# taz.de -- Klimafreundliche Schifffahrt: Kreuzfahrt könnte ein reines Vergnügen sein
       
       > Die Umweltschützer vom Nabu monieren, dass zu wenig in klimafreundliche
       > und schadstoffarme Schifffahrt investiert wird. Dabei gebe es Lösungen.
       
 (IMG) Bild: Das weltweit größte Kreuzfahrtschiff „Icon of the Seas“, hier vor Miami
       
       Alles ist gigantisch, die Pools, die bunten Röhren der Wasserrutschen, das
       Angebot an Bars, Restaurants, Kasinos und Shows – und „instagrammable“,
       sagt Alexis Papathanassis. Er ist Professor an der Hochschule Bremerhaven
       und forscht zu [1][Kreuzfahrten].
       
       Fotos von den Vergnügungsschiffen, die durch Karibik, Mittelmeer, die
       Ostsee schippern, auch von den Hafenstädten, die sie anliefen und sich für
       kurze Zeit erkunden ließen, eigneten sich gut auf Social Media. Längst gehe
       es nicht mehr nur um Ruhe, Entschleunigung und Weltflucht. Kreuzfahrten
       seien nicht nur bei Älteren, sondern auch bei jungen Leuten beliebt, „die
       viel erleben wollen“.
       
       Die Branche modernisiert sich. Nur: Die Umweltbelastungen blieben, da
       ändere sich bisher wenig. Dabei gebe es technische Lösungen, erklärt der
       Naturschutzbund Nabu, der die Branche in seinem am Donnerstag
       veröffentlichten Kreuzfahrtranking 2026 einem neuerlichen Ökocheck
       unterzogen hat. Die [2][Meyer Werft im niedersächsischen Papenburg] habe in
       diesem Jahr ein Konzept für das erste klimafreundliche E-Kreuzfahrtschiff
       vorgestellt: die „Vision“, Platz für knapp 1.860 Passagiere.
       
       Damit ist das E-Schiff kleiner als viele andere. Zum Vergleich: Das derzeit
       größte Kreuzfahrtschiff der Welt, die „Icon of the seas“ von Royal
       Caribbean International hat Platz für 7.600 Leute. Die „Vision“ müsste auch
       ihre Batterien immer wieder aufladen, an vielen Häfen für Stopps
       vorbeikommen. Sie wäre aber zum Beispiel für Routen im Mittelmeer geeignet,
       könne etwa von Barcelona in Spanien nach Civitavecchia in der Nähe der
       italienischen Hauptstadt Rom kreuzen, erklärt die Meyer Werft. Und ihr
       Chefverkäufer sagt: „Bei Bestellung noch in diesem Jahr könnten wir bereits
       2031 ausliefern.“
       
       ## Die meisten Schiffe fahren mit Schweröl
       
       E-hoi, Zukunft! Noch schippern die Reedereien die wachsende Zahl an
       Passagieren aber laut Nabu „auf fossilem Kurs“ über die Meere. Die meisten
       der Schiffe werden mit Schweröl befeuert, das auf dem Land für den Verkehr
       verboten ist. Aus den Schornsteinen qualmen dann gesundheitsbelastende
       Schadstoffe: Ruß und Feinstäube, Schwefeldioxid und Stickoxide. „Nur 4 der
       12 untersuchten Reedereien schließen das dreckige Schweröl vollständig
       aus“, sagt Nabu-Expertin Raija Koch.
       
       Unbedenklicher seien, sagt sie, mit grünen E-Fuels betriebene Schiffe. Sie
       haben herkömmliche Verbrennermotoren, tanken aber klimafreundliche
       Kraftstoffe wie E-Methanol, bei denen der Strom für die Produktion aus
       erneuerbaren Energien kommt. Sie seien bisher selten. Manche Reedereien
       stellten auf LNG-Antriebe um, also auf klimaschädigendes verflüssigtes
       fossiles Erdgas, manche auch auf biogene Kraftstoffe, die aber umstritten
       seien, weil sie etwa aus Nahrungsmitteln vom Acker hergestellt würden.
       
       Und nun? „Wer eine Schiffsreise buchen will, kann sich am
       Nabu-Kreuzfahrtranking orientieren“, sagt Koch, „allerdings wird auch von
       den bestplatzierten keine Reise angeboten, die Klima und Umwelt nicht
       belastet“.
       
       Auf Platz 1 steht Havila Voyages, die norwegische Reederei ist mit 4 eher
       kleinen Schiffen unterwegs entlang der berühmten Postschiffroute an
       Norwegens Küste – mit Batterie und LNG. So können sie zumindest manche
       Strecke ohne Motorengeräusch leise und emissionsarm zurücklegen, etwa im
       berühmten Geirangerfjord, einem Unesco-Weltnaturerbe.
       
       ## Experimente mit Segel
       
       Dahinter sind die ebenfalls auf den europäischen Norden ausgerichteten
       Hurtigruten, gefolgt von Ponant. Der französische Anbieter, der die Gäste
       auf kleineren, sehr luxuriösen Schiffen um die Welt schickt, experimentiert
       unter anderem mit Segeln. Erst dann kommen die großen Anbieter wie das zu
       Tui Cruises gehörige Mein Schiff oder die Aida Cruises. Phoenix Reisen,
       Viking Ocean Cruises und Nicko Cruises haben dem Nabu keine Auskunft
       gegeben.
       
       Koch und ihre Kollegen haben für den Umweltcheck die
       Nachhaltigkeitsberichte der Firmen und andere offizielle Daten
       durchforstet. Sie haben den Unternehmen, die von deutschen Häfen
       Kreuzfahrten anbieten, zudem einen Fragebogen geschickt. Darunter zwei
       Fragen, bei denen der Nabu dann doch noch Fortschritte ausmacht: Welche
       Neu- und Umbauten Ihrer Schiffe planen Sie? Und: Nutzen Sie Landstrom?
       
       Schiffe brauchen in Häfen Strom für Bordküche, Computer, Lampen. Lassen sie
       dafür ihre Motoren laufen, ist das laut, verpestet auch die Luft. Für die
       Anwohner ist es besser, wenn das Schiff an das lokale Stromnetz
       angeschlossen wird. Dafür müssen Häfen und Schiffe entsprechende
       Infrastruktur aufbauen. „Da geht es jetzt immerhin voran“, sagt Koch. Zudem
       steige durch Neubauten und Modernisierungen auch die Energieeffizienz, die
       Treibhausgasemissionen pro Passagier würden geringer werden.
       
       „Das reicht aber aus Umwelt- und Klimasicht nicht“, sagt Koch – und rät von
       einer Kreuzfahrt ab. Die Branche erwirtschafte hohe Gewinne, „sie hat eine
       Verantwortung, mehr zu tun“. Auch das Umweltbundesamt erklärt: „Flugzeuge
       und Kreuzfahrtschiffe sind sehr klimaschädliche Verkehrsmittel für die
       Urlaubsreise.“
       
       Kreuzfahrten sind Massengeschäft, der Stillstand während der
       [3][Coronapandemie] ist vergessen. Gut 1,5 Millionen Reisende gingen 2025
       von einem der deutschen Häfen an Nord- und Ostsee an Bord, um eine
       Hochseekreuzfahrt zu machen – rund 4 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor.
       Forscher Papathanassis meint: „Die Zahlen werden weiter steigen.“
       
       6 Aug 2026
       
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