# taz.de -- Atomdeal zwischen USA und Saudi-Arabien: Sprengstoff für das Pulverfass Nahost?
       
       > Saudi-Arabien könnte Nuklearanlagen aus den USA bekommen. Experten
       > kritisieren, dass dabei alle bisherigen Standards verworfen würden.
       
 (IMG) Bild: US-Präsident Donald Trump und der saudische De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman
       
       Schon bald dürfte der Nahe Osten eine neue Frage von extremer Sprengkraft
       zu beantworten haben: Wie lässt sich verhindern, dass die Region sich in
       eine neue, diesmal atomare Aufrüstungsspirale treiben lässt? Mitten im
       Irankrieg streben US-Präsident Donald Trump und der saudische
       De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammad bin Salman ein milliardenschweres
       Geschäft an, das [1][Saudi-Arabien den Aufbau eines Atomprogramms]
       ermöglichen soll.
       
       Noch muss der [2][US-Kongress die Pläne bewilligen]. Zumindest bei den
       demokratischen Abgeordneten herrscht Skepsis. Denn die Regierung in
       Washington möchte ihren jahrelang gepflegten Goldstandard für den Aufbau
       ziviler Atomanlagen im Ausland über Bord werfen – und könnte so den Weg für
       ein militärisches Nuklearprogramm am Golf bereiten.
       
       Trump knüpfte das Atomabkommen am Donnerstag an neue Bedingungen. Der
       US-Präsident sagte, der Deal hänge „vollständig davon ab“, ob Saudi-Arabien
       dem Abraham-Abkommen beitrete und damit seine Beziehungen zu Israel weiter
       normalisiere. Die Erklärung von 2020 sieht eine Annäherung zwischen
       mehreren arabischen Staaten und Israel vor.
       
       Ein Beitritt geht auch mit der diplomatischen Anerkennung Israels einher –
       nur im Falle Sudans wurde dieser Prozess bisher nicht abgeschlossen.
       Saudi-Arabien hatte einen derartigen Schritt bislang abgelehnt und an eine
       glaubwürdige Perspektive für die Schaffung eines palästinensischen Staates
       geknüpft
       
       Er stellte außerdem infrage, dass Saudi-Arabien Möglichkeiten für eine
       eigene Urananreicherung bekommen solle. Von diesen Einschränkungen war bei
       Bekanntgabe des Vertragsschlusses noch keine Rede gewesen.
       
       Doch das Wall Street Journal hatte berichtet, dass mit dem Abkommen
       explizit geprüft werden soll, inwieweit die Urananreicherung in
       Saudi-Arabien wirtschaftlich sein könnte. Dieses Vorgehen wäre ein Bruch
       mit der bisherigen Linie der US-Politik, die vorsah, dass in ausländischen
       Atomanlagen kein Uran angereichert und wiederaufbereitet werden dürfe,
       sondern die Brennelemente für die Kernkraftwerke angeliefert und nach ihrer
       Verwendung abtransportiert werden.
       
       ## Waffenfähiges Uran?
       
       Mit eigenen Aufbereitungsanlagen könnte Saudi-Arabien auch hoch
       angereichertes Uran produzieren, das waffenfähig wäre. Diese Gefahr ist
       umso realer, als Saudi-Arabien nur bedingt den Kontrollen der
       Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) unterliegt – und die USA auch in
       dieser Frage von ihren sonst strengen Auflagen abweichen.
       
       Saudi-Arabien ist zwar Vertragsstaat der IAEO und Unterzeichner des
       Atomwaffensperrvertrags. Doch bislang hat die Führung in Riad nicht das
       Zusatzprotokoll unterzeichnet, das internationalen Kontrolleur*innen
       umfassende Inspektionsmöglichkeiten geben würde, um etwa nach nicht
       deklarierten Atomanlagen im Land zu suchen. Anders als es bislang von den
       USA gehandhabt wurde, verlangt die Trump-Regierung von Saudi-Arabien auch
       nicht, dieses Zusatzprotokoll zu unterzeichnen. So könnten die Saudis
       jenseits der offiziellen Anlagen an einem Kernwaffenprogramm forschen.
       
       Malte Göttsche, der an der TU Darmstadt als Professor zu Kontroll- und
       Verifikationsmethoden bei Atomanlagen forscht, bezeichnet den Deal zwischen
       den USA und Saudi-Arabien deshalb als „katastrophal“. Er kritisiert dabei
       besonders, dass die US-Regierung dem Iran eine neue Legitimation für dessen
       Atomprogramm verschaffe. „Der Deal mit Saudi-Arabien macht es schwierig zu
       erklären, warum der Iran auf Urananreicherung verzichten soll und warum die
       Verifikationsmaßnahmen im Iran viel umfassender sein sollen als anderswo“,
       sagte er der taz.
       
       Als „besorgniserregend“ bezeichnet er außerdem, dass Saudi-Arabien nach
       zehn Jahren Uran wohl auch ganz alleine anreichern dürfe – dann erneut
       jenseits des Standards der intensiven internationalen Kontrollen.
       
       ## Auf Druck von Netanjahu?
       
       Saudi-Arabien besitzt bislang kein bekanntes Atomwaffenprogramm. Kronprinz
       bin Salman treibt die zivile Nutzung der Kernenergie jedoch seit Jahren
       voran. Er betont, sein Land wolle keine Atomwaffen entwickeln. Sollte Iran
       diesen Schritt aber gehen, werde Saudi-Arabien „so schnell wie möglich“
       nachziehen, sagte er bereits vor mehreren Jahren. Saudi-Arabien und Iran
       waren über Jahrzehnte Rivalen, und bis heute ist das Misstrauen groß, trotz
       einer vorsichtigen diplomatischen Annäherung seit 2023.
       
       Käme das Abkommen zustande, könnte das [3][eine Aufrüstungswelle in der
       gesamten Region zur Folge] haben. „Wenn die Saudis Möglichkeiten erlangen,
       Atombomben zu entwickeln, würden wir im Nahen Osten Kerosin in ein
       loderndes Feuer gießen“, sagte Rüstungsexperte Ulrich Kühn vom Institut für
       Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg der
       taz. Neben Iran würde diese Entwicklung auch für die Vereinigten Arabischen
       Emirate, Israel und die Türkei ganz neue Fragen aufwerfen.
       
       Die Frage ist, ob Trumps Forderung, Saudi-Arabien müsse sich Israel
       annähern, damit der Deal tatsächlich zustande kommt, einen wirklichen
       Kurswechsel darstellt. Würde Saudi-Arabien dem Abraham-Abkommen beitreten,
       wäre das für ihn selbst und auch für Israel ein riesiger politischer
       Gewinn.
       
       Möglicherweise formulierte Trump die nachträgliche Bedingung auch auf Druck
       von Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Oder es geht ihm darum,
       die Chancen für das Abkommen im US-Kongress zu erhöhen.
       
       24 Jul 2026
       
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       mehr erschweren.