# taz.de -- Lage im Südlibanon: Am wahrscheinlichsten scheinen Dauerpräsenz oder Bürgerkrieg
       
       > Obwohl Israel und der Libanon sprechen, scheint ein Verhandlungserfolg
       > unwahrscheinlich. Unabhängig vom Ausgang ist der Südlibanon der
       > Leidträger.
       
 (IMG) Bild: Hunderte von Häusern sind nach israelischen Luftangriffen in Zawtar al-Gharbiyeh im Südlibanon zerstört oder beschädigt
       
       Die israelische Armee gräbt sich im Südlibanon ein – und zerstört die
       Lebensgrundlagen der Menschen dort auf Dauer. Es verwundert, wie mager die
       internationalen Reaktionen darauf ausfallen.
       
       Denn das Ganze findet nicht im Geheimen statt. Israels
       Verteidigungsminister Israel Katz nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn er
       über den Libanon spricht. Im israelischen Fernsehsender Channel 14 erklärte
       er, dass seine Armee 700 Quadratkilometer Territorium erobert habe.
       
       Das Problem ist nicht nur, wie viel libanesischen Boden die israelische
       Armee im Libanon besetzt, sondern auch, was sie sonst dort anrichtet. Stolz
       verkündete Katz, dass dort [1][24 Dörfer dem Erdboden gleichgemacht]
       wurden. Dort stünde nichts mehr, keine Häuser, hatte der
       Verteidigungsminister schon im Juni erklärt, wohin die 200.000 Libanesen
       zurückkehren könnten. Außerdem habe er die Armee angewiesen, im Südlibanon
       so viele Militärbasen wie nötig zu bauen, um „wenn es sein muss, 50 Jahre
       dort zu bleiben“.
       
       Die israelische Tageszeitung Ha’aretz hat sich die israelische Präsenz im
       Libanon genauer angesehen. Sie spricht von sieben israelischen Militärbasen
       und Dutzenden Kilometern für die Armeelogistik, unter anderem für neue
       Straßen, die dort gebaut wurden.
       
       ## Israel zweifelt am Verhandlungserfolg
       
       So geht keine Armee vor, die vorhat, sich zeitnah wieder zurückzuziehen. Es
       scheint, als würde die israelische Regierung nicht wirklich an einen Erfolg
       der Verhandlungen glauben, die sie derzeit mit dem Libanon führt.
       
       Das eigentliche [2][Ziel dieser Verhandlungen] ist, dass sich die
       israelische Armee aus besetzten Teilen des Libanon zurückzieht. Im Gegenzug
       sollte dort statt der Hisbollah die libanesische Armee die Kontrolle
       übernehmen. Das alles sollte scheibchenweise in kleineren Pilotzonen
       ausprobiert werden.
       
       Die Hisbollah selbst verurteilte die Verhandlungen als „Schande,
       Demütigung, Enttäuschung und konstante Zugeständnisse“. Auch ist unklar, ob
       die Hisbollah dadurch tatsächlich geschwächt würde, denn sie verlöre zwar
       Teile ihres Aufmarschgebietes im Süden, könnte aber weiter unter den
       200.000 Libanesen rekrutieren, die ihre Häuser im Süden verloren haben.
       
       Es ist zudem unwahrscheinlich, dass die Hisbollah ihre Position als „Staat
       im Staat“ widerstandslos aufgeben wird. Daher gibt es eigentlich nur zwei
       Szenarien für die libanesische Zukunft. Erstens, und am wahrscheinlichsten:
       Dem libanesischen Staat gelingt es nicht, die Macht der Hisbollah wirklich
       und nachhaltig zu schwächen. Dann hätte die israelische Armee einen
       Vorwand, um lange Zeit im Südlibanon zu bleiben.
       
       Zweitens: Der libanesische Staat unternimmt doch einen Versuch, ernsthaft
       gegen die Hisbollah vorzugehen – und sie zu entwaffnen. Das hätte
       wahrscheinlich einen innerlibanesischen Bürgerkrieg zur Folge. In beiden
       Szenarien – ob eine israelische Dauerpräsenz im Südlibanon oder ein
       Bürgerkrieg – wären die Libanesen die Verlierer.
       
       9 Aug 2026
       
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