# taz.de -- Wehrpflichtdebatte: Willkommen in Absurdistan
       
       > Der Bundeswehr mangelt es an allem. Und jetzt sollen auch noch alle 17-
       > bis 45-jährigen Männer einen Antrag stellen, wenn sie länger im Ausland
       > sind?
       
 (IMG) Bild: Auf die Karrierecenter kommt Arbeit zu: Sie müssen möglicherweise längere Auslandsaufenthalte von Männern genehmigen
       
       Der [1][jüngste Wehrbericht] liest sich, als sei er zur Abschreckung von
       potenziellen Bewerbern gedacht: vergammelte Kasernen, Mangel an
       Kälteschutzjacken, Schimmel in Sporträumen, gesperrte Truppenküchen. Auch
       ein Spind oder Bett steht nicht immer zur Verfügung. Hinzu kommen die
       bekannten Probleme mit nicht funktionierenden Waffen, mangelnder Munition,
       schleppender Digitalisierung und einem rudimentären Drohnenprogramm. Für
       Letzteres wurde immerhin eine Arbeitsgruppe eingerichtet.
       
       Inmitten dieser desolaten Gemengelage beschließt der Bundestag ein Gesetz
       zur Wehrdienstreform, das eine verpflichtende Musterung sowie den Dienst an
       der Waffe auf freiwilliger Basis vorsieht. Das Gesetz gilt seit Januar, und
       nun stellt sich aufgrund eines Berichts der Frankfurter Rundschau heraus,
       dass es auch folgende bisher nicht beachtete Regelung enthält: [2][Alle 17-
       bis 45-jährigen Männer müssen einen Auslandsaufenthalt von mehr als drei
       Monaten genehmigen lassen].
       
       Zuständig für die Anträge sind die 15 Karrierecenter der Bundeswehr. 15!
       Allein etwa 70.000 junge Männer studieren im Ausland. Zehntausende reisen,
       arbeiten oder leisten ehrenamtliche Dienste jenseits der deutschen Grenzen.
       Man darf gespannt sein, mit welchem Personal die Bundeswehr diese vielen
       Genehmigungen erteilen will. Man könnte die Bearbeitung natürlich auch
       automatisieren, wenn man denn digital gut aufgestellt wäre.
       
       ## Richtige Prioritäten bei Krisenbewältigung setzen
       
       Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) will damit offenbar
       sicherstellen, dass jederzeit eine „Wehrerfassung“ möglich ist. Ja, und
       dann? In welchen Stuben, Betten und Kasernen sollen die Wehrerfassten denn
       im Ernstfall untergebracht werden? An welchen Waffen trainieren?
       Beziehungsweise: Was für einen Sinn soll das alles überhaupt ergeben, wenn
       die Wehrpflicht weiter ausgesetzt bleibt? Die – wenn auch zunächst
       theoretische – Beschneidung der Freiheitsrechte junger Männer trägt
       jedenfalls nicht dazu bei, den Wehrdienst in irgendeiner Form attraktiver
       zu machen.
       
       [3][Pistorius hat sich Deutschlands „Kriegstüchtigkeit“ auf die Fahnen
       geschrieben]. Vielleicht sollte er zunächst einmal seine eigene prüfen.
       Eine richtige Prioritätensetzung gehört zum kleinen Einmaleins der
       Krisenbewältigung. Im Vergleich zu den vielen drängenden Aufgaben der
       Bundeswehr – inklusive der Bekämpfung rechtsextremer Tendenzen – erscheint
       die Genehmigung von Auslandsaufenthalten junger Männer wie ein
       Champagnerproblem.
       
       6 Apr 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://dserver.bundestag.de/btd/21/042/2104200.pdf
 (DIR) [2] https://www.fr.de/politik/brauchen-genehmigung-drastische-wehrpflicht-aenderung-maenner-die-deutschland-laenger-wollen-zr-94248132.html
 (DIR) [3] /Sprache-in-Zeiten-des-Kriegs-/!6101575
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Silke Mertins
       
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