# taz.de -- 1. Mai in Berlin: Ikkimel, die Rattenfängerin der Linken
       
       > Die Berliner Linke mobilisiert am 1. Mai die Massen, auch dank Rapperin
       > Ikkimel. Der Vorwurf, Protest würde durch Party ersetzt, greift aber zu
       > kurz.
       
 (IMG) Bild: Mariannenplatzfest am 1. Mai: die Show von Ikkimel zieht Massen an
       
       Von rechts außen über die bürgerliche Mitte bis in linke Kreise hinein wird
       lamentiert: Die Rechtsextremen haben die sozialen Medien fest im Griff, sie
       schlagen die Jugend via Tiktok in den Bann ihrer menschenfeindlichen
       Ideologie. Tatsache – auch in Berlin: Mehr als 4.000 Tiktok-Follower hat
       die AfD-Spitzenkandidatin für die Abgeordnetenhauswahl 2026, Kristin
       Brinker. [1][Elif Eralp dümpelt derweil bei weniger als einem Zehntel
       dessen herum]: Die Linken-Spitzenkandidatin kommt gerade mal auf 250
       Follower.
       
       Das Mariannenplatzfest am 1. Mai unter dem Motto „Friedrichshain-Kreuzberg
       tanzbar machen“ markiert für die Hauptstadt-Linke eine Zäsur: [2][Am
       Arbeiterkampftag gelang es der Partei, die jugendlichen Massen anzuziehen].
       Ihre Rattenfängerin von Kreuzberg: die „größte Fotze Europas“ – Ikkimel.
       Tausende feierten beim Konzert der Tempelhofer Rapperin, ein Instagram-Post
       des Landesverbands mit Eralp und Ikkimel bekam 21.000 Likes.
       
       Darüber müssten sich Linke freuen – würde man meinen. Doch die linke
       Bewegung wäre nicht die linke Bewegung, wenn sie nicht konsequent ihrem
       Selbstzersetzungsfetisch erliegen würde. In den sozialen Medien wird
       kritisiert: Die Partei würde sich für Party statt Demo entscheiden und
       biete der jungen Zielgruppe eine unpolitische Alternative zum Kampftag. Die
       Einladung von Ikkimel sei eine Befriedigungstaktik der Partei, um den
       Protest der Revolutionären-1.-Mai-Demo zu schwächen.
       
       Der politische Part, etwa die zahlreichen Reden der Parteimitglieder, wird
       in der Kritik bewusst ausgeblendet. Statt den Mobilisierungserfolg zu
       feiern und auszuhalten, dass Kultur und politischer Protest koexistieren
       können, werden zwei linke Veranstaltungen gegeneinander ausgespielt – und
       Künstler*innen aus dem eigenen Milieu attackiert. Der Vorwurf: Sie
       würden mit ihren Konzerten zur Eventisierung und Partyatmosphäre am
       Arbeiterkampftag beitragen.
       
       Die Feiermenge, die die Rapper*innen anzogen, hatte in der Tat den
       Demonstrationszug in der Oranienstraße über Stunden blockiert. Zwar lässt
       sich über das Timing streiten, dennoch verkennt dieses Jammern den Kontext:
       Die Rapper*innen stehen nicht für Entpolitisierung, sondern für scharfe
       Gesellschaftskritik, die niedrigschwellig politische Teilhabe ermöglicht.
       
       Und von Künstler*innen mit dem Anspruch boomt es derzeit in der
       Hauptstadt: Mitverantwortlich für den Stau in der Oranienstraße war das
       [3][systemkritische Kreuzberger Rap-Trio RAPK], das wie jedes Jahr am 1.
       Mai ein Soli-Konzert im Kiez veranstaltete. Die Schöneberger Rapcrew BHZ
       folgte dem Beispiel in diesem Jahr und spielte bereits am Vorabend à la
       Peter Fox ein Soli-Konzert für ihren Kiez. Der [4][Moabiter Rapper Apsilon,
       der über Rassismus und Klassismus rappt,] kündigte am 1. Mai seine
       kostenlose „Null-Euro-Tour“ an, während Teuterekordz im Görli „Merz leck
       Eier!“-Gesänge anstimmte. Die kurdischstämmige Rapperin Ebow
       veröffentlichte am 1. Mai ihren Song „ARBAYT“, in dem die Tochter eines
       Müllmanns und einer Postfrau klassistische Erfahrungen und Klassenkampf
       thematisiert.
       
       An wen sich ihre Kritik richtet? „Das hier geht straight an Merz, diesen
       Bastard.“ Und wer das verstanden hat? Die Linke.
       
       3 May 2026
       
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