# taz.de -- Libanons Präsident in den USA: Trumps Druck soll Israel zum Abzug bewegen
> Libanons Präsident Joseph Aoun will Donald Trump in Washington um
> Unterstützung bitten. Israel und Libanon proben erste Schritte in zwei
> „Pilotzonen“.
(IMG) Bild: Der libanesische Präsident Joseph Aoun
Libanons geteilte Meinung über direkte Gespräche mit Israel ist schon an
der großen Straße zum Flughafen in Beirut zu sehen. Als die Regierung
bilaterale Friedensgespräche ankündigte, stand auf den Werbeflächen „Danke,
loyaler Iran“ – bezahlt von der mit Iran verbündeten Hisbollah-Miliz. Das
Innenministerium [1][ließ die Plakate ersetzten] mit: „Libanon First“.
Hisbollah-Anhänger wiederum setzten die neuen Aushänge [2][in Brand]. Die
Hisbollah lehnt direkte Gespräche mit Israel ab – und auch die Bemühungen
der libanesischen Regierung, die Miliz zu entwaffnen.
Während dieser aufgeheizten politischen Stimmung hat sich Libanons
Präsident Joseph Aoun auf den Weg Richtung USA gemacht. Er flog am Samstag
nach Washington, um dort mit verschiedenen US-Vertretern zu sprechen. Am
Dienstag trifft er US-Präsident Donald Trump. Es ist der erste Besuch eines
libanesischen Staatschefs im Weißen Haus seit 2009.
Im Gepäck hat Aoun eine politische Forderung, die sein Land vereinen soll:
den kompletten Abzug israelischer Soldaten aus Libanon. Druck von Trump
höchstpersönlich soll dabei helfen. In einer von seinem Büro
veröffentlichten Erklärung hieß es, er werde Trump bitten, „den nötigen
Druck auf Israel auszuüben“.
Israelische Soldaten besetzen weiter völkerrechtswidrig 60 Dörfer und
Städte in Südlibanon. Wohngebäude, Energieversorgung und öffentliche
Infrastruktur liegen in Schutt und Asche. 700.000 Menschen wurden
vertrieben. Wer zurück möchte, läuft Gefahr, von israelischen Soldaten
getötet zu werden. Die Armee reißt weiterhin Häuser ab. Am Dienstagmorgen
sprengte sie Gebäude in Mais al-Dschabal und Kfar Tibnitin der Region
Nabatäa.
## Israel beginnt Rückzug aus Sawtar al-Gharbia
Ebenfalls am Dienstag sollen sich israelische Soldaten aus Sawtar
al-Gharbia zurückgezogen haben. Einheiten der libanesischen Armee rückten
stattdessen ein. Die Stadt liegt in einer der sogenannten Pilotzonen, in
denen der schrittweise Rückzug getestet werden soll. Libanons Streitkräfte
riefen die Bevölkerung auf, zu ihrer eigenen Sicherheit die Stadt noch
nicht zu betreten. Sie müssten zuerst die Sicherheitslage stabilisieren.
Anwohner*innen berichten gegenüber der dpa jedoch, die als Pilotzonen
geltenden Gebiete seien gar nicht von Israel besetzt, sondern lediglich
Beschuss ausgesetzt gewesen. Libanesischen Sicherheitskreisen zufolge hatte
die israelische Armee in Sawtar al-Gharbia keine festen Stützpunkte
errichtet, das Gebiet zwar mehrfach betreten aber später wieder verlassen.
Der Rückzug aus zwei „Pilotzonen“ war am 26. Juni in einem bilateralen
Abkommen beschlossen worden. Libanons Armee soll dort sicherzustellen, dass
der Staat das Gebiet unter Kontrolle hat – und nicht die Hisbollah. Der von
den USA vermittelte Plan sieht vor, dass Libanons Armee die Miliz
entwaffnet. Ist das geschehen, möchte Israel den Einmarsch in Südlibanon
beenden. Die Übergabe der zwei „Pilotzonen“ gilt als erste Bewährungsprobe.
Libanons Präsident Aoun strebt den kompletten Abzug an. Er wolle Trump
schriftlich einen Vorschlag vorlegen, wie seine Armee das Waffenarsenal der
Hisbollah sicherstellen könne, sagte ein libanesischer Regierungsvertreter
der Nachrichtenagentur Reuters. Dem Vertreter zufolge ist Aoun der Ansicht,
dass nur Trump über den nötigen Einfluss verfüge, um Israel zum Abzug zu
bewegen und Libanon dabei zu helfen, [3][seine Souveränität – sowohl
gegenüber Iran als auch Israel] – wiederherzustellen.
21 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Julia Neumann
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