# taz.de -- Libanon-Israel-Gespräche: Keine nachhaltige Lösung in Sicht
       
       > Israel und Libanon verhandeln weiter über Frieden im Südlibanon. Das
       > Abkommen bietet keine dauerhafte Perspektive, Schlüsselakteure sitzen
       > nicht am Tisch.
       
 (IMG) Bild: Eine israelische Flagge in einem zerstörten Dorf im Südlibanon an der Grenze zu Israel im Juni 2026
       
       Während die Waffenruhe zwischen Iran und USA scheitert, fürchtet sich auch
       der Libanon davor, wieder in den Krieg hineingezogen zu werden. Teheran
       sieht den Libanon als Teil seiner Front gegen die USA und Israel. Israel
       wiederum versuchte in der Vergangenheit, mögliche US-Iran-Friedensabkommen
       durch Bomben im Libanon zu verhindern.
       
       Obwohl das Abkommen zwischen USA und Iran den Libanon ausdrücklich
       einbezieht, bemüht sich [1][Libanons Regierung um einen eigenen Deal mit
       Israel] – um Unabhängigkeit von Iran zu demonstrieren.
       
       Nach bilateralen Gesprächen hatten die US-Botschafter beider Länder am 26.
       Juni in Washington ein Rahmenabkommen unterzeichnet, vermittelt von den
       USA. Diese Woche planten sie die Umsetzung. Am Mittwoch trafen sich die
       Diploten in der US-Botschaft in Rom, um die Vereinbarung voranzutreiben. Am
       Freitag ging es um die militärische Umsetzung.
       
       Laut Plan soll Libanons Armee die Kontrolle im Südlibanon übernehmen und
       die dort ansässige Hisbollah-Miliz entwaffnen. Bei vollständiger
       Entwaffnung möchte Israel den Einmarsch im Südlibanon beenden. Dort besetzt
       das israelische Militär mehr als 55 Dörfer, deren Bewohner*innen
       vertrieben wurden. Wer zurückkehren möchte, wird beschossen. Ganze
       Grenzdörfer liegen in Schutt.
       
       ## „Pilotzonen“ sollen eingerichtet werden
       
       Zentral bei den direkten Gesprächen sind sogenannte Pilotzonen, die am Rand
       der israelisch besetzen Gebiete eingerichtet werden sollen. In den Orten
       Froun und Zawtar Gharbieh im Südlibanon soll sich die libanesische Armee
       stationieren – als Garantie, dass die Hisbollah sich zurückzieht. Der Clou:
       Auch wenn Israel dort kämpft, gelten die „Pilotzonen“ nicht als besetzt.
       Komplett abziehen möchte Israels Armee nicht.
       
       Trotz der Gespräche gehen israelische Angriffe im Südlibanon weiter. Ein
       Luftangriff auf den Ort Nabatieh Fawqa tötete am Donnerstag zwei Menschen.
       Die israelische Armee habe am Mittwoch erneut Häuser gesprengt, Orte
       bombardiert und mit Bulldozern Straßen zerstört, so die staatliche
       Nachrichtenagentur NNA und die Zeitung L’Orient-Le Jour.
       
       Eine weitreichendere Umsetzung des Abkommens ist nicht in Sicht. Libanons
       Regierung möchte den kompletten Abzug des israelischen Militärs. Das
       wiederum drängt auf die vollständige Entwaffnung der Hisbollah.
       
       Die hatte Libanons Regierung eigentlich versprochen, nachdem sie im
       September 2025 in Libanons Kabinett beschlossen worden war. In einer ersten
       Phase soll die Armee im Süden so viele Waffendepots gesprengt haben,
       [2][dass ihr der Sprengstoff ausging]. Die zweite Phase stockte, weil die
       Hisbollah sich weigerte. Während die Miliz zeitweise Angriffe auf Israel
       eingestellt hatte, griff Israels Armee täglich an. Libanons Regierung kam
       unter Druck. Sie bemühte sich vergeblich um Dialog mit der Hisbollah zur
       Entwaffnung im ganzen Land – die wiederum auf Israels Angriffe verwies.
       
       ## Hisbollah rüstet auf dank Geld aus Iran
       
       Dann begann der Irankrieg. Nach der Tötung von Irans religiösem Führer Ali
       Khamenei schoss die Hisbollah am 2. März als Vergeltung wieder Raketen auf
       Israel. Ein monatliches Budget aus dem Iran von [3][50 Millionen US-Dollar]
       soll geholfen haben, wieder mit Drohnen und Raketen aufzurüsten – trotz der
       Entwaffnungsinitiative der libanesischen Regierung.
       
       Der Plan über Pilotzonen verspricht keine Lösung. Zwei Schlüsselakteure
       sitzen gar nicht erst am Tisch: Hisbollah-Chef Naim Qassem und Libanons
       Armeechef Rudolph Haykal. Qassem bezeichnet das Abkommen als „Null und
       Nichtig“. [4][Haykal stellt sich gegen die Entwaffnung der Hisbollah]. Die
       Armee könne die Miliz weder militärisch besiegen noch entwaffnen, ohne sich
       gegen die schiitische Bevölkerung zu stellen und damit einen Bürgerkrieg zu
       riskieren. Der Staat ist pleite, das Militär chronisch unterfinanziert.
       
       Sowohl Iran als auch die USA nutzen Hilfsgelder als Druckmittel: Irans
       Führung wirbt mit Geldern für den Wiederaufbau, die USA drohen, Geld an die
       Armee zu kürzen, sollte die Hisbollah nicht entwaffnet werden. Libanons
       Regierung steht unter Zugzwang. Das derzeitige Abkommen wird den Konflikt
       nicht lösen.
       
       17 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Libanon-Israel-Deal/!6192928
 (DIR) [2] https://www.reuters.com/world/middle-east/lebanese-army-walks-political-tightrope-disarm-hezbollah-2025-10-28/
 (DIR) [3] https://www.reuters.com/world/middle-east/hezbollah-saw-new-war-with-israel-inevitable-rearmed-months-sources-say-2026-03-06/
 (DIR) [4] https://carnegieendowment.org/middle-east/diwan/2026/03/a-mission-for-lebanons-army
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Neumann
       
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