# taz.de -- Hitze in Irland: Den Iren kann man es nicht recht machen
       
       > Wenn es in Irland an fünf Tagen hintereinander über 25 Grad hat, gilt das
       > als Hitzewelle. Klingt albern, hat aber erhebliche Folgen für das Land.
       
 (IMG) Bild: Hitzewelle mit 25 Grad: Jugendliche in Dublin suchen Abkühlung
       
       Mateo hält die Iren für bekloppt. „Ihr nennt es Hitzewelle“, sagt er. „Bei
       uns zu Hause ziehen wir bei diesen Temperaturen einen Pullover an.“ Mateo
       stammt aus Valencia, er studiert Literatur am Trinity College Dublin.
       „[1][In Spanien brennen die Wälder]“, sagt er, „es sind bereits mehr als
       200.000 Hektar abgebrannt, und in Irland redeten im Juli alle über das
       Feuerchen am Berg Slievenamon in Tipperary.“
       
       Bergbauern mussten ihre Tiere in Sicherheit bringen, was nicht so einfach
       war, weil Schaulustige die schmalen Zufahrtsstraßen blockierten, um Bilder
       für soziale Medien zu machen. In der südwestirischen Grafschaft Kerry haben
       Brände in einem Nationalpark 20 Hektar Land in einem
       Unesco-Biosphärenreservat vernichtet.
       
       Die Iren sind auf Hitze nicht vorbereitet. Die offizielle Definition klingt
       in diesen Zeiten grotesk: Wenn die Temperaturen an fünf
       aufeinanderfolgenden Tagen auf über 25 Grad steigen, handelt es sich um
       eine Hitzewelle. Die Verbraucher reagierten auf die ungewöhnlichen
       Temperaturen im Juni und Juli mit Hamsterkäufen von Sonnencreme und
       Deodorants und auch der Verkauf von Alkohol, Energydrinks und salzigen
       Snacks stieg rasant an.
       
       Fintan O’Toole schrieb in der Irish Times: „Im Grunde genommen glauben wir
       nicht an das, was wir erleben: die katastrophalen Auswirkungen der globalen
       Erwärmung.“ Dabei gab es schon vor Jahren eindringliche Warnungen. Irland
       müsse sich darauf vorbereiten, künftige extreme Hitzewellen zu bewältigen,
       warnte John FitzGerald, der Vorsitzende des Beirats für Klimawandel,
       bereits 2019. Er erklärte, dass man im Hinblick auf die Anpassung der
       Gesellschaft an den Klimawandel Pläne für Bedingungen erstellen müsse, die
       schlimmer seien, als man erwarte. „Man muss auf Nummer sicher gehen“, sagte
       er damals.
       
       ## Kühlung brauchen Menschen – und Rechenzentren
       
       O’Toole sagt: „Wir leben nun in der Zukunft, vor der wir gewarnt wurden.
       Selbst nach den groben Maßstäben, die der Kapitalismus anlegt, ist es ein
       ruinös teurer Ort zum Leben. Im Jahrzehnt zwischen 2014 und 2024
       verursachten heftige Wetterereignisse Schäden in Höhe von etwa zwei
       Billionen Dollar.“ Was aber viel mehr zählen sollte, seien die Kosten in
       Form von Menschenleben, fügte er hinzu. Etwa eine halbe Million Menschen
       sterben jedes Jahr allein an den Folgen der Klimakrise.
       
       Im Jahresbericht des Beirats für Klimawandel heißt es: „Unser ganzer
       Schwerpunkt lag bisher darauf, wie wir den durch Heizen verursachten
       Kohlendioxidausstoß reduzieren können. Wir müssen uns nun Gedanken über den
       durch Kühlung verursachten Kohlendioxidausstoß machen, der weltweit ein
       dramatisches Problem darstellt.“
       
       In Irland betrifft das Thema Kühlung nicht nur Menschen, sondern vor allem
       Rechenzentren. Im Land gibt es weit über 100 davon, sie machen 23 Prozent
       des gesamten Strombedarfs Irlands aus. US-Technologieunternehmen wurden in
       den 2000er Jahren aufgrund der steuerlich attraktiven
       Investitionsbedingungen nach Irland gelockt. Als jedoch deutlich wurde,
       dass riesige Anlagen benötigt würden, um die Mengen an Daten zu speichern,
       gewann auch das gemäßigte Klima des Landes zunehmend an Attraktivität.
       
       „Irland hat sich in unserer Analyse als einer der am wenigsten
       klimagefährdeten Standorte erwiesen“, sagt Jeremy Porter, Chefökonom des
       US-amerikanischen Klimaanalyseunternehmens First Street. Investitionen
       würden langfristig von Standorten abgezogen werden, an denen der
       Klimawandel stärker ausgeprägt sei. „In Nordeuropa und Irland wird die
       Nachfrage nach neuen Rechenzentren steigen“, sagt er.
       
       Die Hitzewelle ist inzwischen aus den irischen Schlagzeilen verschwunden.
       Am 1. August hat in Irland der Herbst angefangen, jedenfalls nach dem
       keltischen Kalender. Der unterteilt das Jahr anhand von
       landwirtschaftlichen Zyklen, nicht nach modernen meteorologischen
       Maßstäben. Und das Wetter hält sich daran, es entspricht wieder allen
       Vorurteilen, die man über die Grüne Insel hegt.
       
       „Jetzt jammert ihr über die Kälte, den Regen und den Wind“, sagt Mateo.
       „Euch Iren kann man es nicht recht machen.“
       
       7 Aug 2026
       
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