# taz.de -- Lobbyisten im Wirtschaftsministerium: Nur die Meinung der Energiekonzerne zählt
> Das Wirtschaftsministerium spricht über die EU-Methanverordnung zum
> Klimaschutz nur mit der Gas-Branche. Umweltverbände finden kein Gehör.
(IMG) Bild: Demonstration unter dem Motto „Erneuerbare Energien verteidigen“ in München im April 2026
Das von Katherina Reiche (CDU) geführte Bundeswirtschaftsministerium hat
sich mehrfach mit Gashändlern getroffen, um über die EU-Methanverordnung zu
sprechen – aber nicht mit Umweltverbänden. Das geht aus einer Antwort des
Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Frage des grünen
Bundestagsabgeordneten Michael Kellner hervor.
Methan ist [1][Hauptbestandteil von Erdgas und sehr klimaschädlich]. Es
entweicht aus Bohrlöchern und Lecks etwa von Rohren. [2][Die
EU-Methanverordnung regelt, dass Energiekonzerne diese Emissionen
transparent machen müssen.] Sie sieht ab 2027 Strafen vor, wenn Unternehmen
ihre Anlagen nicht überwachen und nichts gegen ausströmendes Methan
unternehmen. Energiekonzerne lehnen das ab und machen entsprechenden Druck.
Wirtschaftsministerin Reiche hat sich dafür eingesetzt, die
EU-Methanverordnung zu entschärfen. [3][Das wird die EU-Kommission jetzt
tun, indem sie den Mitgliedsländern rät, die Strafen für drei Jahre
auszusetzen.] Umweltverbände kritisieren das scharf, weil sie das als
Rückschritt beim Klimaschutz begreifen.
Im Wirtschaftsministerium konnten Umweltverbände ihre Bedenken nicht
vorbringen. In der Antwort auf Kellners Frage zu Treffen, bei denen die
EU-Methanverordnung thematisiert wurde, taucht kein einziger
Umweltschutzverband auf. Demnach hat sich Staatssekretär Frank Wenzel mit
dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft sowie mit den
Gasunternehmen VNG und Uniper über das Thema ausgetauscht. VNG ist ein
großer Gasimporteur und europaweit tätiger Gasgroßhändler. Uniper ist
ebenfalls im internationalen Gashandel tätig. Das Unternehmen wurde in der
Energiepreiskrise 2022 verstaatlicht. Außerdem gab es ein gemeinsames
Telefonat mit Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth und einem Vertreter des
Unternehmens VNG.
„Ein offenes Ohr hat Katherina Reiche nur für die Gasindustrie“, sagt der
Bundestagsabgeordnete Kellner, der in der Ampel-Regierung grüner
Wirtschaftsstaatssekretär war. „Das ist fatal: Europa brennt, Flüsse
vertrocknen, und Katherina Reiche will Gasförderung, egal wie dreckig und
klimaschädlich.“ Sie stelle die Gewinne der Gasindustrie damit über den
Schutz der Menschen vor der Klimaänderung.
3 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /EU-Energieminister-entscheiden-am-Montag/!6091287
(DIR) [2] /Emissionen-der-Fossil-Konzerne/!6176085
(DIR) [3] /EU-Methanverordnung/!6197822
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
## TAGS
(DIR) Methan
(DIR) Energiewende in Gefahr
(DIR) Katherina Reiche
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Bündnis 90/Die Grünen
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Stahlindustrie
(DIR) Methan
(DIR) Methan
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Grüner Stahl aus Deutschland: Ungewisse Zukunft
Die Beratungsfirma PwC hält grünen Stahl aus Deutschland für nicht
konkurrenzfähig. Gewerkschaftskreise warnen vor einer Aufgabe der
Produktion.
(DIR) EU-Methanverordnung: Keine Strafen für den Klimakiller Methan
Die EU-Kommission will zwar an der Methanverordnung festhalten – aber Gas-
und Ölunternehmen die Strafen erlassen, wenn sie dagegen verstoßen.
(DIR) Emissionen der Fossil-Konzerne: Industrie verstößt laut Umwelthilfe gegen Methanverordnung
Laut den Umweltschützer*innen liefern die wenigsten Konzerne Daten,
geschweige denn nachvollziehbare. Es gibt aber auch positive Beispiele.
(DIR) EU-Energieminister entscheiden am Montag: Grüne EU-Abgeordnete warnt vor Aushöhlen der Methan-Vorgaben
Sollte die EU die Methan-Verordnung ändern, droht die klimaschädliche
Entschärfung. Diese Gefahr sieht die grüne Europa-Abgeordnete Jutta Paulus.