# taz.de -- Projekt gegen Waldsterben: Bäume für das Klima wandern lassen
> Die Umsiedlung von Baumarten soll Wälder klimaresistent machen. Eine
> Forschungsgruppe in Kiel will herausfinden, welche Baumart sich dafür
> eignet.
(IMG) Bild: Chance für norddeutsche Wälder: spanische Korkeiche
Mit dem Konzept der unterstützten Baumwanderung wollen Forscher*innen
der Kieler Universität den Wald klimaresilienter machen. Zugleich soll
damit erkundet werden, wie sich der Zustand der Wälder so verbessern lässt,
dass sie schnell wieder zur Senkung der CO2-Emissionen beitragen. Das
Projekt unter Leitung des Pflanzenpathologen Farooq Ahmad reagiert damit
auf die erheblichen Klimaschäden, die dazu geführt haben, dass Wälder in
Deutschland inzwischen mehr Kohlendioxid produzieren, als sie binden.
Der [1][bundesweite Waldzustandsbericht 2025] zeigt, dass die trockenen
Jahre 2018 bis 2020 und 2022 bleibende Schäden hinterlassen haben. So ist
die Krone vieler Bäume zu licht: bei 36 Prozent aller Bäume zu über 25
Prozent, bei 43 Prozent aller Baumarten zwischen 10 und 25 Prozent.
Besonders Bäume älter als 60 Jahre sind davon betroffen. Lediglich 21
Prozent aller Bäume weisen keinerlei Schäden auf.
Gerade der eher waldarme Norden Deutschlands beherbergt mit dem Harz eine
der am stärksten betroffenen Regionen des Landes. So geht aus der
[2][Waldzustandserhebung des Landes Niedersachsen] hervor, dass die
mittlere Kronenverlichtung der Bäume im Messjahr 2024 auf dem höchsten
Stand seit Beginn der Messungen lag. Immerhin ist in diesem Jahr der Wert
der neu abgestorbenen Bäume auf den niedrigsten Wert seit 2019 gesunken und
hat der Borkenkäfer weniger gewütet.
Schuld an der Anfälligkeit der deutschen Wälder für den Klimawandel sind
die monokulturellen Bestände der durch die Holzindustrie künstlich
gepflanzten Fichten. Die Baumart ist gegen Wärme und Trockenheit besonders
empfindlich. Aus diesem Grund ist es wichtig, bei der Wiederaufforstung auf
Mischwälder zu setzen – und auf Bäume, die mit der Erderwärmung besser
zurechtkommen als unsere heimischen Fichten.
## Kieler Wälder als Forschungslabor
Eigentlich würde die Natur das von allein schaffen. Aber dafür reicht die
Zeit nicht: Dass sich wärmekompatiblere Baumarten auf natürlichem Wege
ausbreiten, würde angesichts des schnell fortschreitenden Klimawandels zu
lange dauern.
Daher erprobt eine Forschungsgruppe der Christian-Albrechts-Universität zu
Kiel (CAU) das Konzept der unterstützten Baumwanderung. Dabei sollen Bäume,
die bereits an wärmere klimatische Bedingungen angepasst sind, an Orten
gepflanzt werden, für die in Zukunft ein ähnliches Klima prognostiziert
ist. Langzeitdaten zu dieser Anpassungsstrategie gibt es aber noch keine –
schließlich müssen die Bäume erst einmal wachsen.
Um die Strategie der unterstützten Baumwanderung umzusetzen, erhielt das
Forschungsteam um Ahmad eine Förderung von 2,25 Millionen Euro vom
Bundesforschungsministerium. Konkret will das Team Bäume aus Bayern,
Baden-Württemberg und Nordspanien nach Norddeutschland holen und
herausfinden, welche Baumarten sich für eine dauerhafte Umsiedlung in die
Wälder Norddeutschlands eignen würden.
Ob diese an Wärme angepassten Bäume aktuell überhaupt für eine Migration in
den Norden geeignet sind, ist eine weitere offene Frage. Denn auch wenn man
hier davon ausgeht, dass in Norddeutschland in 100 Jahren deutlich höhere
Temperaturen herrschen werden, könnte es für manch südliche Baumart im
Moment noch zu kühl sein.
Trotzdem gebe es Baumarten, die noch besser für das Experiment geeignet
seien: „Ideal wäre es, das Ganze mit Bäumen aus noch weit entfernteren und
wärmeren Regionen zu versuchen, wie zum Beispiel Pflanzen aus afrikanischen
Ländern“, sagt Ahmad. Das sei aber kompliziert, denn aufgrund einer
möglichen Verbreitung von Pathogenen kann man in Deutschland nicht einfach
Pflanzen aus anderen Teilen der Welt anbauen. Sogar Samen aus Teilen
Europas sind für die Forstwirtschaft je nach Baumart nicht immer
zugelassen.
Aus diesem Grund habe man sich in Kiel auch für die Herkunftsstandorte
Nordspanien und Süddeutschland entschieden. Rechtlich ist das Team damit
auf der sicheren Seite. Und das wichtigste Kriterium für das Projekt
erfüllen sowohl die süddeutschen Baumarten als auch die nordspanischen
Korkeichen, die für das Projekt bereits nach Kiel geholt wurden und derzeit
in einem Gewächshaus auf ihre Verpflanzung in ein Waldstück warten: Die
Spezies gibt es in Nordddeutschland nicht.
Woher genau kommen aber nun diese Bäume, auf denen die Hoffnung der
norddeutschen CO2-Bilanz ruht, und braucht Spanien seine Bäume nicht
eigentlich selber? Laut Ahmad werden die Pflanzen von
Pflanzenzuchtbetrieben gekauft, nachdem sie nach ihrer Aufzucht in
Gewächshäusern auch zeitweise den klimatischen Bedingungen des
Herkunftsorts ausgesetzt waren.
## Eingewöhnte Pflanzen sind wichtig
Einfach Samen der jeweiligen Baumart zu nehmen, sei hierbei weniger
sinnvoll. „Der Sinn des Projekts ist, dass die Pflanzen bereits an warmes
Klima gewöhnt sind“, erläutert Ahmad. Deshalb nehme man junge, ein bis zwei
jahre alte Pflanzen und nutze die Artenvielfalt: „Wir wissen, dass die
meisten der Baumarten das Experiment nicht überleben werden“, sagte er.
„Wir gehen davon aus, dass von 20 bis 30 verschiedenen Eichenarten ein oder
zwei überleben.“
Die überlebenden, widerstandsfähigeren Arten sollen anschließend
hinsichtlich ihrer Gene untersucht werden, um herauszufinden, welche
Pflanzenart mit welchen Genen am besten für eine Migration in den Norden
geeignet ist. Die ersten Ergebnisse seien vermutlich bereits kurz nach dem
offiziellen Projektbeginn am 1.März zu erwarten. Ab dann sollen die Bäume
auf einer dafür gemieteten Waldfläche gepflanzt werden. In ein bis zwei
Jahren könne man mit gehaltvolleren Erkenntnissen rechnen.
14 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.thuenen.de/de/newsroom/presse/pressemitteilungen/detailansicht/fuer-die-erholung-der-baeume-reicht-der-regen-nicht-mehr-aus
(DIR) [2] https://www.nw-fva.de/fileadmin/nwfva/news/aktuelles/pdf/wzb_2025_ni_barrierefrei.pdf
## AUTOREN
(DIR) Mara Schaaf
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