# taz.de -- Trump ruft Supreme Court an: Ich mach mir das Wahlrecht, wie es mir gefällt
> In weniger als 100 Tagen wird in den USA ein neues Parlament gewählt.
> Trump will dafür neue Wahlregeln durchsetzen – und zieht dafür vors
> oberste Gericht.
(IMG) Bild: Sticker bei einer Richterwahl in Wisconsin (1. April 2025)
dpa | Wenige Monate vor den US-Parlamentswahlen will Präsident Donald Trump
vor dem obersten Gerichtshof umfassende Änderungen im Wahlrecht
durchsetzen. Das Justizministerium reichte einen entsprechenden Eilantrag
ein, um die Entscheidung einer unteren Instanz auszusetzen. Diese hatte die
Trump-Regierung daran gehindert, Wählerdatenbanken zu erheben und neue
Regeln für die Briefwahl anlässlich der Kongresswahlen am 3. November 2026
umzusetzen.
Zuvor hatte ein Berufungsgericht bereits ein Urteil einer unteren Instanz
bestätigt und damit Trump davon abgehalten, die gravierenden Änderungen im
Wahlrecht durchzusetzen. Dabei argumentierte das Gericht der unteren
Instanz, dass Trump mit seinem Dekret seine Befugnisse überschreite: Laut
Verfassung und Bundesrecht obliegt es den Bundesstaaten, wie sie ihre
Wahlen organisieren – die Regierung darf nicht einfach per Präsidialdekret
ohne ausdrückliche gesetzliche Ermächtigung des Kongresses eingreifen.
Bei den ursprünglichen Klägern handelt es sich überwiegend um demokratisch
regierte Bundesstaaten sowie den Hauptstadtbezirk District of Columbia.
Diese haben nun bis zum 3. August Zeit, um dem Supreme Court rechtliche
Argumente gegen den Eilantrag vorzulegen.
## Das schwebt Trump vor
Trump wollte mit seinem Dekret Ende März neue Wahlrechtsformalitäten
etablieren. So sollten die US-Einwanderungsbehörde USCIS und die
Sozialversicherungsbehörde SSA Listen zu jenen Personen erstellen, deren
US-Staatsbürgerschaft bestätigt ist, die zum Zeitpunkt einer anstehenden
Wahl mindestens 18 Jahre alt sind und in dem entsprechenden Bundesstaat
wohnhaft gemeldet sind. Der staatliche Postdienstleister USPS solle zudem
nur noch Briefwahlunterlagen an registrierte Wähler versenden.
Anders als in Deutschland gibt es in den USA kein zentrales Meldewesen. Man
wird nicht automatisch ins Wählerverzeichnis eingetragen. In Deutschland
dürfen Personen laut Bundeswahlgesetz nur dann wählen, wenn sie im
Wählerverzeichnis eingetragen sind oder einen Wahlschein haben. Das
Wählerverzeichnis wird über das amtliche Melderegister der Gemeinden
erstellt.
In den USA müssen sich [1][Bürgerinnen und Bürger dagegen aktiv für eine
Wahl registrieren] – auch hier fordert Trump strengere Auflagen, etwa den
Nachweis der Identität und Staatsbürgerschaft durch entsprechende
Dokumente.
## Nicht überall in den USA gibt es bei Wahlen die Ausweispflicht
Nach Angaben der überparteilichen Organisation National Conference of State
Legislatures (NCSL) müssen Wähler bislang in 36 der 50 US-Bundesstaaten
einen Ausweis präsentieren – in den übrigen, mehrheitlich demokratisch
regierten Bundesstaaten gibt es keine derartige Pflicht. Stattdessen genügt
oftmals eine Unterschrift, etwa in Kalifornien oder New York.
Trump argumentiert, dass durch die Änderungen Wahlen fairer abgehalten
werden können und [2][Menschen ohne US-Staatsangehörigkeit ihre Stimme
nicht abgeben dürfen]. Kritiker behaupten stattdessen, dass dieser Umstand
selten vorkomme, und stattdessen Menschen, die etwa Geburtsurkunden oder
Pässe nicht zur Hand haben, von der Wahl ausgeschlossen werden. Eine
Personalausweispflicht wie in Deutschland gibt es nicht. Und nach Angaben
des US-Außenministeriums verfügt nur etwa jede zweite Person über einen
Reisepass.
Anfang November [3][wird bei den „Midterms“ etwa ein Drittel des Senats und
das komplette Repräsentantenhaus neu gewählt]. Wegen der aktuell knappen
Mehrheit der Republikaner in beiden Parlamentskammern könnte jedes einzelne
Mandat darüber entscheiden, wer am Ende die Macht im Kongress hat – und ob
die Demokraten zentrale politische Vorhaben von Trump verhindern können.
28 Jul 2026
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