# taz.de -- Atomwaffenforscher zum US-Deal: „Hier werden Atomwaffenkontrollen ausgehebelt“
       
       > Das Abkommen zwischen den USA und Saudi-Arabien wäre verheerend für die
       > ganze Region, warnt Sicherheitsexperte Ulrich Kühn. Iran hätte mit dem
       > Deal zusätzliche Argumente zur Hand.
       
 (IMG) Bild: Verlieren immer mehr an Bedeutung: Mitglieder des Inspektionsteams der Atomic Energy Agency (IAEA) in Fukushima, 2011
       
       taz: Was wissen wir über den Atomdeal zwischen Saudi-Arabien und den USA? 
       
       Ulrich Kühn: Bislang sehr wenig. Es soll ein Abkommen mit den Saudis
       darüber geben, dass die US-Firma Westinghouse dort Reaktoren bauen wird.
       Soweit man weiß, soll den Saudis auch die Anreicherung von Uran erlaubt
       werden. Dieser Vertrag und zwei geheime Zusatzdokumente sollen nun dem
       Kongress zur Ratifizierung vorgelegt werden.
       
       Es geht angeblich nur um eine zivile Nutzung. Könnten die Saudis damit
       trotzdem eine Atombombe entwickeln? 
       
       Das Problem ist: Wenn die Infrastruktur erst einmal dort steht, könnte die
       saudische Regierung die Amerikaner rausschmeißen und alles verstaatlichen.
       Dann hätte sie die Möglichkeit, eine Bombe zu entwickeln.
       
       Saudi-Arabien kooperiert militärisch mit Pakistan. Es wird gemutmaßt, dass
       das Land dadurch Zugriff auf das pakistanische Atomwaffenarsenal hätte. Was
       ist da dran? 
       
       Die Saudis haben Pakistan bei der Entwicklung ihrer Atomwaffen finanziell
       unterstützt. Es soll eine Quid-Pro-Quo-Regelung geben, die besagt, dass
       Pakistan für die Sicherheit Saudi-Arabiens einstehen würde und die Saudis
       Zugriff auf das pakistanische Arsenal hätten. Aber das wissen wir nicht
       genau.
       
       Das Risiko wäre ungleich höher, wenn die Saudis selbst über diese Anlagen
       verfügen würden. 
       
       Ja, natürlich. Wenn die Saudis Möglichkeiten erlangen, Atombomben zu
       entwickeln, würden wir im Nahen Osten Kerosin in ein loderndes Feuer
       gießen. Iran wird es natürlich nicht akzeptieren, dass man dort die zivile
       Nutzung einschränkt und den Saudis freie Hand lässt. Auch die Arabischen
       Emirate werden ihren bislang sehr restriktiven Nukleardeal mit den
       Amerikanern nachverhandeln wollen. Und dann stellt sich die Frage: Wie
       reagiert Israel, wie reagiert die Türkei? Es ist zu befürchten, dass hier
       eine sogenannte Proliferationskaskade startet, also so eine Art
       erbarmungsloser Konkurrenzkampf, in dem jedes Land so schnell wie möglich
       die Bombe haben will.
       
       Die Saudis könnten Vorzugskonditionen für ihre Atomanlagen genießen. Es ist
       offen, inwieweit die Internationale Atomenergiebehörde (IAEO) für deren
       Überprüfung überhaupt zuständig wäre. Was sagt uns das? 
       
       Das ist ein riesiges Problem, weil es eine fundamentale Schwächung der IAEO
       und damit der nuklearen Nichtverbreitungsnorm bedeutet. Das Abkommen ist
       ein schreckliches Beispiel für künftige Atomdeals. Was wäre, wenn man etwa
       mit Nordkorea in Zukunft über die Abrüstung des dortigen Arsenals
       verhandeln möchte? Dann bräuchte man die Überprüfungsmechanismen der IAEO.
       Doch die werden gerade ausgehebelt.
       
       Wie ist Saudi-Arabien bislang an die IAEO gebunden? 
       
       Saudi-Arabien ist Vertragsstaat. Doch das bringt erst mal nicht so viel.
       Für die zivile Nutzung von Atomenergie gibt es zwei Zusatzprotokolle, die
       festlegen, welchen Inspektionen sich Staaten dann zu unterziehen haben.
       Davon haben die Saudis nur eines unterzeichnet. Bislang war die
       amerikanische Politik: Wer ein ziviles Atomprogramm haben will, muss beide
       Zusatzvereinbarungen unterschreiben und umfassende internationale
       Kontrollen zulassen. Doch Trump ist das offensichtlich egal.
       
       Könnte die Staatengemeinschaft auf Saudi-Arabien einwirken, damit es
       Inspektionen der IAEO zulässt? 
       
       Washington sitzt hier am längeren Hebel. Die Staatengemeinschaft müsste im
       Grunde Westinghouse mit Sanktionen belegen, um Druck auszuüben. Aber das
       würden die Europäer nie machen, weil sie ohnehin schon fürchten, von den
       USA sicherheitspolitisch im Stich gelassen zu werden.
       
       Welche Bedeutung hat es, dass hier ein Atomabkommen unterzeichnet wird,
       während die USA um die Ecke in Iran Krieg führen? 
       
       Der Deal wäre wirklich ein ganz schlechtes Zeichen. Man gibt damit jedes
       Argument aus der Hand, warum Iran nicht auch ein Nuklearprogramm ohne
       internationale Kontrolle haben sollte. Denn es ist doch klar, dass die
       Regierung in Teheran jetzt sagen wird: Genau das wollen wir auch. Und mit
       der Straße von Hormus hat sie bekanntlich ein starkes Druckmittel in der
       Hand. Die Trump-Regierung hat sich für die Verhandlungen mit Iran mal
       wieder komplett die Hände gebunden.
       
       Wie könnte man die nukleare Aufrüstung in der Region verhindern? 
       
       Die einzigen, die hier noch etwas verhindern könnten, wären die Mitglieder
       des US-Kongresses. Dort muss dieser Vertrag noch durchgehen. Aber ich
       bezweifele, dass sich die Republikaner in dieser Frage gegen Trump stellen
       werden. Der Deal hätte international zwar unheimlich negative Auswirkungen,
       für den Durchschnittsbürger in den USA ist er aber weit weg und damit wohl
       unwichtig.
       
       23 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Cem-Odos Güler
       
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