# taz.de -- Entwaffnung der Hamas: Ein Abkommen mit vielen Lücken
> Die Hamas, das Board of Peace und Vermittler haben einen Weg vereinbart,
> wie es zu einem Frieden im Gazastreifen kommen kann. Doch der Plan hat
> Tücken.
(IMG) Bild: Die Hamas verfügt weiterhin über ein recht großes Arsenal an verschiedenen Waffen
Ende vergangener Woche haben die Hamas, das Board of Peace und einige
Vermittlerstaaten ein Abkommen geschlossen. Es legt fest, wie die Hamas
entwaffnet werden soll und wie sich Israels Militär im Einklang [1][damit
aus dem Gazastreifen] zurückziehen soll. Die wichtigsten Punkte: Israel
soll sich sofort an das Waffenruhe-Abkommen vom Oktober 2025, genannt
Sharm-Sheikh-Protokoll, halten – also die Kampfhandlungen einstellen.
Das Gleiche gilt für die Hamas und andere bewaffnete palästinensische
Gruppen. Die Hamas soll außerdem alle „zivilen Verwaltungs- und
Sicherheitsfunktionen“ an das Nationale Komitee für die Verwaltung des
Gazastreifens (NCAG) übergeben, das sich dann um die Belange der
Zivilbevölkerung kümmern soll.
Der Prozess der Entwaffnung soll beginnen, wenn die „ausstehenden
Vereinbarungen aus dem Sharm-Sheikh-Protokoll abgeschlossen sind“ – also
das Ende der Kampfhandlungen, aber auch der Einzug des NCAG nach Gaza sowie
der Internationalen Stabilisierungsmission (ISF). Diese wurde mit der
Resolution des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen 2803 geschaffen und
soll aus Streitkräften verschiedener Staaten zusammengesetzt werden. Im
Rahmen der Entwaffnung soll die NCAG „schwere Waffen“ stilllegen und
lagern. Ebenso soll sie sich um militärische Produktionsstätten,
Waffendepots und Tunnel kümmern.
So weit, so klar – aber auch völlig oberflächlich. Viele Details sind noch,
zumindest in der Öffentlichkeit, unklar. Ein Beispiel: Was sind „schwere
Waffen“? Das Abkommen spricht auch von „persönlichen Waffen“, deren Besitz
im Einklang mit palästinensischen Gesetzen gehandhabt werden soll. Wie die
Unterscheidung zwischen den beiden Kategorien verlaufen soll, ist bislang
unklar.
## Hamas hat Waffenindustrie im Gazastreifen geschaffen
Die Hamas verfügt über ein recht großes Arsenal an verschiedenen Waffen.
Der israelische Militäranalyst Seth Frantzman sagt dazu: Über die zwei
Dekaden, in denen sie an der Macht war, habe die Hamas eine große
Waffenindustrie im Gazastreifen geschaffen. Sie hätten etwa Raketen
produziert, Panzerfäuste, Anti-Panzer-Geschosse und schwere
Maschinengewehre importiert.
Manche der Produktionsstätten existierten bis heute. Denn Teile des
Gazastreifens – etwa das Camp Nuseirat oder Deir al-Balah – wurden vom
israelischen Militär im Kriegsverlauf nie eingenommen. Auch Lager gibt es
wohl bis heute. Erst vor wenigen Tagen vermeldete das israelische Militär,
zwei solcher Lager angegriffen zu haben, wohl im Gebiet Deir al-Balah.
Bei israelischen Luftangriffen, die sich nun parallel zum Abkommen wieder
zu häufen scheinen, kommen auch Zivilistinnen und Zivilisten um. Über 1.250
Palästinenserinnen und Palästinenser wurden seit Beginn der sogenannten
Waffenruhe im Oktober 2025 getötet, über 4.000 verletzt. Im selben Zeitraum
kamen auch fünf israelische Soldaten um.
Sich nur auf die Waffen zu konzentrieren, sei sowieso ein Fehler, sagt
Frantzman. „In der Vergangenheit, wenn Israel Kriege schnell gewonnen hat,
wie beispielsweise im Sechstagekrieg 1967, lag das nicht daran, dass jede
einzelne Waffe der ägyptischen Armee aufgespürt und zerstört worden war. Es
lag daran, dass es eine Strategie und Taktik gab, welche die andere Armee
überwältigte. Das gilt für die meisten Kriege in der Geschichte; es kommt
niemals vor, dass jede einzelne Waffe aufgespürt wird.“
## Militärische Gewalt allein hilft offenbar nicht
Das sei einer der grundsätzlichen Fehler in diesem Krieg gewesen: der
Glaube, dass er sich allein durch militärische Gewalt gewinnen lassen. Die
Hamas kontrolliert heute weiterhin etwas über 30 Prozent des Gazastreifens,
das israelische Militär den Rest. In dem von der Hamas kontrollierten
Gebiet lebt auch fast die gesamte Zivilbevölkerung des Küstenstreifens.
Zwischen den beiden Gebieten liegt die sogenannte Gelbe Linie.
Eigentlich soll sich Israels Militär im Rahmen des Abkommens aus dem
Oktober und auch dem jetzigen aus dem Gazastreifen zurückziehen. Doch auch
da gibt es Unklarheiten. Nach einem Gespräch mit Premierminister Benjamin
Netanjahu am Montag hat das Board of Peace ein klärendes Statement zum
geforderten Rückzug Israels auf X geteilt.
Demnach werde „der Rückzug des Militärs hinter die Gelbe Linie erst
erfolgen, sobald die Entwaffnung abgeschlossen ist, wie es die Hamas den
Vermittlern zugesagt hat. Dies gilt gleichermaßen für leichte Waffen,
schwere Waffen und die Tunnel.“ Das Abkommen von vergangener Woche erwähnte
die Gelbe Linie nicht explizit.
Israel hatte bereits verkündet, mit dem neuen Abkommen nicht einverstanden
zu sein. Auch die Luftangriffe in Gaza halten weiter an, obwohl das Board
of Peace deren Ende ja explizit gefordert hatte. Und auch die Hamas ist in
Statements bereits von ihrer Zusage zum Abkommen zurückgerudert. Die harten
Verhandlungen scheinen also erst noch zu kommen. Nikolaj Mladenow schreibt
selbst auf X: „Das ist der Beginn der schwierigen Phase, und ich habe nie
so getan, als wäre es anders.“
4 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Lisa Schneider
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