# taz.de -- Wahlen in Russland: Zu gefährlich für Putin
> Die russische Oppositionspartei Jabloko wurde von der Parlamentswahl im
> September ausgeschlossen. Ein Grund dürfte ihre wachsende Popularität
> sein.
(IMG) Bild: Der Vorsitzende der Partei Jabloko, Nikolai Rybakow (Mitte), am 10. August vor dem Obersten Gerichtshof Russlands in Moskau
Wer hätte das gedacht: Die liberale russische Partei Jabloko darf bei den
Wahlen zur Staatsduma im kommenden September [1][nicht antreten]. Das
Fallbeil niedergehen ließ der vorsitzende Richter des Verfahrens beim
obersten Gericht Wjatscheslaw Kirilow – ein Mann mit Meriten und stets zu
Diensten, wenn es darum geht, Kritiker*innen der Politik des Kreml
kaltzustellen.
Das „Sündenregister“ von Jabloko ist sattsam bekannt: illegale Finanzierung
aus dem Ausland, Extremismus, Unregelmäßigkeiten in den Unterlagen der
Kandidat*innen sowie Unterstützung der LGBTQIA+Community. Vor allem
dürfte jedoch ihre Position zu Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine
der Partei den Garaus gemacht haben: Jabloko tritt für ein sofortiges Ende
der Kampfhandlungen ein und sagt öffentlich, was immer mehr Menschen in
Russland nolens volens zur Kenntnis nehmen müssen: dass Wladimir Putins
sogenannte militärische Spezialoperation [2][auch ihr Land in den Abgrund
führt].
Als die Zentrale Wahlkommission Jabloko im Juli überraschend zur Wahl
zuließ, rätselten viele Beobachter*innen über das Warum: Um einen
Testballon steigen zu lassen? Um dem [3][Urnengang, der diesen Namen nicht
verdient], einen pseudodemokratischen Anstrich zu verpassen? Schöner
scheitern lassen, lautete Putins Motto in der Vergangenheit: Seit 2003
blieb Jabloko offiziellen Angaben zufolge stets unter der Fünfprozenthürde.
Doch das ist angesichts des wachsenden Zulaufs seit der Zulassung zur Wahl
vor allem junger Menschen dieses Mal offensichtlich keine Option.
Ein weiterer Grund, warum der Kreml bei Jabloko nun doch den Stecker
gezogen hat, könnten die Spekulationen über einen Konflikt zwischen der
Präsidialverwaltung und dem Geheimdienst FSB sein, die sich beide um die
Wahlen „kümmern“. Ob da etwas dran ist und was das für die Zukunft bedeuten
könnte, bleibt vorerst offen.
Vertreter*innen von Jabloko haben angekündigt, gegen das Urteil vom
Montagabend in Berufung gehen zu wollen. Diesen Schritt, so verständlich er
auch sein mag, könnten sie sich eigentlich sparen. Denn positive
Überraschungen sind im Drehbuch von Wladimir Putin nicht vorgesehen.
11 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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