# taz.de -- Hantavirus auf der „Hondius“: Die Chronik einer Schifffahrt
       
       > Bisher sind vom Hantavirusausbruch rund ein Dutzend Menschen direkt
       > betroffen. Für das große Aufsehen sorgt auch das ungewöhnliche Szenario.
       
 (IMG) Bild: Passagiere der MV Hondius werden auf Teneriffa am 10.05.2026 erwartet
       
       ## 1. April
       
       Im südlichsten Argentinien legt die „Hondius“ mit rund 180 Menschen an Bord
       ab. Die „Hondius“ ist ein Luxuskreuzfahrtschiff der Polarklasse 6, gebaut
       um durch Eis zu brechen. Diese Fahrt unter niederländischer Flagge soll die
       überwiegend älteren Tourist*innen unter anderem zur Vogelbeobachtung auf
       entlegene Inseln im Südatlantik bringen. Mit [1][Informationen der
       Weltgesundheitsorganisation (WHO]) lassen sich die weiteren Ereignisse
       rekonstruieren.
       
       ## 6. April
       
       Einer der Passagiere, ein Niederländer, der zuvor mit seiner Frau durch
       Südamerika reiste, klagt über Fieber, Kopfschmerz, leichten Durchfall. Ein
       Schiffsarzt ist an Bord und die „Hondius“ auf hoher See.
       
       ## 11. April
       
       Der Mann stirbt, nachdem sich sein Zustand rapide verschlechtert hatte. Der
       Schiffsarzt geht zunächst von einem tragischen Einzelfall aus.
       
       ## 14. April
       
       Das Schiff liegt vor der Insel Tristan da Cunha. Sie gehört zum britischen
       Überseegebiet und gilt als entlegenste bewohnte Insel der Welt. Rund 230
       Menschen leben hier. Einer der Passagiere, Bewohner von Tristan da Cunha,
       steigt aus. Auch er wird später erkranken.
       
       ## 24. April
       
       Die „Hondius“ erreicht St. Helena, größte Insel im britischen Überseegebiet
       und einst Verbannungsort Napoleons. 30 Passagiere gehen von Bord und reisen
       weiter in unterschiedliche Länder. Die Leiche des verstorbenen
       Niederländers wird an Land gebracht, begleitet von seiner ebenfalls
       erkrankten Frau. Auch ein Brite meldet sich beim Schiffsarzt.
       
       ## 25. April
       
       Die Ehefrau des Verstorbenen fliegt schwerkrank nach Johannesburg. Sie
       kommt bei Ankunft direkt in die Klinik, wo sie am 26. April verstirbt.
       
       ## 27. April
       
       Der erkrankte Brite wird bei einem Stopp an der Insel Ascension evakuiert
       und kommt in Johannesburg auf die Intensivstation.
       
       ## 2. Mai
       
       Im Fall des Briten bestätigt sich erstmals eine Infektion mit dem
       Hantavirus. Das Vereinigte Königreich meldet die Vorkommnisse an die WHO –
       sie ist zuständig, weil die „Hondius“ in internationalen Gewässern
       unterwegs ist. An Bord stirbt eine seit einigen Tagen erkrankte deutsche
       Passagierin.
       
       ## 4. Mai
       
       Die [2][WHO veröffentlicht detaillierte Informationen] zum
       Infektionsgeschehen. Die Behörden beginnen mit der Suche nach möglichen
       Kontaktpersonen, die mit der Niederländerin im Flugzeug saßen, und nach den
       Passagieren, die in St. Helena von Bord gingen.
       
       ## 5. Mai
       
       Bei einer Sondersitzung der WHO wird beschlossen, dass die „Hondius“, die
       zu diesem Zeitpunkt vor dem afrikanischen Inselstaat Kap Verde ankert, zu
       den Kanaren fahren soll. [3][Heftige Diskussionen zwischen der kanarischen
       und der spanischen Regierung] folgen. Ein Passagier, der bereits in St.
       Helena von Bord ging und nach Hause flog, wird in der Schweiz positiv
       getestet und behandelt. Bei allen bestätigten Fällen handelt es sich um
       Infektionen mit der nur in Südamerika verbreiteten Andesvariante des
       Hantavirus.
       
       ## 6. Mai
       
       Der Schiffsarzt und ein Reiseleiter gehen erkrankt von Bord und werden in
       die Niederlande ausgeflogen. Die „Hondius“ nimmt Kurs auf die Kanarischen
       Inseln.
       
       ## 10. Mai
       
       Die „Hondius“ erreicht Teneriffa. Die Passagiere werden untersucht und
       [4][in ihre Heimatländer gebracht], wo sie sich in Quarantäne oder
       kontrollierte Selbstisolation begeben. Die WHO empfiehlt aufgrund der
       langen Inkubationszeit eine Überwachung bis zum 21. Juni. Der Passagier,
       der in Tristan da Cunha von Bord ging, ist inzwischen erkrankt und wird in
       einer spektakulären Fallschirmaktion medizinisch versorgt. Die Insel hat
       keinen Flughafen.
       
       ## 13. Mai
       
       Eine Französin ist kritisch erkrankt und wird in Paris an eine künstliche
       Lunge angeschlossen. Die britische Regierung holt noch mehrere
       Kontaktpersonen aus den Überseegebieten vorsorglich nach Großbritannien.
       Die [5][WHO geht inzwischen von 11 Fällen aus, davon 3] mit Todesfolge, und
       erwartet noch vereinzelt Folgefälle. Alle laborbestätigten Erkrankten waren
       Passagiere der „Hondius“.
       
       ## 15. Mai
       
       Die „Hondius“ befindet sich mit einer Restbesatzung auf dem Weg nach
       Rotterdam, wo das Schiff in den nächsten Tagen eintreffen und dann
       desinfiziert werden soll. Ende Mai soll es eigentlich in die Arktis fahren.
       
       16 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.who.int/emergencies/emergency-events/item/2026-e000227
 (DIR) [2] https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON599
 (DIR) [3] /Kreuzfahrtschiff-mit-Hantavirus/!6177093
 (DIR) [4] /-Entwicklungen-zum-Hantavirus-/!6178224
 (DIR) [5] https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON601
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Manuela Heim
       
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