# taz.de -- Vorstoß für längeres Arbeiten: Ein heißer Herbst?
       
       > In Baden-Württemberg sägen die Arbeitgeber an der 35-Stunden-Woche. Die
       > Metall-Tarifrunde im kommenden Herbst dürfte kontrovers werden.
       
 (IMG) Bild: Wer sägt da an der 35-Stunden-Woche?
       
       Die Chefs in diesem Land werden immer dreister. Sie begehen nicht nur
       reihenweise Betrug am Mindestlohngesetz – der Deutsche Gewerkschaftsbund
       (DGB) [1][schätzt die dadurch entgangenen Steuern und
       Sozialversicherungsbeiträge auf 64 Milliarden Euro.] Nun wird auch noch an
       den Arbeitszeiten gerüttelt. „In den guten Zeiten konnte sich Deutschland
       die 35-Stunden-Woche leisten. Aktuell können wir das nicht mehr“, forderte
       der Unternehmer [2][Nikolas Stihl in einem Interview].
       
       Ein Sommerloch-Aufreger? Nicht ganz. Der Aufsichtsratschef des
       gleichnamigen Forst- und Gartengeräteherstellers ist nicht der erste, der
       längere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich fordert. Vor einigen Wochen kam
       damit schon die Mercedes-Chefetage um die Ecke. Der Verdacht liegt nahe,
       dass es sich um eine abgestimmte Aktion der Arbeitgeber handelt: Im Oktober
       starten die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie, der
       wichtigsten Industriebranche Deutschlands. Und Baden-Württemberg ist in der
       Branche traditionell der Pilotbezirk: Der Tarifvertrag, der dort
       ausgehandelt wird, findet meist auch im Rest der Republik Anwendung.
       
       In guten Zeiten ging die Gewerkschaft mit der Forderung nach
       Arbeitszeitverkürzung in die Verhandlungen. 2018 brachten sie etwa die
       zeitweilige Option auf eine 28-Stunden-Woche ins Gespräch. Denn weniger
       Arbeit bedeutet mehr Lebensqualität für die Beschäftigten. Nun sollen sie
       im Namen des Profits wieder länger arbeiten, weil ihre Chefs die
       Transformation verschlafen haben.
       
       Schließlich sind Löhne und Arbeitszeiten die beiden wesentlichen
       Stellschrauben bei der Aufteilung des produzierten Reichtums zwischen
       Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Schrumpft der Umsatz, dann sollen die
       Angestellten entweder mehr arbeiten oder weniger verdienen, damit die
       Eigentümer auf nichts verzichten müssen. Die Frage ist nur, ob die
       Arbeitnehmer es mit sich machen lassen. Insofern stehen die Chancen gut für
       einen heißen Herbst.
       
       10 Aug 2026
       
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 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitsmarkt/mindestlohn-betrug-dgb-100.html
 (DIR) [2] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/stihl-debatte-laengere-arbeitszeiten-metallindustrie-100.html
       
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 (DIR) Simon Poelchau
       
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