# taz.de -- Fünf Jahre nach dem Afghanistan-Abzug: Lieber nicht mehr dran denken
> Der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan war eine unmögliche Mission. Und
> doch machten Union und SPD über Jahre mehr Gelder dafür locker.
(IMG) Bild: Menschen stehen am Flughafen von Kabul Schlange, um an Bord eines deutschen Militärflugzeugs zu gehen, am 25.8.2021
Es sind harte Worte, die einer der ehemals ranghöchsten deutschen Soldaten
wählt, [1][wenn er über das Ende des Afghanistaneinsatzes vor fünf Jahren
spricht.] „Ich schäme mich heute noch“, schreibt Ex-General Andreas Hoppe
[2][dieser Tage in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine
Zeitung.] Es geht ihm um das Ausbleiben einer Geste: Als die Soldaten aus
dem nordafghanischen Masar-i-Scharif Ende Juni im niedersächsischen
Fliegerhorst Wunstorf landen, steht dort außer Bundeswehrangehörigen
niemand, um sie in Empfang zu nehmen.
Nicht Bundeskanzlerin [3][Angela Merkel], die den mit Abstand blutigsten
und teuersten Auslandseinsatz der Bundeswehr ihre gesamte Amtszeit lang
mitverantwortete. Nicht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer,
die als Verteidigungsministerin für den Truppenabzug zuständig war. Auch
ein Beisein von Abgeordneten, die das Afghanistanmandat Jahr für Jahr im
Bundestag verlängert hatten, ist nicht überliefert.
Obwohl längst klar war, dass die politischen Ziele mit Waffengewalt nicht
zu erreichen waren, flossen immer mehr Gelder in die militärische
Absicherung der Afghanistanmission. Von alldem wollte man in Berlin nichts
wissen, schließlich standen im Herbst 2021 Wahlen an. Afghanistan war für
die Union und die SPD ein Verliererthema, nur mit Abschiebungen und
Entwicklungshilfe hoffte man noch auf ein paar Pünktchen. Ansonsten sollten
die Ministerien und die Soldat*innen den Einsatz doch bitteschön einfach
abwickeln.
Die 20-jährige Intervention der internationalen Koalition unter der Führung
der USA, bei der nach Berechnungen der Brown-Universität zwischen 176.000
und 243.000 Menschen getötet und Millionen Menschen zur Flucht getrieben
wurden, endete aus deutscher Sicht im niedersächsischen Hinterland. Der
fehlende Empfang für die Soldat*innen bei ihrer Rückkehr Ende Juni warf
seinen Schatten voraus auf den katastrophalen Epilog, der sich dann wenige
Wochen später in Kabul abspielte.
Denn während die Bundesregierung alle Entwicklungen in Afghanistan im
wahrsten Wortsinne als Nebenkriegsschauplatz abtat, brachten die Taliban
weite Landesteile wieder unter ihre Kontrolle. Als am 15. August 2021 dann
auch Kabul an die Islamisten fiel, waren einige in Berlin tatsächlich
überrascht. So musste die Bundeswehr noch mal ran, um
Entwicklungshelfer*innen, europäische Staatsbürger und zumindest einige
[4][Ortskräfte aus Afghanistan] zu retten, die durch die Ignoranz der
Regierung den Taliban ausgeliefert wurden.
Heute sitzen Union und SPD wieder in der Regierung. Wenn sie über die
Bundeswehr sprechen, wählen sie salbungsvolle Worte. Den gescheiterten
Afghanistaneinsatz möchten sie so wie ihre Vorgänger*innen vergessen
machen. Der verweigerte Handschlag in Wunstorf darf auch das eigene
Selbstbild nicht stören – dafür sind die Erwartungen, die man heute wieder
an die Bundeswehr richtet, schlicht zu groß.
14 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Afghanistan-Untersuchungsausschuss/!6067080
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(DIR) [3] /Schwerpunkt-Angela-Merkel/!t5007702
(DIR) [4] /Ortskraefte-aus-Afghanistan/!6139605
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