# taz.de -- Buckelwal Hartwin: Keine Möwe kräht nach ihm
       
       > Der Buckelwal Timmy hatte im April die Schlagzeilen beherrscht, aber für
       > seinen Nachfolger gibt es weder Liveblogs noch Demos. Liegt es am Namen?
       
 (IMG) Bild: Das einzige Foto der dpa, das vermutlich Hartwin zeigt, aufgenommen in Dänemark am 20. Juni zwischen Jütland und Fünen
       
       Hartwin. So soll [1][der Buckelwal] heißen, der vergangene Woche im
       Wismarer Hafen und zwei Tage später bei Wustrow gesichtet wurde. Als er den
       Namen bekam, hatte er schon verloren. Oder gewonnen, [2][je nach
       Perspektive].
       
       Jedenfalls kräht keine Möwe nach ihm, obwohl ihn dasselbe „Schicksal
       ereilen“ könnte wie „Timmy Hope“, wie die Bild raunt. Die Berichterstattung
       über diesen in der Wismarer Bucht gestrandeten Buckelwal hatte die
       Schlagzeilen im April beherrscht. Was sie mit „Schicksal“ meint, lässt die
       Bild-Zeitung offen. Dass Timmy von selbsternannten Retter:innen mit
       schwerem Gerät drangsaliert und am Ende todkrank in den Skagerrak
       geschleppt wurde, wo er vermutlich ertrunken ist? Oder das, worauf alles
       Leben hinausläuft: den Tod?
       
       Möglicherweise hat sich diese bittere Wahrheit bis in die Redaktion der
       Bild-Zeitung herumgesprochen, denn sie berichtet wie alle Medien auffällig
       zurückhaltend. Kein Reporter fährt dem Wal im Motorboot hinterher, Updates
       gibt es nur alle paar Tage oder Wochen, wenn er in Küstennähe aufgetaucht
       ist. Zum ersten Mal Anfang Juli in der Flensburger Förde, dann drehte er
       ein paar Runden durch dänische Gewässer und ist seit Mitte Juli überwiegend
       in deutschem Hoheitsgebiet unterwegs.
       
       Anders als für Timmy gibt es über Hartwin keinen Liveblog, auch bei der
       Rheinischen Post nicht, die ihre Leser:innen sogar noch Wochen nach dem
       Fund von Timmys Kadaver vor der dänischen Küste weiter mit Informationen
       über ihn versorgte. Demonstrationen für Hartwins Rettung bleiben aus,
       obwohl Medien ihm [3][Orientierungsverlust] und „besorgniserregende
       Verletzungen“ attestieren. Nimmt man die Aufregung um Timmy zum Maßstab,
       müssten besorgte Bürger:innen längst Suchtrupps fordern, allen voran
       [4][Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus.]
       
       Was ist da los? Gab es einen Lerneffekt und Wale dürfen hierzulande in
       Zukunft in Ruhe sterben, so wie in Dänemark? [5][Verursacht ein sterbender
       Wal nur emotionalen Stress], wenn Menschen ihm dabei zugucken müssen? So
       wie Timmy, der sich immer wieder nahe am Ufer im seichten Wasser ablegte,
       während Hartwin mobil ist.
       
       ## Herzloser Name: „Hartwin“
       
       Oder liegt es am Namen? Den soll Stranded No More verbreitet haben, eine
       nach eigener Darstellung [6][„anonyme Watchdog-Gruppe von
       Strandungsfachleuten“], die sich offenbar im Rahmen der „Rettung“ von Timmy
       gegründet hat. Auf der Website gibt es weder Informationen über die
       fachliche Expertise noch Impressum oder eine Gründungsgeschichte. Auf
       Anfrage der taz reagiert die Gruppe nicht. Nach Angaben des [7][Berliner
       Kuriers] geht der Name des Wals auf seine geschädigte Rückenhaut zurück.
       Eine Stelle erinnere an die Form eines Herzens („Heart“).
       
       Wie herzlos! Wer soll denn Mitgefühl für einen Hartwin entwickeln?! „Harty“
       wäre das Minimum an Verniedlichung gewesen und einigermaßen genderneutral,
       denn Timmy stellte sich nach seinem, also ihrem Tod als Weibchen heraus.
       Die Wal-Watchdogs sind folgerichtig die Einzigen, die „die fortgesetzte
       Vernachlässigung Hartwins“ beklagen und einen „Aktionsplan“ fordern. Der
       beinhaltet die Entnahme von Proben aus Hartwins Atemluftfontäne und den
       Beschuss des Wals mit Medikamentenpfeilen, um ihn dann mit unter Wasser
       abgespielten Walgesängen ins offene Meer zu locken, begleitet von einer
       Bootsflotte.
       
       Es ist nur leider nicht so lustig, wie es klingt. [8][Denn der Hass], den
       Menschen über andere ausgekippt haben, weil sie sie bezichtigten, Timmy zu
       schaden, der schwelt weiter.
       
       7 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [3] https://www.saarbruecker-zeitung.de/nachrichten/panorama/buckelwal-hartwin-strandung-befuerchtet_aid-151592963
 (DIR) [4] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-04/buckelwal-rettung-till-backhaus-umweltminister-mecklenburg-vorpommern-kritik
 (DIR) [5] /Walforscher-ueber-den-sterbenden-Timmy/!6170932
 (DIR) [6] https://strandednomore.org/wp-content/uploads/2026/04/SNM_Rettungsplan_v3_DE_COMPLETE.pdf
 (DIR) [7] https://www.berliner-kurier.de/panorama/warum-heisst-buckelwal-hartwin-li.10151281
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