# taz.de -- Entwurf des Bundeshaushalts: Solarforschern drohen deutliche Kürzungen
> Kernfusion bleibt der Bundesregierung wichtig, aber sonst soll bei der
> Energieforschung heftig gekürzt werden. Unklar ist, woher der Druck kam.
(IMG) Bild: Müssen Solarforscher*innen künftig ohne Förderung improvisieren? Sonnenfinsternis am 12. August 2026
Die Bundesregierung möchte die Gelder für angewandte Energieforschung
erheblich kürzen – das offenbart der Entwurf des Bundeshaushalts. Das
Wirtschaftsministerium begründet den Schritt damit, dass man „unter der
besonderen Herausforderung“ stehe, „den Haushalt und die Finanzplanung des
Bundes zu konsolidieren“. An den betreffenden Forschungsinstituten fürchtet
man einen erheblichen Personalabbau, sollten die Pläne umgesetzt werden.
Entscheidend für die Förderung neuer Forschungsprojekte sind die
sogenannten Verpflichtungsermächtigungen im Haushalt. Sie sichern
finanzielle Zusagen für die Folgejahre ab. Nur so kann ein
Forschungsprojekt bewilligt werden, das über mehrere Jahre läuft. Werden
die Verpflichtungsermächtigungen gekürzt, können entsprechend weniger neue
Projekte finanziert werden.
Im Wirtschaftsplan des [1][Klima- und Transformationsfonds (KTF)], der Teil
des Haushaltsentwurfs für 2027 ist, wurden nun die betreffenden
Verpflichtungsermächtigungen empfindlich beschnitten. Der Titel
„Energieforschung“ des Wirtschaftsministeriums wurde gegenüber 2026 um ein
Drittel von 576,9 Millionen auf 385,8 Millionen Euro gekürzt, der Titel
„Reallabore der Energiewende“ wurde sogar um 40 Prozent von 142 Millionen
auf 85,3 Millionen Euro zusammengestrichen. Nur [2][minimal gekürzt wurde
hingegen der Titel „Energieforschung und Energietechnologien“ des
Forschungsministeriums, in dem auch die Fusionsforschung enthalten] ist.
## 80 Stellen im ISE
Solarforscher blicken jetzt bang auf die anstehenden Haushaltsberatungen.
Bliebe das Zahlenwerk unverändert, könnte das allein für das [3][Freiburger
Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE)] einen Verlust von bis
zu 80 Vollzeitstellen bedeuten. Denn die Forschung am ISE ist stark
abhängig von den entsprechenden Haushaltstiteln. Das Institut finanziert
sich zu etwa 60 Prozent aus öffentlichen Mitteln, die zu einem großen Teil
nicht fix, sondern projektbezogen bewilligt werden. Umgerechnet auf
Vollzeitstellen verfügt das ISE aktuell über rund 700 Mitarbeiter.
Institutsleiter Andreas Bett weist darauf hin, dass von einer Kürzung vor
allem Jungwissenschaftler betroffen wären, die über Zeitverträge angestellt
sind: „Wenn wir weniger öffentliche Forschungs- und Entwicklungsaufträge
haben, wird dies einen signifikanten Einfluss auf die künftig
bereitstehenden [4][Fachkräfte im Energiebereich] haben.“ Durch einen
„Transfer durch Köpfe“ trage das ISE „substanziell“ dazu bei, dass die
Energiewende auch in der Praxis umgesetzt wird.
## Woher kommt der Druck?
„Forschung braucht Kontinuität“, sagt auch Niklas Martin, Geschäftsführer
des Forschungsverbunds Erneuerbare Energien, dem 17 einschlägige Institute
in Deutschland angeschlossen sind. Noch hoffen die Institute der
Energieforschung, dass der Bundestag im parlamentarischen Verfahren Mittel
umschichten wird. Unklar ist derweil, wer die Kürzungen im aktuellen
Entwurf überwiegend zu verantworten hat.
Aus den Instituten hört man, dass der Schritt sogar mehr auf Druck des
Finanzministeriums (BMF) erfolgt sein könnte als auf Betreiben des
Wirtschaftsministeriums (BMWE). Während ein Sprecher des BMF auf Anfrage
mitteilt, dass die betreffenden Haushaltstitel vom BMWE bewirtschaftet
werden, betont das BMWE, dass es die Bundesregierung war, die den
Wirtschaftsplan des KTF beschlossen hat.
Die endgültige Entscheidung über die Fördermittel wird im November in der
sogenannten Bereinigungssitzung fallen. Dann wird der Haushaltsausschuss
des Bundestags den Finanzplan für das kommende Jahr abschließen. Bis dahin
wird noch um die Mittel gerungen. Eine Schlüsselrolle wird dabei der
[5][CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt] spielen, denn er ist der
Hauptberichterstatter für den KTF im Haushaltsausschuss des Deutschen
Bundestags. Auf Anfrage positionierte er sich zu den geplanten Kürzungen
allerdings nicht.
13 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bundesregierung-will-Einschnitte-beim-Klima-Fond/!6196189
(DIR) [2] /Kernfusion-zur-Energiegewinnung/!6197317
(DIR) [3] /Energiewende-mit-Solarthermie/!6189035
(DIR) [4] /Kampf-um-Fachkraefte/!6107515
(DIR) [5] https://www.andreas-mattfeldt.de/
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
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