# taz.de -- AfD-Politik für Sachsen-Anhalt: Paradoxon mit schädlichen Folgen
       
       > Falls die AfD regiert, ist ein ökonomischer Schaden absehbar, lautet das
       > Ergebnis einer neuen Studie. Sachsen-Anhalt wäre davon besonders
       > betroffen.
       
 (IMG) Bild: Wahlkampfauftakt der AfD in Sachsen-Anhalt
       
       Marcel Fratzscher spricht von einem „AfD-Paradoxon“. Der Präsident des
       Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich in einer
       aktuellen Studie damit beschäftigt, wie sich die Politik der AfD ökonomisch
       auswirken könnte. Das Ergebnis: Regionen mit hohem AfD-Stimmanteil, etwa in
       Sachsen-Anhalt, würden besonders unter AfD-Politik leiden. Der autoritär
       nationalradikalen Partei schade das allerdings nicht, denn [1][wenn
       Menschen unzufrieden sind], fördere das die AfD-Unterstützung.
       
       Die Kurzstudie will [2][die DIW am Freitag] veröffentlichen, der taz lag
       sie bereits vorab vor. Darin untersucht Fratzscher, wie Kreise in
       Deutschland grundsätzlich auf bundesweite ökonomische Entwicklungen
       reagieren. Er kommt dabei zu dem Ergebnis, dass Kreise mit hohem AfD-Anteil
       empfindlicher reagieren als andere. Grund dafür sei eine „kleinteilige
       Wirtschaft, geringere Qualifikation und weniger Ausweichmöglichkeiten“.
       
       In einem zweiten Schritt analysiert Fratzscher in seiner Studie, welchen
       Einfluss eine AfD-Regierung auf die Lage in den Kreisen hätte. Dafür
       entwirft er auf der Basis bestehender Studien ein Szenario, indem
       [3][Deutschland sich von Zuwanderung abschottet], staatliche Ausgaben und
       Investitionen kürzt sowie aus der Europäischen Union austritt.
       
       Die geschätzten Folgen: Über fünf Jahre sinke Wirtschaftswachstum um 6
       Prozentpunkte, während die Inflation um 5 Prozent und die Arbeitslosigkeit
       um 2 Prozentpunkte steige. AfD-Hochburgen würden diese Entwicklung
       besonders betreffen. „Das gilt nirgendwo mehr als in Sachsen-Anhalt“,
       erklärt Ökonom Fratzscher. Dort wird am 6. September ein neuer Landtag
       gewählt, aktuell führt die AfD in Umfragen mit rund 40 Prozent. Ihr
       Spitzenkandidat Ulrich Siegmund würde gerne allein und ohne Kompromisse
       regieren.
       
       ## Dann sinkt das Einkommen
       
       Laut der DIW-Studie würden Einkommensverluste durch AfD-Politik in
       Sachsen-Anhalt bis zu doppelt so hoch ausfallen wie im Bundesschnitt. Zwar
       handelt es sich bei der Studie um keine präzise Prognose. Doch mithilfe der
       Daten schätzt DIW-Präsident Fratzscher, die Menschen in Sachsen-Anhalt
       würden im [4][Mittel 1.600 Euro pro Kopf verlieren], zudem könnten 10.000
       Arbeitsplätze verloren gehen. „Die Gefahr einer Abwärtsspirale ist groß.“
       
       Zudem seien durch AfD-Politik die Gesundheitsversorgung und das Handwerk
       gefährdet. Die Pläne der Partei würden laut Fratzscher für Sachsen-Anhalt
       einen Rückgang der jährlichen ausländischen Zuzüge um etwa 45 bis 65
       Prozent bedeuten. Kein Bundesland hat einen höheren Altersschnitt. Und für
       ein alterndes Land mit Abwanderung junger Menschen verschärfe es den
       Fachkräftemangel massiv, wenn keine neuen Menschen zuziehen.
       
       ## Kritik von Wirtschaftsverbänden an AfD
       
       Unabhängig von der DIW-Studie [5][äußerte sich auch Tanja Gönner], die
       Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI),
       zur AfD-Politik öffentlich zu Wort. Sie sagte der Deutschen Presse-Agentur:
       „Die AfD ist keine Wirtschaftspartei. Alles, was ich bisher von ihr lese,
       zahlt nicht auf Wirtschaftswachstum oder Investitionen ein. Im Gegenteil:
       Es wird eher neue Unsicherheiten für Investitionen geben.“
       
       Als Beispiel nannte sie demnach die Schulpflicht, welche die AfD in
       Sachsen-Anhalt laut ihrem Wahlprogramm aufheben möchte. Das werde nicht zu
       „[6][einheitlichen Bildungsstandards] und besseren Bildungschancen“ führen.
       Oder wenn es um Energiepolitik gehe, da biete die AfD keine Lösungen. „Sie
       verkauft uns eine Rückkehr zum Alten. Aber das führt nicht zu sinkenden
       Preisen, sondern zu Planungsunsicherheit und riskiert Wertschöpfung und
       industrielle Arbeitsplätze“, warnte Gönner.
       
       Ähnlich kritische Worte wählte Rainer Dulger, Präsident der
       Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Die AfD biete aus
       seiner Sicht keine Lösungen für die Probleme Deutschlands. „Deswegen sehe
       ich im Dialog mit den Herrschaften von der AfD keinen Sinn und befasse mich
       lieber mit den Parteien der Mitte“, sagte Dulger der dpa. Bei denen gehe es
       aktuell darum, „wie sie ihre Problemlösungsansätze so verbessern können,
       dass sie wieder größere Mehrheiten finden“.
       
       DIW-Präsident Fratzscher kommt in seiner Studie zu dem Schluss: Wer die AfD
       schwächen wolle, dürfe sich nicht auf Migration und ökonomische Faktoren
       fokussieren. Hilfreich sei stattdessen, strukturelle Veränderungen
       herbeizuführen, auch wenn das schwer sei. Dann allerdings gebe es auch eine
       hoffnungsvolle Perspektive. AfD-Wähler:innen seien nicht unverrückbar
       festgelegt: „Gelingt es, neue Zukunftschancen zu schaffen, kann aus der
       Abwärts- eine Aufwärtsspirale werden.“
       
       23 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] https://www.diw.de/de
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