmarkt das Produktivitätswachstum
bremste.
## Mangelnde Investitionen sind schuld
So werden bei der Berechnung der Lohnstückkosten die Arbeitskosten ins
Verhältnis zur Produktivitätsentwicklung gesetzt. Und diese hat sich laut
dem IMK in den vergangenen Jahren schwach entwickelt. Auffällig ist dabei
laut der Studie „die im internationalen Vergleich geringe
Kapitalakkumulation bei Informations- und Kommunikationstechnologien, die
auf unzureichende Investitionen in Digitalisierung und Zukunftstechnologien
hindeutet“. Deutschland hinke dabei nicht nur den USA hinterher, sondern
auch vergleichbaren EU-Staaten.
Die Konzernlenkenden haben also in den vergangenen Jahren offenbar zu
wenige Zukunftsinvestitionen veranlasst. Trotzdem wurden sie belohnt.
Vorstandsmitglieder in den [2][40 DAX-Konzernen] verdienten 2025 im Schnitt
3,9 Millionen Euro, 4 Prozent mehr als 2024.
Im Durchschnitt erhielten die Vorstände damit 42-mal höhere Bezüge als die
normalen Beschäftigten ihrer Unternehmen. Am stärksten war das
Gehaltsgefälle beim Sportartikelhersteller Adidas: Dort verdiente die
Vorstandsriege das 106-fache eines durchschnittlichen Mitarbeiters.
13 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
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