# taz.de -- Die Wahrheit: Sternenbalsam
> Tagebuch einer Weltallguckerin: Mehrere Himmelskörper werden wohl
> umbenannt werden müssen, wenn nicht Ryan Gosling etwas unternimmt.
Ich habe einen neuen Planeten entdeckt. Es geschah am helllichten Tag im
Sauerland, einem Landstrich, der nicht nur regelmäßig mit Vertretern rauer
Klartext-Politik aufwartet, sondern auch mit sanften Hügeln und grünen
Auen. In solche Gefilde entführte mich ein Freund zu einem gemeinsamen
Wandertag. Mitten im Wald deutete er plötzlich auf eine Art Laternenmast,
an dem eine große Metallkugel baumelte.
„Das ist die Sonne, und hier kommt der Planetenweg!“, erklärte er
beschwingt, denn wir würden jetzt an einer maßstabsgetreuen Wiedergabe
unseres Sonnensystems entlangwandern. Die Planeten an den Masten seien zwar
geklaut, aber ich solle sie mir mithilfe eines Merkspruchs einfach
vorstellen: „Mein Vater Erklärt Mir Jeden Sonntag Unseren Nachthimmel“.
Aha. Ich legte los. „Merkur?“ Treffer. „Venus?“ Bingo. „Erde, Mars,
Jupiter, Sss …?“ – „Denk mal nach. Wo kaufst du deine Elektrogeräte?“ Ich
war lost in Space. „Siemens?“
Und so kommt es, dass sich nach Plutos Degradierung zum Zwergplaneten die
Situation im Universum mal wieder neu sortiert. Siemens hat nicht nur den
guten alten Saturn ersetzt, bald werden sicher auch die
Unternehmenskollegen Merck, VW, E.ON, JPMorgan Chase, McDonald’s, United
Health und das zurzeit hellste Licht am Aktienfirmament Nvidia namentlich
den Rest ablösen. Uranus? Neptun? Those were the days, my friends.
## Explodierende Rakete
Mein leicht desillusionierter Blick in den Zukunftshimmel hängt wohl damit
zusammen, dass in letzter Zeit so einiges los war da oben. Elon Musks
Starship V3 wurde ins All geschossen, der Start lief glatt, die Rakete kam
brav zurück, aber nur, um laut SpaceX „geplant“ zu explodieren. So, so, ob
das mal stimmt, spekulierte das Netz.
Ganz offenkundig habe ich von dem ganzen Weltraumzeug nicht die geringste
Ahnung, weshalb man mir so einiges verkaufen kann, aber Außerirdische in
Felsenform, wie neulich in dem Sci-Fi-Movie mit dem schönen Titel „Project
Hail Mary“ waren dann doch eine Herausforderung. Das fiktionale „Heil
Maria“ klang zwar deutlich verlockender als das real drohende „Projekt
Heil-Sie-wissen-schon-wer!“; die eigentliche Attraktion bestand jedoch
darin, Ryan Gosling einsam und melancholisch durchs All schweben zu sehen.
Ryan, das Feuchtauge, der Mann gewordene Balsam für die von der rauen
Wirklichkeit strapazierte Seele! Sein Felsenkumpel konnte es trotz des
weichen Kerns unter seiner steinharten Hülle jedenfalls nicht mit solch
flauschigem Sex-Appeal aufnehmen.
Jetzt aber zu einer wichtigen Nachricht: Steven Spielberg raunt in der
Promo für sein neues Werk „Disclosure Day – Der Tag der Wahrheit“ über
„those who are in the know“, diejenigen, die Bescheid wissen. Wenn die
Alien-Ankunft bevorsteht, müssten sie uns „die Wahrheit sagen“. Zur
Sicherheit schon mal ein herzliches „Hail!“ vom Planet E.ON an unsere
künftigen Besucher, ob felsig, flauschig oder fiktiv.
4 Jun 2026
## AUTOREN
(DIR) Pia Frankenberg
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