# taz.de -- Axel Springer Award für Peter Thiel: KI-Bewunderung ohne kritische Distanz
> Die Verleihung des Axel Springer Awards an Peter Thiel zeigt: Manche
> Medien werden die „KI-Revolution“ nicht kritisch begleiten, sondern
> vorantreiben.
(IMG) Bild: Seit Jahren vertritt er ein radikal libertäres Weltbild, zweifelt öffentlich an der Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie
Der US-Tech-Unternehmer Peter Thiel soll im September den Axel Springer
Award erhalten. Mit der Auszeichnung zeigt der Medienkonzern, dass er sich
längst nicht mehr als Beobachter der „KI-Revolution“ versteht, sondern als
ihr Verbündeter. Der Weg dahin ist lange bereitet: Einige der
einflussreichsten Tech-Milliardäre wie Elon Musk, Jeff Bezos und Mark
Zuckerberg wurden bereits mit dem Award ausgezeichnet.
Springer nutzt künstliche Intelligenz im Unternehmensalltag bereits
flächendeckend, denken wir etwa an [1][die Kooperation mit OpenAI], dem
Unternehmen hinter ChatGPT. Auch der [2][KI-generierte Kommentar von
Springer Chef Döpfner], als Reaktion auf einen [3][depublizierten Kommentar
von CDU-Ministerpräsident Mario Voigt] in der FAZ, malt mit an einem klaren
Bild: Springer will den technologischen Wandel hin zu künstlicher
Intelligenz nicht nur begleiten, sondern vorantreiben.
Springer-Chef Döpfner forderte in der Welt schon 2023, die Chancen der KI
zu „verstehen, umarmen und gestalten“. Wer den Fortschritt skeptisch
betrachte, befinde sich auf dem „sichersten Wegweiser in den Untergang“.
Und gegen die Überzeugung vieler Journalist:innen Menschen würden
dauerhaft bessere Texte schreiben, sagt er: „Werden wir nicht“.
Natürlich dürfen Medienhäuser neue Technologien ausprobieren, und wenn wir
uns der Nutzung von künstlicher Intelligenz völlig verwehren, kommen wir
auch nicht weiter. G[4][eschenkt auch, dass sie uns an einigen Stellen
vielleicht sogar nervige Arbeiten erleichtern kann]. Problematisch wird es
dort, wo aus kritischer Distanz Bewunderung wird. Und dafür steht die
Ehrung von Peter Thiel.
## Antidemokrat und Transhumanist
Springer begründet die Verleihung des Award damit, Thiel habe „die Richtung
technologischer Entwicklung mitbestimmt“. Döpfner lobt seine Fähigkeit,
„gegen den Konsens zu argumentieren“ und „konsequent auf Innovation zu
setzen“. In dieser Darstellung klingt Thiel wie ein Querulant und
Wunderkind, dabei ist er einer der erfolgreichsten Ideologen des Silicon
Valley. Seit Jahren vertritt er ein radikal libertäres Weltbild, zweifelt
öffentlich an der Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie und verbreitet
transhumanistisches Gedankengut, nach dem Menschen mithilfe von Technologie
grundlegend verändert werden sollten.
Peter Thiel ist der Meinung, dass Staaten besser von Techgiganten als von
Regierungen regiert werden könnten. Seine Ideen werden gehört: Unter
anderem hat Jens Spahn kürzlich eingestanden, in den vergangenen Jahren an
mehreren Netzwerktreffen von Thiel teilgenommen zu haben, bei denen auch
andere hochrangige Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik und
Kulturbranche zugegen waren.
Mit Palantir schuf Thiel eines der mächtigsten Unternehmen für staatliche
Überwachung. Er ist außerdem einer der ersten finanziellen Unterstützer von
Trumps Wahlkampf 2016 gewesen. Seit neuestem finanziert er auch Objection
AI. Dabei handelt es sich um ein Start-up, das mithilfe von KI
journalistische Berichterstattung bewerten, einen „Aufrichtigkeitsindex“
für Journalist:innen erstellen und im Wesentlichen menschliche
Richter:innen ersetzen will – was von vielen als
Einschüchterungsinstrument gegenüber investigativen Journalist:innen
kritisiert wird.
Der Axel Springer Award für Peter Thiel sagt deshalb am Ende weniger über
Peter Thiel aus als über Axel Springer selbst. Sollte ein Verlag, der sich
die Meinungsfreiheit auf die Fahne schreibt – dem es sogar so wichtig ist,
dass er sein Meinungsressort in „Meinungsfreiheits-Ressort“ umbenannt hat –
das unfreie Weltbild von Thiel und den AI-Start-ups, in die er investiert,
nicht kritisch betrachten? Wer KI vor allem als historischen Fortschritt
erzählt und ausgerechnet einen ihrer mächtigsten ideologischen Vordenker
mit einem der wichtigsten Verlagspreise ehrt, sendet ein Signal:
Technologie ist nicht länger Gegenstand journalistischer Kontrolle, sondern
Teil der eigenen Unternehmensidentität.
21 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/axel-springer-und-chatgpt-entwickler-openai-gehen-partnerschaft-ein-100.html
(DIR) [2] /KI-Artikel-von-Mathias-Doepfner-Nehmt-den-Boomern-das-Internet-weg/!6187613
(DIR) [3] /KI-Reden-von-Mario-Voigt/!6186148
(DIR) [4] /Zukunft-von-KI/!5979683
## AUTOREN
(DIR) Ann-Kathrin Leclere
## TAGS
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) KI und Journalismus
(DIR) Peter Thiel
(DIR) Axel Springer
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Personal
(DIR) KI und Journalismus
(DIR) Schwerpunkt Künstliche Intelligenz
(DIR) Kolumne Ernsthaft?
(DIR) Digitalisierung
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Künstliche Intelligenz: KI von OpenAI unternimmt selbstständig Hackerangriff
KI-Prototypen von OpenAI sind aus einer Testumgebung ausgebrochen und haben
eine Website gehackt, berichtet die Firma. Einen Forscher beunruhigt das.
(DIR) Zuwachs bei Politico: Michael Bröcker wechselt von Table Media zu Axel Springer
Michael Bröcker übernimmt bei Axel Springer gleich zwei Leitungsfunktionen,
und auch bei „Politico Deutschland“ gibt es weitere personelle
Veränderungen.
(DIR) Italienischer Chefredakteur über KI: „Künstliche Intelligenz ist wie ein Scharfschütze“
Die italienische Tageszeitung „Il Foglio“ veröffentlicht seit 2025
KI-generierte Texte in der gedruckten Ausgabe. Der Chefredakteur erklärt,
warum.
(DIR) Peter Thiel erhält Axel Springer Award: Ein Preis für den Antichristen
Der einflussreiche Tech-Apokalyptiker Peter Thiel wird vom
Axel-Springer-Verlag ausgezeichnet. Dessen CEO Döpfner will endlich bei den
großen Tech-Bros mitspielen.
(DIR) Der Kanzler und die Medien: Hilft Merz der Bruch mit Döpfner?
Springer will die AfD in der Regierung sehen. Dass der Kanzler dagegen hält
ist gut – mit den demokratischen Medien tut er sich trotzdem schwer.
(DIR) Elon Musk kauft Energieunternehmen: KI-Kampf in den USA
Multimilliardär Elon Musk kauft still und heimlich ein Energieunternehmen.
Derweil verbietet ein erster Bundesstaat den Bau von neuen Rechenzentren.