# taz.de -- Mette Frederiksen und Giorgia Meloni: Unheilige Schutzpatroninnen des christlichen Abendlandes
> Die Regierungschefinnen von Italien und Dänemark manifestieren via
> Instagram ihre Abscheu gegen Migrant:innen. Sie sehen sich an der
> Spitze Europas.
(IMG) Bild: Beste Freundinnen im Kampf gegen illegale Migration: Italiens Ministerpräsidentin Meloni und ihre dänische Kollegin Frederiksen
Als hätten sie Sorge, dass es noch nicht alle mitbekommen haben: In einer
nur scheinbar merkwürdigen Allianz meldeten sich am Mittwoch zwei der
mächtigsten Frauen Europas gemeinsam zu Wort, [1][um ihre Haltung zu
Migration klarzustellen.] Mette Frederiksen aus Dänemark und Giorgia Meloni
aus Italien präsentierten sich auf Instagram plötzlich als
Schutzpatroninnen des christlichen Abendlandes.
Gerettet werden müsse Europa, wenig überraschend angesichts dieser
Verschwesterung, vor Migranten. Die werden in diesem Minimanifest einmal en
gros über einen unverhohlen antimuslimischen Kamm geschert und
ausschließlich als Problem dargestellt. „Wir akzeptieren keine
unkontrollierte Einwanderung nach Europa“, vermelden die Sozialdemokratin
und die Postfaschistin, die beiden derzeit einzigen weiblichen
Regierungschefs in der EU, wie sie selbst betonen.
Erst vor gut einer Woche gehörten sie zu denjenigen, die nach dem
[2][Migrationsdrama von Ceuta] in einem gemeinsamen Brief an die EU
[3][Konsequenzen für Spanien] gefordert hatten. Deshalb reicht nun auch ein
kurzes Kokettieren der beiden (un-)gleichen Verbündeten damit, dass sie ja
eigentlich aus sehr unterschiedlichen politischen Richtungen kommen – ihre
Gemeinsamkeiten können als bekannt vorausgesetzt werden. Und doch war es
ihnen offensichtlich ein Bedürfnis, es noch einmal öffentlich auf einen
Punkt zu bringen: Sie seien vereint in ihrem Verlangen, Europa zu
beschützen. Dafür bringen sie das gemeinsame christliche Erbe ins Spiel.
Dass Mette Frederiksen sich schon längst von der Vorstellung losgesagt hat,
als Sozialdemokratin könne man nicht Teile der Bevölkerung pauschal zu
Sündenböcken erklären, ist eine bekannte und von Schwesterparteien wie der
SPD in Deutschland bereits vielfach bestaunte Tatsache. Und die dänische
Ministerpräsidentin ist stolz auf ihre strikte Migrationspolitik, wie nun
etwa daran zu erkennen ist, dass sie sich und Meloni als „Speerspitzen“
genau dafür bezeichnet – sowohl ihn ihren jeweiligen Ländern als auch in
der EU.
## Mit uns ist nicht zu scherzen!
Frederiksen unterschreibt mit dem Post vom Montag noch einmal Narrative,
die man sonst etwa von Schwedendemokraten in ihrem Nachbarland und von
anderen rechten Parteien gewöhnt ist. Eine Bereitschaft zu differenzierten
Äußerungen ist nicht erkennbar. Niemand könne leugnen, schreiben sie, dass
illegale Einwanderung negative Folgen für „unsere Gesellschaften“ gehabt
hätte. Besonders gravierend sei es, wenn „illegale Migranten, die kein
Recht haben, in unseren Ländern zu bleiben“, Gewaltverbrechen begingen,
Drogen schmuggelten oder für sexuelle Gewalt verantwortlich seien.
Gemeinsam hätten sie, Meloni und Frederiksen, als eben jene Speerspitzen
schon viel erreicht auch auf europäische Ebene, und man arbeite weiter hart
an weiteren Veränderungen, wie den sogenannten EU-Rückkehrzentren außerhalb
Europas und weiteren „innovativen Lösungen“. Doch das alles sei noch nicht
genug, schreiben die Regierungschefinnen.
Ihre im „Mit uns ist nicht zu scherzen“-Tonfall präsentierte Pointe gilt
dann zugleich vage und deutlich dem Kulturkampf. Das gemeinsame christliche
Erbe, auf das stolz zu sein, sie nun betonen, sehen sie nicht nur durch
illegale Einwanderer bedroht. Ihre Ansage gelte auch für „Millionen von
ausländischen Staatsangehörigen“, die legal in unseren Ländern und ganz
Europa lebten: „Unsere Gesetze zu respektieren, muss Hand in Hand damit
gehen, europäische Werte zu respektieren.“ Wer nach Europa komme, dürfe
nicht versuchen, „uns eine Art zu leben aufzudrücken, die wir nicht
wollen“.
Im Grunde nichts Neues also. Nur, dass die beiden Regierungschefinnen ihre
Einigkeit in dieser Sache offenbar wichtiger finden als Uneinigkeiten auf
anderen Gebieten. Unterschrieben ist die Social-Media-Aufzählung rechter
Narrative wie ein persönlicher Gruß: „Best, Mette und Giorgia.“
10 Aug 2026
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## AUTOREN
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