# taz.de -- Bewegungstermine in Berlin: Wer zu früh plakatiert, den bestraft der Bezirk
       
       > Die ersten Plakate hängen, der Wahlkampf geht in die heiße Phase.
       > Mobilisieren tun nicht nur die Parteien, auch die Straße ist aktiv.
       
 (IMG) Bild: Skalitzer Straße: SPD, Linke, BSW und Volt ringen um Wählerstimmen in Kreuzberg
       
       Wer steckt hinter Unf*ck Berlin? Seit Wochen tapezieren die lila-neongrünen
       Sticker die Stadt: die Eingangstür vom Penny, das Stoppschild am Kotti, den
       Bürgersteig vor der taz. Seit Sonntagmittag ist offiziell, wer hinter der
       Kampagne steht: Volt.
       
       Mit ihrer Guerillataktik hat sich die Pro-Europa-Partei einen kleinen, aber
       feinen Vorsprung erkämpft. Denn Wahlplakate für die Abgeordnetenhauswahl am
       20. September dürfen offiziell erst ab diesem Sonntag um 12 Uhr mittags
       hängen – erstmalig. Bislang begann das Plakatieren an Laternenmasten um
       Mitternacht. In diesem Jahr hat das Abgeordnetenhaus das Berliner
       Straßengesetz auf Antrag der Regierungskoalition aus CDU und SPD
       entsprechend geändert.
       
       Aber auf Regeln stehen Berliner*innen bekanntlich nicht: In
       Marzahn-Hellersdorf wirbt die CDU bereits Samstagabend um Stimmen, in
       Steglitz lächelt die Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp unerlaubt früh
       Passant*innen an, die SPD schummelt in Frohnau und die Bergpartei in
       Friedrichshain. Das dürfte teuer werden. Wer zu früh plakatiert – oder nach
       der Wahl zu spät abhängt –, zahlt Bußgelder, je nach Bezirk zwischen 10 und
       50 Euro pro Plakat.
       
       Jetzt geht es aber erst mal heiß her. Die AfD fordert: „In der Schule ist
       Deutsch Pflicht“, die Linke will „Berlin bezahlbar machen“, und die CDU
       wünscht sich „knallharte Strafen für Müllsünder“. Auf anderen Plakaten des
       „CDU Scheißverein“ haben sich Linksradikale einen kleinen Scherz erlaubt:
       „Arbeiten bis 70, Altersarmut bis zum Tod. Unsere Agenda 2030“ steht auf
       einem Plakat mit einem freundlich dreinblickender Friedrich Merz. Auf einem
       anderen, mit SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach, steht: „Sozialstaat? Kann
       weg. Mit der CDU zusammen arbeiten wir an der [1][Agenda 2030]“. Also: Was
       wählst du?
       
       „Du musst dich positionieren!“, fordert die [2][linksradikale Jugendzeitung
       Straßen aus Zucker.] Aber: „Musst du wirklich? Jain. Und damit herzlich
       willkommen im Graubereich.“ Bei der Lesung und Diskussion „Zwischen den
       Stühlen“ widmet sich die Bravo der Antifa der Frage, wann Zweifel
       angemessen sind. Für sie steht fest: „Es braucht in Zeiten von Krisen,
       Krieg und kulturellem Rechtsruck klare Kante von links, ganz ohne Zweifel.“
       Gleichzeitig sei es wichtiger denn je, Widersprüche auszuhalten. Getestet
       wird auch die eigene Ambiguitätstoleranz: Wie viel Widerspruch verträgst
       du?(6. August, about blank, Markgrafendamm 24c, 18:30 Uhr)
       
       Fragt man die Bewohner*innen des autonomen Jugendhauses und
       Hausprojekts La Casa in Hellersdorf, müsste die ehrliche Antwort lauten:
       gar keinen. [3][Dort bekämpften sich Anfang Juli linke Gruppen über den
       Nahostkonflikt.] Ein Video zeigte Vermummte mit Holzlatten, Steinen und
       Pfefferspray vor dem Gebäude. Zu sehen war, wie sie Barrikaden aus
       Holzstämmen, Gittern und Bänken errichteten. Eine Nachbarin rief
       schließlich die Polizei.
       
       Nun bemüht sich das Hausprojekt darum, verlorenes Vertrauen in der
       Nachbarschaft zurückzugewinnen. Unter dem Namen „New Casa“ lädt die
       palästinasolidarische Gruppe seit Kurzem jeden Sonntag ab 12 Uhr zum
       Nachbarschaftsbrunch ein. (9. August, New Casa, Wurzener Straße 6–8, 12
       Uhr)
       
       Während sich in Hellersdorf die Linke an sich selbst abarbeitet, richtet
       sich der Blick beim Scirocco Festival dorthin, wo Grenzen tatsächlich über
       Leben entscheiden: [4][an die EU-Außengrenzen]. Ins Leben gerufen wurde das
       antirassistische Festival 2023 von Aktivist*innen von Reqship gemeinsam
       mit der Initiative Open Dreams, die von Menschen mit eigener
       Migrationserfahrung gegründet wurde. Im Zentrum stehen in diesem Jahr die
       Auswirkungen des Grenzsystems auf die psychische Gesundheit. (7.-9. August,
       Wagenburg Lohmühle, Lohmühlenstr. 17)
       
       2 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://agenda-2030.info/
 (DIR) [2] /Ohne-Geld-kein-linker-Jourmalismus/!5931437
 (DIR) [3] /Linke-streiten-ueber-Nahost/!6194671
 (DIR) [4] /Deutsche-Grenzkontrollen/!6196472
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Schröder
       
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