# taz.de -- Unterwegs im Park Babelsberg: Wir fragen, die Robinie antwortet
       
       > Fürst Pückler warnte einst, der Mensch sei furchtbar im Zerstören und
       > gebrechlich im Aufbauen. Dabei übersah er das Wichtigste: das
       > Geschehenlassen.
       
 (IMG) Bild: Der Park im Juli, wenn die Robinien grün sind
       
       Die ganze Pracht des Babelsberger Parks lässt sich am besten von außen
       erfassen, vom gegenüberliegenden Ufer der Havel. Je nach Standort thront
       links das Schloss fast ganz oben auf dem Berg, auf dem Gehölze wachsen, die
       einem Laubmischwald gleichen. Zum Flussufer hin gehen sie in weite Wiesen
       über.
       
       Während Künstler die schon Anfang des 19. Jahrhunderts als verletzlich
       erkannte Landschaft malten, malte der preußische Adlige Fürst Hermann von
       Pückler-Muskau in Potsdam mit Natur und Landschaft. Er wollte sie durch
       Kunst veredeln und begriff den Park des Kronprinzen als eine verdichtete,
       idealisierte Natur.
       
       Aber der Hund will nicht schauen, sondern laufen. Also los. [1][Vom Theater
       aus ist der Weg über die Nuthe-Schnellstraße der kürzeste in den Park.]
       Über die Brücke, links die Treppen runter und an der Havel entlang bis zum
       Eingang. Der Hund stromert gerne am Wiesenrand entlang, den Babelsberg
       hinauf, denn dort, im Gebüsch, sind manchmal Rehe.
       
       Da wachsen auch Traubeneichen, Rotbuchen, Linden und Ulmen, mächtige Bäume,
       einige seit 200 Jahren. Diese Pflanzen sind zugleich Skulpturen, die eine
       Idee verkörpern, die Idee von Schönheit und Harmonie. Nichts ist zufällig
       hier. Schloss, Flatowturm und Feldherrenhügel des Parks, seine Wege, Bäume
       und die Lücken dazwischen zielen auf dynastisch-familiäre Bezüge der
       Hohenzollern, bilden landschaftliche Besonderheiten ihres
       Herrschaftsgebietes ab, erinnern an militärische Erfolge.
       
       ## Traubenkirschen und Robinien gedeihen
       
       In einer Zeit angelegt, als die Europäer begannen, ihre Landschaften im
       Sinne der effizienten Nutzbarmachung umzugestalten, gestaltete Pückler den
       Babelsberger Park zum Denkmal; für die Herrscherfamilie und für die
       Gestaltungskraft des Menschen selbst. Nicht Natur ist schön, sondern
       gestaltete Natur.
       
       Dabei sei behutsam vorzugehen, mahnte der Fürst in seinen Schriften. Doch
       wenn er feststellte, die Macht des Menschen sei furchtbar und schnell im
       Zerstören, aber schwach und gebrechlich im Aufbauen, dann ließ er eine
       entscheidende Lücke. In dieser Fehlstelle steckt die ganze Misere im Umgang
       mit Natur, bis heute. Es fehlt nämlich, zwischen Zerstören und Aufbauen:
       das Hinnehmen. Das Geschehenlassen, das Nicht-Eingreifen, das Zusehen. Das
       konnte, in den 1840er Jahren, der Fürst nicht, und wir können es immer noch
       nicht.
       
       Hier, im Park, den keine ökonomischen Interessen jagen, könnten wir es
       lernen. [2][Denn während Eichen und Buchen dem Klimawandel erliegen,
       gedeihen Traubenkirschen und Robinien] – und zwar in Massen. Auch sie
       wachsen hier nicht zufällig, zäh und munter trotzen sie Hitze und
       Trockenheit.
       
       Anstatt die Pflanzen verbissen zu beseitigen, könnte die heutige Hüterin
       des Parks eine neue Idee für ihn entwickeln, in der sie, die Stiftung
       Preußische Schlösser und Gärten, fragt und die Robinie antwortet: Welchen
       Vögeln, Käfern und Milben bieten die Neuankömmlinge einen Lebensraum?
       Welchen Schatten werfen sie im Sommer? Wie knistert ihr Laub im Winter?
       Müssen Bäume eines Schlossparks mächtig sein, seine Schönheit prächtig? Und
       wenn nicht, was heißt das dann? Dem Hund ist das, fürchte ich, allerdings
       egal.
       
       2 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Mythos-Autobahn/!6106384
 (DIR) [2] /Zukunft-des-deutschen-Waldes/!6008721
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heike Holdinghausen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Kolumne Parkmöglichkeiten
 (DIR) Parks
 (DIR) Landschaftsmalerei
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Potsdam
 (DIR) Schwerpunkt Artenschutz
 (DIR) Pflanzen
 (DIR) Waldsterben
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Kunst
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Pflanzenkunde in Berlin: Die Dosis macht das Glück
       
       Für Toxo sind Giftpflanzen nie nur tödlich, sondern auch Medizin. Seit 16
       Jahren erschafft er einen der kuriosesten Gärten Berlins. Dessen Existenz
       ist bedroht.
       
 (DIR) Kranke Kastanien vor dem taz-Haus: Das Waldsterben vor der eigenen Redaktionstür
       
       25 Rosskastanien im Besselpark vor dem taz-Gebäude sollen der Säge zum
       Opfer fallen. Können wir dann wenigstens bitte einen Fußballplatz bekommen?
       
 (DIR) Projekt gegen Waldsterben: Bäume für das Klima wandern lassen
       
       Die Umsiedlung von Baumarten soll Wälder klimaresistent machen. Eine
       Forschungsgruppe in Kiel will herausfinden, welche Baumart sich dafür
       eignet.
       
 (DIR) Kunsthalle Emden schaut in die Wolken: Wattige Skulpturen
       
       Fantasietrigger aus Wasser: Die Kunsthalle Emden zeigt, wie sich die
       Wahrnehmung, Darstellung und Interpretation von Wolken entwickelt hat.