# taz.de -- Infantino macht Kehrtwende: Fifa gibt Investorenpläne auf
       
       > Die Investorenpläne der Fifa rufen im Weltfußball viel Empörung und
       > Widerstand hervor. Nun verkündet der Weltverband eine Entscheidung.
       
 (IMG) Bild: Da war der Druck zu groß: Gianni Infantino
       
       dpa | Der Fußball-Weltverband Fifa gibt [1][seine umstrittenen
       Investorenpläne] auf. Der Vorschlag werde nicht weiterverfolgt, erklärte
       Verbandspräsident Gianni Infantino in einer in der Nacht veröffentlichten
       Stellungnahme. „Nachdem wir uns alle Standpunkte aufmerksam angehört haben,
       ist deutlich geworden, dass das Projekt zu Spaltungen geführt hat, die –
       unabhängig vom Ausmaß der Unterstützung – nicht mehr im Interesse des
       ursprünglich angestrebten Ziels liegen“, begründete Infantino seine abrupte
       Kehrtwende.
       
       [2][Die Pläne der Fifa] um den mächtigen Präsidenten Infantino hatten
       vorgesehen, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen
       Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einzuspielen. Für
       die Umsetzung wollte die Fifa das Tochterunternehmen Fifa Forward
       Enterprise (FFE) gründen. Laut Berichten setzte der Weltverband eine Frist
       für die Zustimmung [3][zum geplanten Investorendeal] bis zum 19. September
       und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. All das ist nun vom Tisch.
       
       Infantino erklärte weiter, Ziel der Fifa sei es, stets zu vereinen und zu
       verbessern. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“ Es sei
       seine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und
       Wochen „im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Sport wieder
       zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter voranzubringen,
       insbesondere in jenen Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten
       benötigen“.
       
       Mit dem Projekt habe er die Mitgliedsverbände stärken wollen. Zur Umsetzung
       wäre es ohnehin nur gekommen, wenn eine Mehrheit dem Projekt zugestimmt
       hätte, erklärte er in dem Statement weiter.
       
       ## Uefa drohte mit WM-Boykott
       
       Die Fifa beugte sich damit dem Druck, der in den vergangenen Tagen immer
       größer geworden war. So hatte die europäische Uefa nicht nur die Pläne
       heftig kritisiert, sondern sogar mit einem WM-Boykott gedroht. „Keine
       Nationalmannschaften aus der Uefa werden an irgendeinem Fifa-Wettbewerb
       teilnehmen, solange diese Vorschläge weiterbestehen“, teilte die Uefa nach
       einem Dringlichkeitstreffen mit.
       
       „Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere
       Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu
       verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation
       verwaltet“, schrieb die Europäische Fußball-Union.
       
       Auch die [4][für Nord- und Mittelamerika sowie die Karibik zuständige
       Concacaf] und der [5][asiatische Fußballdachverband AFC] gingen deutlich
       auf Distanz zu Infantino und seinen Plänen. Der südamerikanische
       Fußballverband Conmebol bezog dagegen zunächst keine inhaltliche Position.
       Stattdessen kündigte der Kontinentalverband an, die Pläne weiter zu prüfen,
       und forderte zusätzliche Informationen von der Fifa an.
       
       ## Hochrangiger Infantino-Berater zurückgetreten
       
       Zudem bröckelte auch innerhalb der Fifa die Unterstützung für Boss
       Infantino. Fifa-Betriebsdirektor Kevin Lamour warf Infantino vor, die
       Mitarbeiter hintergangen zu haben. Carlos Cordeiro, ein hochrangiger
       Berater des 56-Jährigen, trat aus Protest gegen das Vorhaben zurück. Dabei
       wählte er drastische Worte.
       
       „Als leitender Berater des Fifa-Präsidenten, früherer Banker und
       lebenslanger Fußball-Fan kann ich nicht tatenlos zusehen, wie die Fifa den
       Verkauf einer Beteiligung an der Weltmeisterschaft in Erwägung zieht“,
       schrieb der Topfunktionär auf der Plattform LinkedIn.
       
       Der ehemalige Präsident des US-Verbandes, der seit 2021 für die Fifa
       arbeitet, schrieb zudem: „Es ist ein schlechtes Geschäft für die
       Fifa-Mitgliedsverbände, ein schlechtes Geschäft für den Fußball und ein
       schlechtes Geschäft für die langfristige Zukunft dieses Sports.“ Dieses
       Geschäft wird es nun nicht geben.
       
       ## Burnham für Ablösung Infantinos
       
       Aber auch mit seiner Kehrtwende könnte es für Infantino schwierig werden,
       sich an der Spitze des Fußball-Weltverbandes zu halten. So sprach sich der
       britische Premierminister Andy Burnham nach Bekanntwerden der Pläne offen
       für die Ablösung Infantinos aus. Der Schweizer sei „der falsche Mann“ an
       der Spitze des Weltverbandes, sagte der neue Regierungschef.
       
       Uefa-Vizepräsidentin Laura McAllister sagte bei Sky News nach der harschen
       Kritik an den Investorenplänen, die weltweite Einigkeit gegen die
       Vorschläge gebe der Fifa einige Anhaltspunkte dafür, was den Spielern, den
       Fans, den Vereinen und den Funktionären wichtig sei, wenn es darum gehe,
       wie der Fußball in Zukunft gestaltet werde. „Ich hoffe, dass dies für den
       Präsidenten und die Fifa ein Weckruf ist, damit sie diese Aufgaben weitaus
       ernster nehmen, als sie es offenbar bisher getan haben.“
       
       Infantino steht auch wegen einer anderen Angelegenheit unter Druck: Er war
       während der WM in den USA, Kanada und Mexiko wegen einer auf Anruf von
       US-Präsident Donald Trump zurückgezogenen Sperre von US-Stürmer Folarin
       Balogun schwer in die Kritik geraten. Damit wurde ein Einsatz des Spielers
       im Achtelfinale ermöglicht – ein äußerst ungewöhnliches Vorgehen. Nach
       Darstellung der Fifa wurde die umstrittene Entscheidung von der formal
       unabhängigen Disziplinarkommission getroffen.
       
       1 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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