# taz.de -- EEG und Netzentgelte: Solardächer neu ausgerichtet
       
       > Die Bundesregierung will die feste Einspeisevergütung für kleine
       > Solaranlagen abschaffen. Übergangsweise gibt es weniger Zuschüsse. Eine
       > gute Idee?
       
 (IMG) Bild: Die EEG-Reform liefert düstere Aussichten für die Betreiber:innen von Solaranlagen
       
       Die Aussichten für die Betreiber:innen neuer, kleiner Dachsolaranlagen
       werden sich wohl bald ändern. Das ist ein zentraler Bestandteil des
       Entwurfs für das veränderte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Die
       Bundesregierung beschloss ihn am Mittwoch, das letzte Wort aber hat der
       Bundestag.
       
       Auf Wunsch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sollen
       neue, kleine Photovoltaik-Anlagen künftig keine fixe, verlässliche
       Einspeisevergütung nach heutigem Muster mehr erhalten. Das betrifft
       Solarmodule etwa für die Dächer von Ein- und Zweifamilienhäusern, aber auch
       von größeren Wohngebäuden. Heute bekommen die Betreiber:innen schon
       existierender Sonnen-Kraftwerke 20 Jahre lang bis zu 12 Cent pro
       Kilowattstunde, die sie ins öffentliche Stromnetz einspeisen – daran ändert
       sich auch nichts.
       
       Unter anderem auf Betreiben von Bundesumweltminister Carsten Schneider
       (SPD) gibt es allerdings eine dreijährige Übergangsfrist. In dieser Zeit
       sinkt die fixe Vergütung für neue Anlagen unter 50 Kilowatt Leistung auf
       gut 5 Cent pro Kilowattstunde.
       
       Danach können Betreiber:innen von Dachmodulen bis 25 Kilowatt noch
       weitere 4 Jahre lang mit 1,5 Cent rechnen. Dann fällt für sie auch dieser
       Zuschuss weg: Die Hausbesitzer:innen sollen die Energie, die sie nicht
       selbst nutzen, zum schwankenden Marktpreis an Stromhändler verkaufen.
       Dieses Modell heißt „Direktvermarktung“. [1][Aus Sicht der Privatleute ist
       das unsicherer], denn sie können ihre Einnahmen nur schwer kalkulieren.
       
       ## 17 Milliarden für erneuerbare Energien
       
       Der Sinn der Sache? Ministerin Reiche will die Kosten drücken, die die
       Transformation zur Klimaneutralität verursacht. Aus dem Bundeshaushalt
       fließen momentan rund 17 Milliarden Euro pro Jahr als Zuschüsse an die
       erneuerbaren Energien. Allerdings relativiert Andreas Bett, der Leiter des
       Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme: „Die Kosten, die durch die
       Abschaffung der Einspeisevergütung für kleine PV-Anlagen eingespart werden,
       sind gering.“ Denn den größeren Teil der Förderung beanspruchen alte Solar-
       und Windkraftwerke, die schon lange am Netz sind. Deren Förderung läuft mit
       der Zeit sowieso aus.
       
       „[2][Kleine Solaranlagen] sind inzwischen aufgrund gesunkener Kosten oft
       bereits ohne zusätzliche Förderung wirtschaftlich, sofern sie hohe
       Eigenverbrauchsanteile realisieren können“, schreibt das
       Wirtschaftsministerium. Die Einspeisevergütung sei also nicht mehr nötig,
       sie stelle eine Überförderung dar.
       
       Dagegen sagt Manfred Fischedick, Präsident des Wuppertal Instituts für
       Klima, Umwelt, Energie: „Für viele kleine Anlagen“ sei „aufgrund der mit
       der Direktvermarktung verbundenen administrativen Kosten mit hoher
       Wahrscheinlichkeit dauerhaft kein wirtschaftlicher Betrieb“ zu erwarten.
       Demnach ist die heutige Einspeisevergütung kein Luxus, sondern Bedingung
       für das Modell Dachanlage.
       
       Ein paar Pioniere wie die Firma Enpal bieten die Direktvermarktung schon
       an. Die meisten Stromhändler halten sich aber zurück, weil das Geschäft mit
       den kleinen Stromproduzenten wenig Rendite abwirft. Praktikable
       Geschäftsmodelle sind Mangelware. Und es gibt einen technischen Grund:
       Sogenannte Smart Meter, digitale Stromzähler mit Internetansschluss, haben
       sich noch nicht durchgesetzt, der Einbau in Wohngebäuden geht nur
       schleppend voran. Die Bundesregierung will das nun beschleunigen.
       
       Institutsleiter Fischedick empfiehlt derweil, „den Eigenverbrauch zu
       optimieren. Dies kann über größere Batterien erfolgen, eine kleinere
       PV-Anlage oder aber zusätzliche, möglichst [3][flexibel steuerbare
       Verbraucher wie elektrische Wärmepumpen] oder Elektroautos.“
       
       29 Jul 2026
       
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