# taz.de -- Bestattung des CSD-Attentäters: Wider die Wallfahrtsorte
       
       > Der Attentäter des CSD wurde in Berlin bestattet. Wie gehen andere
       > deutsche Städte mit der Tatsache um, dass auch Mörder beigesetzt werden
       > müssen?
       
 (IMG) Bild: Ein bewusster Ort der Erinnerung statt einem Wallfahrtsort für den Täter
       
       Am vergangenen Dienstag wurde Abdul B. auf dem Landschaftsfriedhof Gatow im
       Berliner Bezirk Spandau beigesetzt, „im sehr kleinen Familienkreis ohne
       Öffentlichkeit“, wie Jörn Iffländer, Pressesprecher der Polizei Berlin, der
       taz sagte.
       
       Abdul B. ist der Attentäter, [1][der am 25. Juli 2026 auf dem Berliner CSD
       eine Frau tötete und 31 Personen verletzte.] Bei der Toten handelt es sich
       um eine Mutter aus Polen, die mit ihrer Tochter in Berlin war. Einen Tag
       nach dem Anschlag erschoss die Polizei Abdul B. bei einem Einsatz. Zur
       Begründung führt sie an, dass Abdul B. sie mit einer Stichwaffe bedroht
       habe.
       
       Im Januar dieses Jahres hatte das Landeskriminalamt Abdul B. als
       islamistischen Gefährder eingestuft. Bei seiner Beerdigung am Dienstag
       waren 190 Einsatzkräfte der Polizei vor Ort, sagt Iffländer. Die
       Friedhofsverwaltung habe die Polizei gebeten, das Hausrecht zu wahren, also
       zu entscheiden, wer das Gelände betreten darf. Diese und andere
       Bestattungen sollten dadurch störungsfrei und pietätvoll ablaufen.
       
       Der Friedhof in Gatow wurde 1982 eröffnet. Seit 37 Jahren finden dort auch
       Bestattungen nach islamischem Ritus statt. Laut Bezirksamt Berlin-Spandau
       wurden hier mittlerweile etwa 9.000 Muslime beigesetzt. Auch die
       Erdbestattung von Abdul B. habe nach islamischem Ritus stattgefunden. Ein
       Bestattungsunternehmen habe die Beisetzung von Abdul B. beim Bezirksamt
       angemeldet. Das Amt habe dann geprüft, ob es die Bestattung in Spandau
       ablehnen könne. Das wäre rechtlich nur möglich gewesen, wenn der Friedhof
       keine Kapazitäten mehr für die Beisetzung gehabt hätte. Der Bezirk habe
       dann die Beisetzung auf den engsten Kreis der Angehörigen beschränkt.
       
       ## Auch Hatun Sürücü ist hier begraben
       
       „Das Bezirksamt wollte vermeiden, dass das Grab von Abdul B. zu einem Ort
       des Anstoßes auf dem Friedhof wird“, hieß es von einem Sprecher.
       
       Gleichzeitig wies er darauf hin, dass jede Leiche bestattet werden muss.
       Das schreibt das Berliner Bestattungsgesetz in Paragraf 15, Absatz 1 vor.
       Zudem sei es ein Grundanliegen des Bezirks, Angehörigen einen möglichst
       würdevollen Abschied zu ermöglichen.
       
       Den Landschaftsfriedhof Gatow umgibt Ackerland. Die Angehörigen seien zum
       Schutz der Privatsphäre über einen Weg an das Grabfeld herangeführt worden,
       der vielmehr für die Forst- und Landwirtschaft gedacht ist als für den
       allgemeinen Straßenverkehr. „Der Einsatz verlief ohne Zwischenfälle“, sagte
       der Polizeisprecher.
       
       Auf dem Friedhof liegt auch Hatun Aynur Sürücü, der das Bezirksamt Spandau
       erst in diesem Jahr [2][ein Ehrengrab] widmete. Die in Berlin geborene
       Sürücü war vor ihrer Zwangsehe in der Türkei zurück nach Deutschland
       geflohen, wo sie am 7. Februar 2005 von einem ihrer Brüder ermordet wurde.
       
       ## Ein anderer Umgang
       
       Nachdem 2020 in Hanau ein Attentat mit rechtsextremistischem Hintergrund
       verübt worden war, ging die Stadt anders mit der Bestattung des Attentäters
       um. Am 19. Februar 2020 ermordete der 43-jährige Attentäter Tobias R. neun
       Menschen mit Migrationshintergrund. Ein weiteres Opfer, Ibrahim Akkuş,
       starb im Januar 2026 an den Spätfolgen seiner schweren Verletzungen. Im
       Anschluss an den Anschlag brachte der Attentäter zudem seine Mutter um und
       beging Suizid.
       
       Die Stadt Hanau ließ die Asche des Attentäters anonym auf See bestatten.
       Die Behörden hätten damit verhindern wollen, dass das Grab von Tobias R.
       geschändet oder von Rechten zur Pilgerstätte erkoren werde.
       
       In Deutschland liegt es in der Hand der einzelnen Bundesländer, wie sie das
       Bestattungsgesetz auslegen. Auf Anfrage der taz, wie genau die Stadt Hanau
       zu der Entscheidung über die Beisetzung von Tobias R. kam, antwortet der
       Oberbürgermeister Claus Kaminsky indirekt.
       
       Er zählt die Namen der Mordopfer auf, die bei dem Attentat noch am selben
       Tag ums Leben gekommen sind: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar
       Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili-Viorel Păun, Fatih
       Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov. „Bis heute wirkt das
       rassistische Attentat in der Stadtgesellschaft nach und das wird noch viele
       Jahrzehnte so sein, besonders für die Angehörigen der Opfer“, sagt
       Kaminsky.
       
       ## Die Zivilgesellschaft muss ran
       
       Um einen historischen Fall des Umgangs mit der Beisetzung von
       Menschenfeinden aufzugreifen, ein Anruf im fränkischen Wunsiedel.
       
       „Bis vor drei Jahren hatten wir [3][den 3. Weg] hier“, sagt Peter Bauer,
       geschäftsführender Pfarrer auf dem Friedhof Wunsiedel. Dort lag bis 2011
       das Grab von Rudolf Heß, des Stellvertreters von Adolf Hitler. Nach dem
       Zweiten Weltkrieg saß er im Berliner Kriegsverbrechergefängnis Spandau, bis
       er sich am 17. August 1987 das Leben nahm. Noch im selben Jahr wurde der
       Massenmörder Heß auf dem Friedhof Wunsiedel in Bayern beigesetzt.
       
       In seinem Testament hatte er sich gewünscht, im Familiengrab seiner Eltern
       zu liegen, die in der bayerischen Stadt ein Ferienhaus besessen hatten.
       „Der Friedhof gehört der Kirchengemeinde und der Kirchenvorstand hat der
       Beisetzung damals zugestimmt“, sagt Bauer. Sein Grab wurde ab 1987 zum
       Wallfahrtsort für Neonazis.
       
       Im Jahr 2011 lief der Pachtvertrag des Grabes aus. Laut Bauer wollte der
       Kirchenvorstand keine Aufmärsche von Neonazis mehr auf seinem Friedhof
       haben. Der Vorstand habe mit den Kindern von Heß abgesprochen, die Knochen
       von Heß zu verbrennen und die Asche im Meer zu verstreuen.
       
       Damit seien die Märsche jedoch nicht so schnell vorbei gewesen. „Dafür,
       dass die Neonazis seltener aufmarschiert sind, ist vor allem das
       zivilgesellschaftliche Netzwerk Wunsiedel ist bunt verantwortlich, das auch
       Gegendemonstrationen veranstaltete“, sagt Bauer. Erst seit 2023 seien die
       Aufmärsche der Neonazis ausgeblieben.
       
       Eine Anfrage der taz an das Bezirksamt Spandau, wie es vermeiden möchte,
       dass Abdul B. an seinem Grab gefeiert wird, blieb bis Redaktionsschluss
       unbeantwortet.
       
       10 Aug 2026
       
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