# taz.de -- Reform der Kinder- und Jugendhilfe: Sozialverband warnt vor Rückschritt für behinderte Kinder
> Familienministerin Prien will die Kinder- und Jugendhilfe neu ordnen.
> Einfachere Zuständigkeiten, weniger Kosten. Experten äußern ernste
> Sorgen.
(IMG) Bild: Ministerin Prien will die Kinder- und Jugendhilfe einfacher und wirksamer zu machen – und sparen
dpa | Mit der [1][geplanten Reform der Kinder- und Jugendhilfe] drohen nach
Einschätzung des Sozialverbands Deutschland (SoVD) Rückschritte bei Hilfen
für Jungen und Mädchen mit Beeinträchtigungen. „Besonders kritisch sehen
wir die Möglichkeit, Schulassistenz stärker gemeinsam für mehrere Kinder zu
organisieren“, sagte SoVD-Chefin Michaela Engelmeier der Deutschen
Presse-Agentur.
Die von [2][Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) verantwortete
Reform] ist heute im Bundeskabinett und geht dann in den Bundestag.
Erklärtes Ziel ist, die Kinder- und Jugendhilfe einfacher und wirksamer zu
machen. Zugleich hofft Prien, Kosten zu dämpfen. Der Entwurf wurde nach
dpa-Informationen im Vergleich zu einer früheren Version abgeschwächt und
verkürzt. Weitere Änderungen sollen demnach in einem zweiten Reformteil
später kommen.
## Entlastung für Eltern
Vorgesehen ist laut Entwurf, dass die Assistenz für Kinder und
[3][Jugendliche mit Hilfebedarf in Kita oder Schule] möglichst als
„Gruppenangebote“ für mehrere geleistet wird. Gibt es ein solches
„infrastrukturelles Angebot“ vor Ort nicht, „besteht weiter ein
individueller Anspruch auf die Anleitung und Begleitung“ als
Einzelfallhilfe.
„Für manche Kinder kann eine gemeinsame Inanspruchnahme von Assistenz
funktionieren“, sagte Engelmeier – aber nicht für Kinder mit komplexeren
Behinderungen. Das Ziel einer Vereinfachung unterstützt der SoVD. „Für
Eltern kann die Reform eine echte Entlastung sein, wenn Zuständigkeiten
klarer werden und sie nicht mehr von einer Behörde zur nächsten geschickt
werden.“ Sparziele sollten aus ihrer Sicht nicht im Mittelpunkt stehen.
## Gestiegene Kosten generell
Die Gesamtkosten für die Kinder- und Jugendhilfe sind nach Angaben des
Statistischen Bundesamts zuletzt deutlich gestiegen. 2024 gaben Bund,
Länder und Gemeinden dafür 78,8 Milliarden Euro aus. Hilfen für behinderte
Kinder und Jugendliche sind aber nur ein kleiner Teil. Zwei Drittel der
Kosten entfielen der Statistik zufolge auf die Kindertagesbetreuung, ein
weiteres Viertel auf Hilfen zur Erziehung einschließlich der Unterbringung
junger Menschen in Heimen, WGs oder Pflegefamilien.
Auch in der Reform sind die Hilfen für Behinderte nur ein Aspekt. Enthalten
sind zum Beispiel auch Änderungen bei der Unterbringung in Pflegefamilien
und die vereinfachte Altersfeststellung bei unbegleiteten ausländischen
Minderjährigen.
12 Aug 2026
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