# taz.de -- Menschliche Hinterlassenschaften: Der Mond und der Müll
       
       > Ein ausgedientes Raketenteil von Elon Musks SpaceX soll auf dem Mond
       > aufgeschlagen sein. Der hat schon ganz andere Sachen mitgemacht.
       
 (IMG) Bild: Noch ’ne Runde: Kommerz, Kernkraft, Kontamination
       
       Am Mittwochmorgen mitteleuropäischer Zeit bekam der Mond ziemlich
       wahrscheinlich Besuch. [1][Der Gast wog 3,9 Tonnen, war 12 Meter lang und
       kam mit 8.700 Kilometern pro Stunde]: die ausgediente Oberstufe einer
       Rakete von Elon Musks Weltraumfirma SpaceX.
       
       Im Januar 2025 hatte SpaceX zwei kommerzielle Landefähren auf den Weg
       gebracht. Danach trieb sie anderthalb Jahre auf einer mondkreuzenden
       Umlaufbahn um die Erde. [2][Eingeschlagen sein] soll sie nun in der
       zerklüfteten Gegend zwischen den Kratern Einstein und Bell, am Westrand des
       sichtbaren Mondes. Die Bestätigung durch eine Sonde wird in den nächsten
       Stunden bis Tagen erwartet, gilt unter Experten aber als Formalität.
       
       Der Mond ist ein Ort, an dem nichts verschwindet. Kein Wind, kein Wasser,
       keine Atmosphäre, die einen fallenden Körper abbremsen oder später abtragen
       könnte. Was hier ankommt, bleibt liegen.
       
       Und liegen tut dort schon so einiges: Landestufen, Rover, Messgeräte,
       Kameras, Werkzeug, Handtücher, Nagelscheren, zwei Golfbälle. Dazu 96 Säcke
       mit Fäkalien, Urin und Erbrochenem, abgeworfen von den zwölf
       Apollo-Astronauten zwischen 1969 und 1972, um Gewicht für Mondgestein zu
       sparen. Auf einem der ersten Bilder, die Neil Armstrong nach der Landung
       machte, ist so ein Beutel zu sehen. Eingesammelt wurde der Müll bislang
       nicht.
       
       Im Raum dazwischen sieht es nicht besser aus. [3][Die Europäische
       Weltraumagentur (ESA) zählt über 54.000 Schrottteile], die größer sind als
       zehn Zentimeter, und schätzt die Zahl der Teile unter einem Zentimeter auf
       mehr als 140 Millionen. International verbindliche Regeln gibt es dafür
       nicht, nur nationales Recht und Empfehlungen: etwa, dass ein ausgedienter
       Satellit nach 25 beziehungsweise 5 Jahren verglühen oder auf eine
       Friedhofsbahn ausweichen soll.
       
       ## Investorenträume auf den Mond schießen
       
       Zugleich wird der Mond gerade zur Zielscheibe territorialer Aneignung. Im
       April dieses Jahres flogen erstmals seit 1972 wieder Menschen um ihn herum,
       US-amerikanische Astronauten und chinesische Taikonauten wollen an seinem
       Südpol landen und dort eine permanente Basis errichten. Die Nasa lässt sie
       von Privatfirmen bauen und hat vor, einen Atomreaktor dorthin zu stellen.
       Auch Pläne für ein Mondhotel gibt es schon, ein US-amerikanisches Start-up
       nimmt dafür Anzahlungen entgegen.
       
       Das Weltraumrecht geht mit der Kommerzialisierung des Mondes Hand in Hand.
       Ein US-geführtes internationales Abkommen spricht von „Sicherheitszonen“
       auf dem Mond, ein [4][US-Gesetz von 2015] erlaubt Unternehmen den Besitz im
       All geförderter Rohstoffe, und der [5][Wirtschaftsbericht des Präsidenten
       von 2021] macht es zur Staatsaufgabe, Eigentum im All zu schaffen und so
       für Kapital verfügbar zu machen. Man will sich zuerst auf dem Mond
       festsetzen, bevor die Konkurrenz da ist.
       
       So entsteht auf dem Mond, was auf der Erde längst existiert: eine Landkarte
       aus Ansprüchen und daneben, unsortiert, der Abfall, den diese Ausweitung
       menschlichen Territoriums produziert. Überall, wo Menschen hingehen, lassen
       sie ihren Müll zurück.
       
       Zum aktuellen Fall teilte SpaceX mit, man habe sich bei der Entsorgung der
       Stufe an die geltenden Regeln gehalten. Das stimmt vermutlich. Die
       US-Luftfahrtbehörde hatte 2023 fünf zulässige Wege vorgeschlagen,
       ausgediente Oberstufen loszuwerden, darunter das Einschwenken auf eine Bahn
       um die Sonne. Der Treibstoff dafür hätte beim Start Nutzlast gekostet, also
       Geld. Ihn wegzulassen, kostete nichts.
       
       5 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://arxiv.org/abs/2607.14625
 (DIR) [2] https://www.nasa.gov/humans-in-space/commercial-space/nasa-will-attempt-to-observe-rocket-parts-lunar-impact/
 (DIR) [3] https://sdup.esoc.esa.int/discosweb/statistics/
 (DIR) [4] https://www.govinfo.gov/app/details/PLAW-114publ90
 (DIR) [5] https://www.govinfo.gov/app/collection/erp/2021
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Enno Schöningh
       
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