# taz.de -- Atomdeal zwischen USA und Saudi-Arabien: Der Nahe Osten wird noch instabiler
       
       > Die USA beschließen einen Nukleardeal, der eine Urananreicherung in
       > Saudi-Arabien ermöglicht. Eine fatale Entscheidung für den Nahen Osten.
       
 (IMG) Bild: Ein sicherer Naher Osten durch mehr Atomwaffe? Kronprinz Mohammed bin Salman und Präsident Donald Trump freuen sich
       
       Der Nukleardeal zwischen den USA und Saudi-Arabien macht die Lage im Nahen
       Osten und am Golf nicht einfacher. Glaubt man US-Medienberichten – der
       Originaltext des Abkommens ist bisher nicht veröffentlicht –, bekommt
       [1][Saudi-Arabien die Möglichkeit, auf eigenem Boden Uran anzureichern].
       Das wäre das erste Mal, dass die USA Derartiges nicht nur zulassen, sondern
       sogar vertraglich mit einem anderen Land festlegen. Wenngleich, und das
       betont die US-Regierung, das Ganze nur unter strikter US-Aufsicht
       stattfinden kann. Dennoch bekäme zumindest theoretisch Saudi-Arabien damit
       Zugang zu waffenfähigem Uran.
       
       Wenn wir uns die Region ansehen, dann wird schnell deutlich, wie dort in
       der Atomfrage mit zweierlei Maß gemessen wird: Über die langjährige
       Nuklearmacht Israel wird nicht gesprochen. Im Falle [2][Irans soll auf
       jeden Fall verhindert] werden, dass das Land Uran anreichern kann. Und nun
       wird ein Vertrag unterzeichnet, mit dem Saudi-Arabien genau das tut. Eines
       ist dabei schon jetzt sicher: Die US-Verhandlungsposition gegenüber Iran
       ist dadurch geschwächt. Wie sollen die USA erklären, dass Saudi-Arabien
       mithilfe der USA den Kernbrennstoff anreichern kann, es dem Nachbarstaat
       aber verboten wird? Wieso sollte Iran auf die US-Vorschläge eingehen, sein
       angereichertes Uran auszuliefern und einem 5- bis 10-jährigen Moratorium
       der Anreicherung zuzustimmen? Während sein saudischer Nachbar, vertraglich
       mit den USA festgelegt, genau das macht?
       
       Offensichtlich war eines der amerikanischen Motive, das zu erledigen, bevor
       China oder Russland zum Zug kommen. Denn der saudische Wunsch nach
       Atomwaffen ist schon seit Jahren auf dem Markt. Also dachten sich die USA:
       Machen wenigstens wir das Geschäft und bekommen die Kontrolle. Wohl auch in
       der Hoffnung, den wichtigen Verbündeten Saudi-Arabien an sich zu binden.
       Denn aufgrund des Krieges am Golf und der Unfähigkeit der USA sie zu
       schützen, sind die [3][Golfstaaten gerade auf der Suche], ihre
       Sicherheitsarchitektur zu diversifizieren, um nicht alle Eisen im
       amerikanischen Feuer zu haben.
       
       Apropos Sicherheit: Sicherer wird die ohnehin instabile Region mit all dem
       nicht. Schon 2008 hatte der damalige Generalsekretär der Arabischen Liga,
       Amr Mussa, [4][eine Initiative gestartet und einen kernwaffenfreien Nahen
       Osten] gefordert. Das sollte für Israel, Iran und jeden anderen Staat in
       der Region gelten. Ansonsten, warnte er damals, wäre ein tragfähiges
       Sicherheitssystem in der Region nur schwer zu erreichen. Die Initiative
       verlief damals im Sande, weil Israel sich weigerte, darüber zu diskutieren.
       Es wäre jetzt an der Zeit, die damalige Initiative wieder aufzugreifen.
       Ansonsten ist ein nukleares Wettrennen ausgerechnet im Pulverfass Nahost
       unausweichlich.
       
       23 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Karim El-Gawhary
       
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