# taz.de -- Deutsche Unternehmen und Klimaschutz: Eine Bayer-Welt wäre 7,5 Grad heißer
> Ein neuer Bericht zeigt: Nicht nur die Bundesregierung bremst
> Klimaschutz, auch deutsche Unternehmen verlangsamen ihre Transformation.
> Die Pariser Klimaziele erreichen sie nicht.
(IMG) Bild: Die Klima-Transformation vieler deutscher Unternehmen verliert an Fahrt
Immer weniger börsennotierte Unternehmen in Deutschland sind auf dem
richtigen Weg, um das Pariser Klimaziel einzuhalten. Das geht aus dem
WhatIf-Bericht der Unternehmensberatung Right hervor, der am Donnerstag
veröffentlicht wurde.
Demnach sind nur noch 26 statt 28 der 71 untersuchten Unternehmen auf Kurs,
die Erderhitzung auf 1,7 Grad zu begrenzen – so legt Right das in [1][Paris
vereinbarte Ziel aus, den globalen Temperaturanstieg auf jeden Fall unter 2
Grad und möglichst unter 1,5 Grad zu halten].
Für ihren Bericht wertet Right die Nachhaltigkeitsberichte börsennotierter
Unternehmen aus. Davon ausgehend wird berechnet, wie viel CO2 die Firma pro
Euro Bruttowertschöpfung ausstößt – die sogenannte Emissionsintensität. Ein
Abgleich mit den Klimaneutralitätspfaden der Internationalen
Energie-Agentur IEA für den jeweiligen Sektor ergibt dann, in welchem Tempo
diese Emissionsintensität bis 2050 schrumpfen muss.
So lassen sich Unternehmen über Sektoren hinweg vergleichen: Ein
Software-Entwickler produziert zum Beispiel weniger CO2 als ein
Stahlhersteller. Und er hat es auch leichter, seinen CO2-Ausstoß noch
weiter zu senken. Klimaneutral werden müssen aber beide. Der WhatIf-Bericht
misst nun, wie schnell die jeweiligen Unternehmen im Vergleich mit ihrer
Branche aktuell sind. Übersetzt wird das in konkrete Grad Celsius.
## Bayer kritisiert die Methodik
„Möglich wird das nur wegen der Nachhaltigkeitsrichtlinie der EU“, sagt
Hannah Helmke, Gründerin von Right. Diese Richtlinie verpflichtet
Unternehmen, Klimadaten offenzulegen, wurde von der EU-Kommission aber
[2][auf Druck von Lobbyorganisationen abgeschwächt].
Der größte Chemiekonzern der Welt, BASF, ist laut WhatIf-Bericht zum
Beispiel auf 4,6 Grad-Kurs. Das heißt: Hätten sich die
Klimaschutz-Bemühungen jedes Unternehmens in den vergangenen Jahren so
entwickelt, würde sich die Erde um 4,6 Grad erhitzen. Noch schlimmer: 2022
war BASF laut Right noch auf 3,9-Grad-Kurs, der Konzern hat sich also von
einem ohnehin schlechten Pfad noch verschlechtert.
BASF verweist darauf, dass die Wertschöpfungsketten von Chemieunternehmen
zu unterschiedlich seien, um sie aussagekräftig miteinander vergleichen zu
können.
Auch der Pharmariese Bayer sticht negativ hervor: Er ist sogar auf 7,5
Grad-Kurs. Auf taz-Anfrage mahnt der Mischkonzern aber, ihn nicht mit
anderen Pharma-Unternehmen zu vergleichen, wie Right es tut: „Die vom
Pharmasektor sich stark unterscheidenden Rahmenbedingungen der
Agrarindustrie werden dabei außer Acht gelassen“, sagt ein Sprecher. Bei
anderen Agenturen erhalte Bayer bessere Noten.
## RWE als Vorbild?
Welche Klimaziele sich die Unternehmen gesetzt haben, hat offenbar wenig
damit zu tun, wie weit sie tatsächlich mit ihrer Dekarbonisierung sind: 37
Prozent der untersuchten Unternehmen mit Paris-konformem Ziel sind auf
Paris-Kurs, aber auch 36 Prozent der Unternehmen ohne ein solches Ziel
halten die 1,7-Grad-Grenze ein.
Zu den Unternehmen mit Paris-Tempo gehören zum Beispiel Adidas, der
Chiphersteller Infineon und Siemens, das sich 2020 vom
Gasturbinen-Hersteller Siemens Energy getrennt hat. Auch der Energiekonzern
RWE hat sich vorbildlich entwickelt – wobei hier die Grenzen des Berichts
sichtbar werden.
Denn die Methodik wurde zwar [3][von Wissenschaftler*innen überprüft]
und wird unter anderem von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde
[4][genutzt]. Aber sie bildet nicht ab, dass RWE [5][beim
Bundeswirtschaftsministerium für fossile Gaskraftwerke und gegen
klimafreundliche Batteriespeicher] [6][lobbyiert] hat. Auch dass RWE seit
Jahrzehnten extrem klimaschädliche Kohle zur Stromerzeugung verbrennt und
deshalb [7][laut dem Projekt CarbonMajors] allein 0,37 Prozent [8][zum
globalen CO2-Ausstoß beigetragen hat], wird im Bericht nicht abgebildet.
„RWE hat zwar in den vergangenen Jahren viele Kohlekraftwerke abgeschaltet,
baut aber [9][in den USA sein Gasgeschäft aus]“, sagt Helmke. „Wir müssen
schauen, ob der Konzern auf Kurs bleibt.“
Wer ganz fehlt im WhatIf-Bericht, sind Banken. Die Finanzhäuser legen nicht
offen, wie viele CO2-Emissionen sie mit ihren Krediten ermöglichen – also
lässt sich auch ihr Beitrag zum Klimaschutz nicht messen. [10][Einem
Bericht der NGO Urgewald zufolge] hat aber zum Beispiel die Deutsche Bank
ihr Geschäft mit fossilen Konzernen um fast 20 Prozent ausgeweitet.
17 Sep 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundesumweltministerium.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Klimaschutz/paris_abkommen_bf.pdf
(DIR) [2] /Meiste-Mittelstaendler-fuer-Nachhaltigkeit/!6088188
(DIR) [3] https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-030-36875-3_12
(DIR) [4] https://www.eba.europa.eu/sites/default/files/2024-11/2e1b1d1d-3cf3-4075-a9fc-899dcf5a8460/Staff%20Paper_Financing%20the%20transition.pdf
(DIR) [5] /Plaene-der-Bundesregierung/!6173258
(DIR) [6] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energie-lobby-papier-rwe-setzt-auf-gas-und-will-batteriespeicher-ausgrenzen/100201683.html
(DIR) [7] https://carbonmajors.org/Entity/RWE-138
(DIR) [8] /Flutkatastropher-Pakistaner-fordern-Schadenersatz-von-deutschen-CO2-Riesen/!6124958
(DIR) [9] /RWE-gibt-Windkraftprojekte-auf/!6202842
(DIR) [10] /Geld-fuer-Oel-Gas-und-Kohle/!6185886
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
## TAGS
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