# taz.de -- Die Fifa und der „reine“ Fußball: Geld schießt ein Eigentor und siegt am Ende trotzdem immer
> Gianni Infantino musste auf Druck seitens der Uefa zurückrudern. Mit der
> Idee eines reinen Fußballs hat das allerdings nichts zu tun.
(IMG) Bild: Des Pudels Kern in der Hand der Chefs: Fifa-Präsident Infantino und Uefa-Amtskollege Ceferin
Natürlich ist das erst einmal eine gute Nachricht, dass die Fifa und
insbesondere ihr Boss, Alleinunterhalter, Chefstratege und Sogutwiediktator
Gianni Infantino die Pläne des Ausverkaufs der Weltmeisterschaften (Frauen,
Männer, Männerclubs) an „Investoren“ stoppen und öffentlich zurückrudern
musste, vornehmlich auf Druck der Öffentlichkeit, aber vor allem auf Druck
der Uefa und des asiatischen Fußballverbands AFC.
Es scheint also, als ob Infantinos Expansionsgelüste und seine Geldgier an
ein Ende gekommen wären. Und wer weiß, vielleicht ist es sogar ähnlich
[1][wie bei Bundeskanzler Merz] oder dem russischen Präsidenten Wladimir
Putin: Es wird darüber hinaus über das Ende seiner Herrschaft getuschelt,
und nicht nur hinter vorgehaltener Hand (was laut Fifa-Statuten ja auch
eine rote Karte nach sich ziehen könnte). Infantino, Meister der
Korruption, unangenehmster Einschleimer vor den Herren der Weltpolitik, hat
sichtlich überdreht. Sein Ende scheint nah.
Kommt jetzt ein Aber? Nein, zur Zurücknahme der Pläne kann es kein Aber
geben. Eine grundrichtige Entscheidung. Aber drumherum gibt es so einige
Abers. So feiern sich beispielsweise die Uefa oder auch der DFB jetzt
dafür, Infantino die Grenzen aufgezeigt zu haben: Und doch fragt man sich
zunächst, warum erst jetzt, warum zum Beispiel die norwegische
Fußballchefin Lise Klaveness lange Zeit die weithin einzige war, die nicht
mit öffentlicher Kritik an dem Gebaren der Fifa sparte.
Und dann stellt sich als Zweites die Frage, ob die Uefa wirklich aus
Prinzipientreue gehandelt hat, weil der „Fußball“, [2][um mit dem dänischen
Fußballchef Jesper Møller zu sprechen], „an einem Scheideweg“ stand, „an
dem einige der Werte, die den Kern und die Seele des Fußballs ausmachen,
unter Druck geraten waren“.
## Kern und Seele
Das ist dann doch etwas viel. Das größte Aber dazu sind nicht einmal die
notorische Ignoranz von Menschenrechten, die Verlogenheit oder die
Korruption; Themen, die man bei der Uefa genauso vorfindet, nur etwas
verdeckter, nicht so offen. Das größte Aber betrifft den zweiten Teil des
Zitats: „den Kern und die Seele des Fußballs“. Und, so leid es mir tut, das
richtet sich an die gesamte Welt des Fußballs da draußen:
Es gibt diese Romantik einer reinen, unverkäuflichen Seele des Fußballs
nicht. [3][Der Fußball ist käuflich], und wird es in diesem System auch
immer sein. Selbst die Ultras sind, wenn man es so betrachtet, Teil des
Problems: Sie bringen Stimmung, Transparente, Atmo ins Stadion; was de
facto sehr gute Verkaufsargumente sind. Dazu tragen sie textile Werbung wie
alle Fans, für die sie sogar selbst noch Geld ausgegeben haben (wie
natürlich auch für die Eintrittskarten). Und so weiter, und so weit der
Ball auch rollt.
Fußball ist vornehmlich ein Geschäft, und zwar ein riesiges; die WM in
Nordamerika hat lediglich gezeigt, wie viel Luft nach oben da immer noch
war; Infantinos Vorstoß entbehrte somit nicht einer gewissen neoliberalen
Logik. Expansion, darum geht es im Kapitalismus, rasches
Wirtschaftswachstum; und Fußball ist eine Unterhaltungsindustrie, die den
Mächtigen dieser Welt nutzt, und nicht nur, weil sie eine
durchkapitalisierte ist.
Oder mal einfach gefragt: Warum ist der FC Bayern München nur einmal in den
letzten 13 Jahren nicht Deutscher Meister geworden? Weil sie so ehrlichen
und beseelten Fußball spielen oder weil sie sich durchweg und mit
wachsendem Abstand die teuerste und somit beste Mannschaft leisten können?
[4][Stichwort Überreichtum]: Der Fußball ist längst in einer Dimension zu
Hause, die mit der monetären Situation der meisten Konsumierenden gar
nichts mehr zu tun hat. Daran ändert auch die Uefa nichts.
2 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Machtmaschine-CDU-das-war-einmal/!6195272
(DIR) [2] https://www.spiegel.de/sport/fussball/fifa-investoren-kehrtwende-dfb-wirft-gianni-infantino-unverantwortliches-handeln-vor-a-6d820f25-a3f1-4a8f-aee8-36aa02782189
(DIR) [3] /Verkauf-von-WM-Anteilen-Die-Empoerung-der-Uefa-ist-sympathisch-aber-scheinheilig/!6200026
(DIR) [4] /Fussball-Weltmeisterschaft/!6183433
## AUTOREN
(DIR) René Hamann
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