# taz.de -- US-Atomdeal mit Saudi-Arabien: Mit US-Atomkraftwerken zur Atommacht?
> Die USA helfen Riad beim Bau von AKWs, offiziell zwecks
> Energiesicherheit. Doch braucht Saudi-Arabien tatsächlich Kernenergie?
> Ein Realitätscheck.
(IMG) Bild: Saudi-Arabien braucht sehr viel Strom: nächtliches Panorama der Hauptstadt Riad
Deutlich weniger Slapstick als Billy Wilders Kalte-Kriegs-Komödie „Eins,
zwei, drei“ ist der „1, 2, 3“ genannte Vertrag der USA mit Saudi-Arabien.
Der Plan soll es dem Königreich ermöglichen, mit US-Hilfe Atomkraftwerke zu
bauen, das dafür benötigte Uran in Saudi-Arabien anzureichern und
radioaktive Abfälle wiederaufzubereiten. Dabei reichen die Nuklearpläne am
Golf sogar bis in die Zeit des Kalten Krieges zurück. [1][Kritiker warnen
jetzt vor einem atomaren Wettrüsten am Golf]. Doch stimmt das?
## Seit wann plant Saudi-Arabien den Bau von AKWs?
Noch nicht sehr lange. Erst 2009 hat Saudi-Arabien seinen Willen zum Bau
von AKWs geäußert. Zeitweise waren 16 Meiler an drei Standorten geplant.
Verträge zum Bau wurden mit verschiedenen Ländern unterzeichnet und wieder
verworfen, darunter Finnland, Argentinien, Südkorea – das bereits Anlagen
in den Vereinigten Arabischen Emiraten errichtet hat – und mehrere
US-Firmen. Im Februar 2022 gründete Saudi-Arabien die „Nuclear Holding
Company“. Für die ersten beiden Meiler des Landes in Duwaiheen nahe der
Grenze zu den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Katar wurden
chinesische, französische, südkoreanische und russische Unternehmen
zugelassen. Dies haben die USA jetzt durchkreuzt.
Saudi-Arabien ist der dritte Golfstaat, der nun ebenfalls Atomenergie
produzieren will. Der erste war Iran, wo die deutsche Kraftwerk Union (ein
Zusammenschluss von Siemens und dem damaligen Elektrokonzern AEG) dem Schah
ab 1975 zwei Reaktoren bauen wollte. Die Islamische Revolution von 1979 und
der Sturz des Monarchen stoppten das Projekt jedoch. 1995 übernahm Russland
die unvollendeten Bauwerke und nahm den Reaktor im Süden des Landes im Jahr
2011 in Betrieb.
Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) nahmen zwischen 2021 und 2024 vier
Blöcke ihres ersten AKWs in Barakah in Betrieb. Dort wird ein Viertel des
emiratischen Stromverbrauchs produziert.
## Warum setzt das Königreich auf Atomkraft?
Saudi-Arabien benötigt sehr viel Strom: für Öl- und Gasförderanlagen, zur
Kühlung von Wohnungen, Büros und Schulen und für Entsalzungsanlagen.
Entsalztes Meerwasser ist die Hauptquelle für Trinkwasser im Land. Pro Kopf
verbraucht Saudi-Arabien 7,4 Tonnen Öl-Äquivalent für Strom; in Deutschland
sind es im Vergleich dazu nur 2,9 Tonnen. Erdgas macht mit 58 Prozent den
größten Teil des saudischen Energiemixes aus, gefolgt von Öl mit 41
Prozent. Erneuerbare Energien tragen lediglich 1 Prozent bei. Die Saudis
wollen künftig weniger fossile Energieträger selbst verbrauchen, um mehr Öl
und Gas exportieren zu können.
Dabei setzen sie auf Atomstrom. Die gigantischen Pläne zum Ausbau von
Solarparks und Windfarmen, die in der als „Saudi Vision 2030“ bezeichneten
Blaupause für den Umbau des Landes vorgesehen sind, wurden in der
Vergangenheit immer wieder verschoben.
## Wie gefährlich ist die Lage schon jetzt?
Sowohl Buschehr als auch Barakah wurden während des seit Februar
andauernden Krieges der USA und Israels gegen Iran angegriffen. In der Nähe
beider Anlagen kam es zu Bränden.
## Will Saudi-Arabien auch Atomwaffen haben?
Offiziell nicht. Riad hat stets die Notwendigkeit betont, der Verbreitung
von Kernwaffen im Nahen Osten entgegenzuwirken, und sich für die
vollständige Umsetzung der Resolution 1995 ausgesprochen, die auf die
Schaffung einer kernwaffenfreien Zone im Nahen Osten abzielt.
Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman hat die strikte Einhaltung der
zivilen Nutzung sowie die Gewährleistung höchster Standards in Bezug auf
Transparenz, Zuverlässigkeit und Sicherheit zugesagt. Doch Saudi-Arabiens
De-facto-Herrscher Kronprinz Mohammed bin Salman sagte 2018 dem US-Sender
CBS, sein Land habe nicht vor, Atomwaffen zu bauen. Weiter sagte er: „Wenn
Iran eine Atombombe entwickeln sollte, werden wir zweifellos so schnell wie
möglich nachziehen.“
## Ist der Bau von Atomwaffen ausgeschlossen?
Nein. [2][Es wäre „ziemlich schockierend“], wenn die USA Saudi-Arabien
Urananreicherungsanlagen gestatten würden, sagte Rosemary Kelanic, die
Leiterin des Nahostprogramms beim US-Thinktank Defense Priorities: „Die USA
haben noch nie einem anderen Land dabei geholfen, auf seinem eigenen
Territorium Uran anzureichern.“ Im Atomabkommen, das die USA 2009 mit den
VAE schlossen, wurde eine Vor-Ort-Anreicherung ausgeschlossen. Genau diesen
Verzicht verlangt Washington auch von Iran. Die bisher bekannten Teile des
geheimen „1, 2, 3“-Abkommens lassen diese Frage jedoch offen.
24 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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