# taz.de -- Investoren im Fußball: Der große WM-Ausverkauf
> Fifa-Präsident Gianni Infantino will Investoren am Geschäft mit den
> Weltmeisterschaften beteiligen. Aus Europa gibt es heftigen Protest
> dagegen.
(IMG) Bild: Zu verkaufen! Gianni Infantino bietet den WM-Pokal feil
Der Wahnsinn um das Milliardengeschäft Fußball geht in die nächste Runde.
Die Ankündigung des internationalen Fußballverbands Fifa, private
Investoren am Geschäft mit den Weltmeisterschaften zu beteiligen, hat das
Zeug, die Sportwelt zu erschüttern. Die Europäische Fußballunion Uefa hat
mit harschen Worten auf die Beteiligungspläne reagiert. Medienberichte
sprechen gar davon, [1][dass die Europäer einen WM-Boykott erwägen]. Noch
in dieser Woche wollen sich die Uefa-Verbände zusammenschalten, um über die
Investorenpläne der Fifa zu beraten.
Am Dienstag hatten die [2][Times] und die [3][Financial Times] darüber
berichtet, dass die Fifa die Gründung einer Gesellschaft erwäge, der die
Durchführung der großen Weltturniere übertragen werden solle. An dieser
Fifa Forward Enterprise sollen sich auch private Investoren beteiligen
können, wobei die Mehrheit der Anteile sowie die Entscheidungsgewalt im
Besitz der Fifa verbleiben. Noch bevor die Fifa die Berichte bestätigt hat,
reagierte der europäische Kontinentalverband [4][mit einer Stellungnahme],
die an Deutlichkeit kaum zu überbieten ist.
„Damit wird eine Linie überschritten, die die Fußballverbände nie
überschreiten sollten“, heißt es darin. Und: „Die Seele und die
Organisation des Fußballs stehen nicht zum Verkauf – schon gar nicht, wenn
es null Transparenz darüber gibt, wer finanziell davon profitiert.
Niemandem von uns gehört der Fußball. Es steht der Fifa nicht zu, ihn zu
verkaufen.“
Als daraufhin die Fifa [5][ihre Stellungnahme] zu den Plänen
veröffentlichte, wurde schnell klar, wie Verbandschef Gianni Infantino die
Zustimmung der 211 Mitgliedsverbände zu seinen Plänen organisieren möchte.
Er möchte sie schlicht erkaufen. Gleich im ersten Absatz verspricht er den
Fifa-Verbänden die Zahlung von 20 Millionen US-Dollar, sollte der Deal mit
den Investoren zustande kommen. Einmal mehr präsentiert sich die Fifa als
fußballerische Entwicklungshelferin.
## Entwicklungshilfe durch die Fifa
Von den sprudelnden Einnahmen aus dem WM-Geschäft sollen alle Teile der
Welt profitieren. Im bekannt kitschigen Infantinosound klingt das so: „Als
Weltverband ist die Fifa dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass das
Spiel jede Ecke der Erde erreicht, und dass die Werte, die daraus
entstehen, überall der Unterstützung aller Verbände und Gemeinschaften
dienen.“ So wird der Fifa-Präsident in der Verbandsmitteilung zitiert.
Gerade kleinere Verbände, die selbst wenig Geld mit dem Fußball umsetzen,
könnten geneigt sein, den Plänen zuzustimmen. Der Widerstand aus Europa ist
dabei leicht zu überstimmen. Gerade mal ein Viertel der Fifa-Verbände
gehört der Europäischen Fußballunion an. Die hat ihre wahre Macht indes
noch nie auszuspielen versucht.
Sollte die Uefa wirklich eine WM boykottieren, verlöre das Weltturnier
einen Großteil seines Werts. Bei der gerade zu Ende gegangenen WM 2026 in
Mexiko, Kanada und den USA kamen sechs der acht Viertelfinalisten aus
Europa. Bis jetzt haben sich auch die Europäer am Ende immer für das
Fifa-Geld entschieden.
Bestes Beispiel hierfür ist [6][die Klub-WM]. Jenes Weltturnier für
Vereinsmannschaften hatte die Uefa lange abgelehnt, auch weil sie die Fifa
nicht am großen Geschäft mit dem Klubfußball teilhaben lassen wollte, das
sie mit der Champions League etabliert hatte. Am Ende nahmen dann doch alle
europäischen Großklubs brav an der Premierenausgabe der Klub-WM 2025 in den
USA teil. 30 Millionen Euro Startgeld hat allein der FC Bayern München
kassiert.
Ob die Uefa diesmal Ernst macht? Schon während der WM ist die auf maximale
Distanz zu Infantinos Fifa gegangen. Als die Rotsperre für den US-Stürmer
Folarin Balogun nach einer Intervention von Donald Trump bei Infantino
[7][zur Bewährung ausgesetzt wurde], sprach die Uefa vom Überschreiten
einer roten Linie. Aus Protest gegen diese unsportliche Kuschelei der Fifa
mit dem US-Präsidenten war Uefa-Präsident Aleksander Čeferin dann gar dem
Finale ferngeblieben.
Auch der nun geplante Deal ist Ausweis für die Nähe Infantinos zum Clan von
Donald Trump. So soll die US-Regierung in die Fifa-Pläne eingeweiht sein.
Die US-Investmentbanker von J.P. Morgan sollen die Geschäfte abwickeln. Und
als führenden Investor in die Fifa-Gesellschaft FFE hat der Weltverband die
Kapitalgesellschaft Thrive Eternal genannt, die von Joshua Kushner, dem
Bruder von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner gegründet worden ist.
Geschäftsinteressen der Investoren könnten den Druck erhöhen, das
Teilnehmerfeld der WM von 48 auf 64 Mannschaften zu erhöhen. Auch die
Pläne, eine Männer-WM statt wie bisher alle vier Jahre jedes zweite Jahr
auszutragen, könnten wieder aktuell werden. Eine Fifa-Kommission hatte dies
2021 schon einmal vorgeschlagen. Damals scheiterten die Ideen am Widerstand
vor allem aus Europa.
29 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bbc.com/sport/football/articles/cvg7vglq9wpo
(DIR) [2] https://www.thetimes.com/sport/football/article/fa-statement-gianni-infantino-world-cup-fifa-investors-nk3gz3f7p
(DIR) [3] https://www.ft.com/content/819cc297-4e1e-493b-91b3-e6b12519214b
(DIR) [4] https://www.uefa.com/news-media/news/02a7-2138003823f8-f1aa47e28763-1000--uefa-statement-on-the-times-article/
(DIR) [5] https://vod.fifa.com/organisation/media-releases/intends-expand-football-development-funding-usd-10-billion-subject-approval-member-associations
(DIR) [6] /Klub-WM-der-Fussballer/!6092792
(DIR) [7] /Trump-greift-bei-Fussball-WM-ein/!6193728
## AUTOREN
(DIR) Andreas Rüttenauer
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