# taz.de -- Vor dem Finale der Fußball-WM: Einer soll gewinnen
       
       > Wird der Größte aller Zeiten wieder Weltmeister oder ist die Zeit für
       > einen 19-Jährigen gekommen? Im Team der WM-taz gehen die Meinungen
       > auseinander.
       
 (IMG) Bild: Keine Altersfrage mehr: Entweder Messi (groß) wird Weltmeister oder Lamine Yamal (klein)
       
       Spanien vor! 
       
       Seien wir doch mal ganz objektiv: La Furia Roja hat es einfach verdient.
       Eine Mannschaft, die so lässig und souverän, ja, fast schon etwas
       enttäuschend langweilig Topfavorit Frankreich vom Platz fegt, müsste schon
       längst den zweiten Stern auf der Brust tragen. Und sowieso ist abzusehen,
       dass Messi (und sein Team) am Sonntag auf dem Rasen neben den Teenie-Stars
       Pau Cubarsí und Lamine Yamal einfach nur alt aussehen wird.
       
       Mikel Oyarzabal, Ferran Torres, Fabián Ruiz, Dani Olmo, Marc Cucurella,
       Pedro Porro und wie sie alle heißen. All die großen Spieler, sie haben
       endlich zusammengefunden als die „beste Mannschaft der Welt“. Geschlossen,
       mit Selbstvertrauen, sehen sie selbst beim Sich-Bräunen am Rande des
       Trainings gut aus. Da können die Argentinier noch so sehr ihren GOAT
       verehren, am Ende bleibt Fußball ein Mannschaftssport. Beim Finale am
       Sonntag wird das so sein.
       
       „Porro“ bedeutet auf Spanisch übrigens „Joint“. „Alles was wir brauchen, um
       eine WM zu gewinnen“, heißt es somit bei einem spanischen Meme über einem
       Bild von einem Wischmopp und einem Joint. Eine Hommage an die
       undurchlässige Abwehr von Cucurella und Porro. Humor haben sie nämlich auch
       noch, die Spanier. Also, es sei denn, jemand kommt ihrem Tor zu nahe.
       
       Aber ganz ehrlich, darüber, dass Spaniens Spitzenteam fußballerisch die
       bessere Mannschaft ist, braucht es jetzt nicht noch mehr Worte. Das weiß
       jede und jeder. Spanien steht kurz davor, ein zweites 2010 zu erleben.
       Nichts hält sie mehr auf.
       
       Für alle, die es Spanien trotzdem nicht gönnen, gibt es noch ein
       politisches Argument, dass selbst den größten La-Roja-Hater umstimmt:
       Donald Trump. Wutentbrannt hat er vor Kurzem die Spanier noch als
       „schlechte Menschen“ beschimpft, wollte sie durch ein Embargo in eine
       finanzielle Krise stürzen und zerstören. Und jetzt das!
       
       Denkt doch mal daran, wie genugtuend es sein wird, wenn er vor Millionen
       von Zuschauern den so verhassten Spaniern gratulieren und den WM-Pokal
       überreichen muss – statt diesen selbst zu behalten. Und das alles nur, weil
       ihm das [1][sein Freund Infantino] eingebrockt hat. Darauf erst mal einen
       Porro.
       
       Argentinien vor! 
       
       Noch einmal Messi siegen sehen. Ihn noch einmal bewundern dürfen für seine
       Übersicht. Staunen über seine Ballbehandlung, seine Pässe, seine Schüsse.
       Mitleiden mit der ganzen Mannschaft, wenn sie wieder einmal in Rückstand
       gerät. Gibt es ein Team, das resilienter ist? Mitschwitzen beim
       Hinterherrennen. Viel trinken, nicht nur während der Hydration Break.
       
       Den Willen spüren. Selber wollen. Aber ist das eigentlich immer Fußball,
       den diese [2][Testosteronmonster] da spielen? Immer auf die Beine der
       Gegner, immer eine Hand am Trikot der anderen. Ja, der Sport kann fies
       sein. Aber gehört das nicht dazu? Kämpfen und spielen, so soll es sein.
       Hart hinten und mit feinem Fuß vorne.
       
       Alle auf den Kleinen! Mitleiden mit dem Größten aller Zeiten, wenn er
       wieder mal auf dem Rasen liegt nach einem Foul. Weghören, wenn es wieder
       heißt, dass Messi bevorzugt wird. Mitreden, wenn Verschwörungstheorien
       ventiliert werden. Ein Spiel der Argentinier dauert immer mehr als 90
       Minuten. Ein WM-Finale mit den Hellblau-Weißen ist Thema für Generationen.
       
       Bloß keinen Streit vermeiden. Ja, [3][Messi ist Botschafter für
       Saudi-Arabien.] Schon klar. Aber seine Ballbehandlung, seine Pässe, seine
       Schüsse. Und alleine kann er es sowieso nicht richten. Irgendein
       Argentinier mit irgendeiner irren Tätowierung steht am Ende immer richtig.
       Kampfschweine zu Fußballgöttern! Nach dem Finale gleich ins Tattoo-Studio?
       Das muss dann doch nicht sein.
       
       Und diese Fans! Mehr Feuer gibt es nicht in den Kurven der WM-Stadien. Sich
       davon anstecken lassen. Zu Hause auch mal mitschreien. Und wenn die Fenster
       auf sind? Egal! Sollen die Nachbarn ruhig hören, dass da gerade ein Titel
       gewonnen wird. Mit Power, mit Intensität, mit Emotionen und mit jeder Menge
       Schweiß.
       
       Wer da nicht mitschwitzt, hat den Fußball nie geliebt. Und am Ende die
       Belohnung: gestandenen Männern beim Weinen zusehen. Mitweinen? Jetzt bloß
       nicht übertreiben. Aber eins ist sicher: Wer Argentinien beim Spielen
       zusieht, kann den Fußball spüren. Es darf keinen anderen Weltmeister geben.
       
       17 Jul 2026
       
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