# taz.de -- Nach dem Anschlag auf den CSD: Und dann sagte er: Schwule sind Schweine
> Ja, es gibt unangenehme Begegnungen mit Schwulenhassern islamischen
> Hintergrunds. Die Frage ist, wann es richtig bedrohlich wird.
(IMG) Bild: Deutsch-Kurs für Geflüchtete in Berlin (Archivbild)
Nach dem [1][Terroranschlag auf den CSD in Berlin] kreisen meine Gedanken
immer wieder um eine Frage: Nehme auch ich Homophobie aus dem
islamistischen Spektrum nicht ernst genug? Denn vor Kurzem hat mich ein
Vorfall zwar erschüttert – aber ich habe ihn anschließend auf sich beruhen
lassen. War das leichtsinnig?
In meinem Zweitberuf unterrichte ich Deutsch in Integrations- und
Berufssprachkursen. Im Frühsommer rastete ein afghanischer Mann aus
nichtigem Anlass völlig aus. Er wollte sich nicht von mir sagen lassen,
welche Aufgaben er zu erledigen hat. „Ich bin doch nicht schwul! Seit zwei
Jahren will diese Schule mich schwul machen! Ich hasse Schwule. Schwule
sind Schweine. Und ihr wollt mich schwul machen!“ Er schrie und schrie und
schrie. Seine Aggressionen standen förmlich im Raum, ebenso die Angst der
anderen Lernenden, überwiegend Frauen. Ich habe mich ebenfalls bedroht
gefühlt.
Unter lautem „Deutschland ist scheiße!“ verließ er schließlich
türenknallend das Gebäude. Erst wackelten die Wände, dann wurde es still im
Raum. Alle atmeten erst einmal durch. „Puh, dass du so ruhig geblieben
bist“, sagte ein Syrer. Tatsächlich ist dieser junge Mann einer der Gründe,
warum ich mich halbwegs sicher fühlte. Er hat sich auf dem Arm das Datum
eintätowieren lassen, an dem sein Vater starb.
Der war Chemielehrer, [2][und als er sich weigerte, für die Islamisten
Sprengsätze zu bauen], erschossen sie ihn vor den Augen des Sohns. Ohne
nachzudenken, hatte ich mich auf den Rückhalt dieses Schülers verlassen. In
den Tagen darauf wartete er immer schon draußen auf mich und ging nach dem
Unterricht erst nach Hause, wenn auch ich fertig war. Eine stillschweigende
Übereinkunft.
## Es bleibt ein Unbehagen
Der Kursträger entschied nach diversen Gesprächen, dass der homophobe
Afghane den Kurs verlassen müsse. Ich war erleichtert, aber es blieb ein
mulmiges Gefühl. Was, wenn er mir irgendwo über den Weg läuft?
Doch deshalb zur Polizei zu gehen, schien mir übertrieben. Schließlich war
er nicht gewalttätig geworden und hatte auch niemanden ausdrücklich
bedroht. Andererseits: Ist dieser Mann dabei, sich zu radikalisieren?
Könnte er bei nächster Gelegenheit schon gewalttätig werden? Vielleicht.
Aber vielleicht überschätze ich auch die verbale Attacke. Was bleibt, ist
Unbehagen.
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Community-nach-dem-Anschlag-auf-den-CSD/!6200248
(DIR) [2] https://de.wikipedia.org/wiki/Syrischer_B%C3%BCrgerkrieg
## AUTOREN
(DIR) Silke Mertins
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