# taz.de -- Investoren im Fußball: Business und die Liebe zum Spiel
> Beim Streit des Weltverbands Fifa mit der Uefa geht es um Milliarden.
> Unten in der Regionalliga beim TSV 1860 München geht es wieder um
> Fußball.
(IMG) Bild: An einem stinknormalen Mittwochnachmittag: Fans des TSV 1860 München zeigen ihre Liebe für den Verein
Das Ende des Fußballs, wie wir ihn kannten? Vielleicht nicht ganz. Das Ende
des Fußballs, wie ihn sich Investoren vorstellen? Das wäre doch mal eine
gute Nachricht. Das Aus für die Fifa? Da könnte man ja glatt die Sektkorken
knallen lassen. Keine Fußball-WM mehr? Halb so schlimm. Oder gibt es da
draußen jemanden, der das Marketingspektakel, das da vor zwei Wochen in den
USA zu Ende gegangen ist, wirklich noch feiern konnte, nachdem das Weiße
Haus ein Mitspracherecht in sportlichen Belangen erwirkt hat?
Hinter dem Fußball liegt eine Woche des Wahnsinns. Seit bekannt wurde, dass
die Fifa Anteile an ihren großen Turnieren an Investoren aus dem Clan von
US-Präsident Donald Trump verkaufen möchte, überschlagen sich die
Meldungen. Die europäische Fußball-Union Uefa, selbst höchstbegabt im
Verkaufen des Spiels, geriert sich als Anwalt des wahren Fußballs. [1][Ein
Boykott aller Fifa-Turniere steht sogar im Raum]. Auch der Fußballverband
für Nord- und Mittelamerika [2][will nichts von Investoren wissen].
Derweil hält die Fifa ihr erpresserisches Angebot für den Deal aufrecht und
versucht die Verbände mit dem Versprechen von Millionenzahlungen zu ködern.
Nach der WM in Mexiko, Kanada und den USA, mit der die Fifa 15 Milliarden
US-Dollar umgesetzt hat, wird um den nächsten Milliardendeal gerungen. Es
ist ein abscheuliches Spektakel.
Ist der Fußball am Ende? Nein, das Spiel ist quicklebendig. Im München ist
gerade zu beobachten, wie ein Verein mit großer Vergangenheit und
bescheidener Gegenwart gerade versucht, sich neu zu erfinden. Der TSV 1860
München hatte sich vor 15 Jahren in der Hoffnung auf eine goldene Zukunft
als Zweitligist an einen Investor verkauft. Was folgte, waren der Absturz
in die vierte Liga, ein paar traurige Jahre in der dritten Liga und am Ende
der Lizenzentzug und die Insolvenz der Gesellschaft, in der der
Profifußball organisiert war.
Der vermeintliche Totalabsturz bedeutete die Befreiung vom Investor, der
den Klub nach seinem Gusto führen wollte, obwohl den Regeln nach immer der
Trägerverein, der gute, alte e. V. das Sagen haben sollte. Vorbei! Nun
herrscht Euphorie in weiten Teilen der Fanszene. 1.000 Leute sollen am
Mittwochnachmittag gekommen sein, um das letzte öffentliche Training des
Teams vor dem Saisonauftakt in der Regionalliga verfolgen zu können. Der
Run auf die Dauerkarten nimmt kein Ende. Die Mitgliederzahl des Vereins
schnellt in die Höhe und liegt nun bei über 29.000. So viele Löwen gab es
noch nie. Die ärgern sich gewiss, dass das Wappentier nicht auf den neuen
Trikots zu sehen ist, weil die Markenrechte daran noch dem Investor
gehören, aber sie saufen ihren Klub gesund.
Über 40.000 Euro wurden [3][bei der Aktion „Giesing hält zam“] für den Klub
eingenommen, nachdem Wirte sich bereit erklärt hatten, 60 Prozent eines
Tagesumsatzes dem Verein zu spenden. Und über 350.000 Euro sammelten Fans
[4][via Crowdfunding] ein, um sich einen Platz auf dem Trikot der
Mannschaft zu sichern. Mit der Botschaft „Football for the People“ sollen
die Spieler nun auflaufen. Mit dem großen Business von Fifa und Uefa hat
all das nichts zu tun. Mit Fußball schon. Der ist so leicht nicht
kleinzukriegen – auch nicht von Gianni Infantino.
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://de.uefa.com/news-media/news/02a7-213a94a695d7-e704c7ddd419-1000--stellungnahme-im-namen-der-uefa-und-ihrer-55-mitgliedsver/
(DIR) [2] https://www.concacaf.com/competitions/concacaf/news/statement-on-behalf-of-concacaf-and-its-41-member-associations
(DIR) [3] https://www.instagram.com/p/DbVgA78jSvh/
(DIR) [4] https://www.gofundme.com/f/football-for-the-people
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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