# taz.de -- Verhandlungen von Israel und Libanon: Von Waffenruhe keine Rede
> Libanon und Israel treffen sich zu Gesprächen in Rom. Israels Militär
> attackiert zuvor in Südlibanon. Libanons Premier streitet mit der
> Hisbollah.
(IMG) Bild: In Nabatija, im Süden Libanons, haben israelische Bomben bereits viel zerstört
Libanons Premierminister Nawaf Salam hat einen ungewöhnlichen Schritt
getan: Ausgerechnet auf der [1][Plattform X] machte der sonst so ruhige
Diplomat seinem Unmut Luft und ging erstmals öffentlich die Hisbollah an.
Eine Rede des Hisbollah-Chefs Naim Qassem brachte das Fass zum Überlaufen.
Qassem hatte der Regierung vorgeworfen, „Israel zu dienen“ und nicht
„Libanons Souveränität“. Salam schoss mit scharfen Worten zurück: „Die
größte Unterstützung für Israel kam von jenen, die Libanon einseitig in
sinnlose ‚Unterstützungskriege‘ hineingezogen und Israel damit Vorwand
geliefert haben, unser Land anzugreifen.“
Die Hisbollah hatte am 8. Oktober 2023 Raketen auf die von Israel besetzten
Schebaa-Farmen geschossen und damit ihren Beitritt in den Gazakrieg
erklärt. Israel eskalierte die Angriffe, besetzte Dörfer im Südlibanon. In
einer ersten Waffenpause ab November 2024 griff Israel weiter an, zerstörte
die Dörfer im Süden. Mit dem Iran-USA-Krieg [2][schoss auch die Hisbollah
am 2. März wieder Raketen auf Israel], das seine Besatzung und die
Zerstörung intensivierte. Seit Mitte Juni gilt eine neue Waffenruhe. Die
Hisbollah hat ihre Angriffe seitdem eingestellt, Israels Militär greift
weiter im Süden Libanons an.
Das [3][bilaterale Abkommen] sieht vor, dass Israel die Besatzung beendet
und die Hisbollah entwaffnet wird. Beide Seiten sträuben sich dagegen.
## Vor den Verhandlungen eskaliert Israel die Angriffe
Der interne Streit kam nur Stunden vor neuen Verhandlungen. Die in den USA
akkreditierten Botschafter*innen beider Länder trafen sich am Dienstag
zur siebten Gesprächsrunde in Rom, vermittelt durch die USA. Dabei geht es
um die schrittweise Umsetzung des Juni-Abkommens. Ein unterirdisches
[4][Tunnelsystem der Hisbollah] soll dabei nach Angaben libanesischer
Regierungskreise Thema sein.
Vor den Verhandlungen eskalierte Israel die Angriffe. Am Wochenende soll
Israels Militär Häuser in mehreren Städten abgerissen haben. Im Dorf Jarun
zündete die Armee ein riesiges Feuer an und brannte 1,2 Millionen
Quadratmeter Olivenhaine nieder, so die Gemeindeverwaltung. Israel
verschärft auch die Bombardierung des strategisch wichtigen
Ali-Taher-Hügels, meldet Libanons Armee. Libanesische Medien warnen vor
Bodenangriffen, um das Gebiet einzunehmen. In den letzten Tagen setzte das
Militär verstärkt Truppen und gepanzerte Fahrzeuge in der Region ein, um
vor der Romrunde vollendete Tatsache zu schaffen, meldet die Zeitung
L’Orient-Le Jour.
Nicht nur die Miliz ist sauer, sondern auch die vertriebene Bevölkerung.
„Die Bewohner der Grenzregion können es nicht länger ertragen mit
anzusehen, wie ihre Häuser und ihre Existenzgrundlage vor ihren Augen
verschwinden, während die Bevölkerung schweigt“, sagt Tarek Mazraani,
Gründer der zivilen Bürgerinitiative zur Rückkehr der Vertriebenen, der
taz. Er kommt aus dem Grenzdorf Hula, das zu 83 Prozent zerstört ist. Die
Bewohner*innen fordern von Libanons Regierung den Stopp der Gespräche
mit Israel, solange die „systematische und tägliche Zerstörung,
Bombardierung und Vernichtung von Dörfern“ weitergeht.
Libanons Premier zeigte sich am Ende seines Posts zumindest versöhnlich. In
Richtung Hisbollah appellierte er, „auf gegenseitige Anschuldigungen“ zu
verzichten und in den „Dialog“ einzutreten.
4 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://x.com/nawafsalam/status/2084594502614823355
(DIR) [2] /Iran-Krieg-weitet-sich-auf-Libanon-aus/!6159027
(DIR) [3] /Libanon-Israel-Deal/!6192928
(DIR) [4] /Krieg-im-Libanon/!6200626
## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
## TAGS
(DIR) Libanon
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Israel
(DIR) Hisbollah
(DIR) GNS
(DIR) Libanon
(DIR) Israel Defense Forces (IDF)
(DIR) Schwerpunkt Iran-Krieg
(DIR) Hamas
(DIR) Israel Defense Forces (IDF)
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Lage im Südlibanon: Am wahrscheinlichsten scheinen Dauerpräsenz oder Bürgerkrieg
Obwohl Israel und der Libanon sprechen, scheint ein Verhandlungserfolg
unwahrscheinlich. Unabhängig vom Ausgang ist der Südlibanon der Leidträger.
(DIR) Israel und der Krieg in Libanon: Verhandlungen trotz Waffenunruhe
Die Feuerpause in Libanon wird immer brüchiger: Nachdem zwei israelische
Soldaten getötet wurden, greift Israel mehrfach aus der Luft an. Wie geht
es weiter?
(DIR) +++Nachrichten im Irankrieg+++: Iran meldet nahe Einigung mit Oman zur Straße von Hormus
Iran und Oman verhandeln über die strategisch wichtige Meerenge zwischen
beiden Ländern. Laut Teheran steht eine Einigung kurz bevor. Wie reagieren
die USA?
(DIR) Entwaffnung der Hamas: Ein Abkommen mit vielen Lücken
Die Hamas, das Board of Peace und Vermittler haben einen Weg vereinbart,
wie es zu einem Frieden im Gazastreifen kommen kann. Doch der Plan hat
Tücken.
(DIR) Krieg im Libanon: Tunnel, Drohnen, Zerstörung
Das israelische Militär sprengt nach eigenen Angaben einen von der
Hisbollah genutzten Tunnel im Südlibanon. 700 Tonnen Sprengstoff sollen
dafür genutzt worden sein.
(DIR) Libanons Präsident in den USA: Trumps Druck soll Israel zum Abzug bewegen
Libanons Präsident Joseph Aoun will Donald Trump in Washington um
Unterstützung bitten. Israel und Libanon proben erste Schritte in zwei
„Pilotzonen“.
(DIR) Libanon-Israel-Gespräche: Keine nachhaltige Lösung in Sicht
Israel und Libanon verhandeln weiter über Frieden im Südlibanon. Das
Abkommen bietet keine dauerhafte Perspektive, Schlüsselakteure sitzen nicht
am Tisch.