# taz.de -- Der Kanzler und die Medien: Hilft Merz der Bruch mit Döpfner?
       
       > Springer will die AfD in der Regierung sehen. Dass der Kanzler dagegen
       > hält ist gut – mit den demokratischen Medien tut er sich trotzdem schwer.
       
 (IMG) Bild: Frage und Anrwort: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU)
       
       Wenn Friedrich Merz besonnen, vernünftig, mit einem Touch Bescheidenheit
       und sogar ein wenig selbstironisch spricht, frage ich mich immer, wie lange
       Stefan Kornelius vorher auf ihn eingeredet haben mag. Kornelius ist des
       Kanzlers Chefsprecher und war vorher bei der Süddeutschen Zeitung, ein
       Journalist also, der besonnen und vernünftig wirkte, mit einem Touch – und
       so weiter, siehe oben. Vielleicht aber arbeiten auch noch ganz andere Leute
       daran, Merz seinen Aufsichtsratsvorsitz-Tonfall abzutrainieren. (Wobei ich
       nicht weiß, wie es im [1][Aufsichtsrat von BlackRock] zugeht.) Oder diesen
       Tonfall wenigstens zu drosseln, wenn er der Presse direkt gegenübersitzt,
       so am [2][Mittwoch während der rituellen Sommer]pressekonferenz.
       
       Merz braucht die demokratische Presse, also die Medien, die nicht wollen,
       dass die AfD an die Macht kommt. Insofern haben diese Medien und der
       Kanzler ein gemeinsames Interesse. Angesichts der konstitutionellen
       Aufgabenteilung zwischen Regierung und Medien – ihr regiert, wir
       kontrollieren – ist darüber nicht ganz leicht zu sprechen. Doch gab es
       zuletzt mehrfach Anlass, über Merz’ Verhältnis zu den Medien nachzudenken
       und darüber, was das für den Kampf gegen Rechtsradikale bedeutet.
       
       Das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtete Ende Juni [3][in seinem
       Podcast] vom Zerwürfnis zwischen dem Springer-Chef Mathias Döpfner und
       Friedrich Merz. Döpfner habe Merz in persönlichen Gesprächen zur Aufgabe
       der Brandmauer gedrängt, Merz habe brüsk abgelehnt. Die Story wurde im
       Nachgang durch [4][etwas rätselhafte Relativierungen] des RND verdorben.
       Aber der Stern hat sie diese Woche aktualisiert und sehr ausführlich („Im
       Ernst-Cramer-Saal auf der 19. Etage des Axel-Springer-Hochhauses haben sich
       viele der bedeutendsten Wirtschaftsbosse des Landes versammelt …“)
       [5][aufgeschrieben].
       
       ## Die Presse darf sich mitgemeint fühlen
       
       Nun konnten BeobachterInnen schon vorher [6][zu dem Schluss kommen], dass
       der Springer-Verlag ausweislich seiner Publizistik die AfD in der Regierung
       sehen will – was auch immer Döpfner konkret zu Merz gesagt hat. Doch es ist
       gut, dass das nun deutlich ausgesprochen ist. Ziemlich sicher ist es auch
       im Sinne des Kanzleramts.
       
       Am Mittwoch während der Sommer-PK meldete sich die RND-Kollegin Kristina
       Dunz, die am erwähnten Podcast mitgewirkt hat. Dunz fragte Merz, wie
       AfD-WählerInnen von seinen Reformen erfahren sollten, wenn sie sich, in
       Merz’ Worten, „nicht von Social-Media-Aktivitäten allein“ informieren
       lassen sollten. Dies wäre eine Gelegenheit gewesen, Dinge zu sagen wie:
       „Wir haben in diesem Land seriöse, wahrheitssuchende Medien, die mich oft
       harsch kritisieren, aber das gehört sich so, und kein Demokrat kann es
       anders wollen.“ Aber nein.
       
       „Sie sind in den Medien ein Teil unserer politischen Ordnung“, sagte Merz.
       „Unsere Kommunikation mit der Öffentlichkeit findet auch über Sie statt.“
       Er versuche, das „in der mir bestmöglichen Weise zu tun“. Bei Gesprächen
       „im Land“, ohne Scheinwerferlicht, bilde er sich ein Urteil darüber, was in
       Deutschland möglich sei „und welche Kraft nach wie vor in unserm Land
       steckt“, und die versuche er zu mobilisieren.
       
       Klang sehr nach: „Ich für meinen Teil nehme die Verantwortung für die
       tapferen Menschen im Land wahr – was auch immer Sie hier beruflich machen.“
       So durfte die Presse sich wieder mitgemeint fühlen von Merz’ Gruß an alle,
       die nicht unmittelbar von seinem Reformpaket begeistert waren:
       „Kulturpessimisten, Untergangspropheten, Nöler, Nörgler, empörte
       Berufskritiker: Wegtreten!“, rief er Anfang Juli bei der NRW-CDU.
       
       Bleibt schwierig, die demokratische Rollenaufteilung zwischen Medien und
       Regierung. Lohnt sich aber.
       
       18 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/blackrock-merz-cdu-lux.TaqwWewvCPyvGCpfF96QkU
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=ilXCt1fjbbY
 (DIR) [3] https://www.rnd.de/wenn-sie-wuessten/
 (DIR) [4] https://www.rnd.de/politik/klarstellung-zum-podcast-wenn-sie-wuessten-6DP5PRUY2NEAXBTDADA7RQNLLI.html
 (DIR) [5] https://www.stern.de/politik/deutschland/merz-versus-springer-chef-doepfner--rekonstruktion-eines-zerwuerfnisses-37958252.html
 (DIR) [6] /Bericht-ueber-Merz-Doepfner-Treffen/!6193011
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ulrike Winkelmann
       
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